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kokhaviv publications

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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2004-06-11

Avram Kokhaviv

Wer wurde zu Grabe getragen?

Auch - was?

Zum Staatsbegräbnis Willy Brandts sagte meine Frau:

"Jetzt tragen sie die SPD zu Grabe."

Daran mußte ich in diesen Tagen denken, als Amerika seinen großen Präsidenten Ronald Reagan auf dem letzten Weg begleitete, der schier kein Ende nahm.

Das großartige staatliche Zeremoniell war mehr als der Abschied von einem Präsidenten, einem zumal, der zu Leb- und Amtszeiten in der intellektuellen Öffentlichkeit nicht allzu viele Freunde hatte.

Reagan war im Volke beliebt, er war bei Menschen beliebt, die sich ein Maß an intakter Menschenkenntnis bewahrt hatten.

In Deutschlands Medien und bei sogenannten Friedenspolitikern erntete der konsequente Streiter gegen die sowjetische Gefahr Haß und Häme.

Heute endlich fällt auch Berliner Opportunisten ein, daß der Platz vor dem Brandenburger Tor den Namen Ronald Reagans tragen sollte.

Die Welt hat sich gewandelt, Amerika hat sich gewandelt.

Amerika hat es heute schwer, sein gutes Image der vergangenen Jahrzehnte des Kalten Krieges zurück zu gewinnen.

Die USA werden kaum noch mit der Invasion in der Normandie, dem "D-Day", dem Sieg über die Hitler-Tyrannei assoziiert.

Bei "D-Day" mag manch einer auch an den 11. September 2001 denken.

Um so mehr tritt das häßliche Amerika hervor, weitaus häßlicher noch als das von Vietnam.

Das Folter-Amerika, das Amerika der Rache für den eher unaufgeklärt gebliebenen Anschlag auf das World Trade Center, aufs Pentagon...

Das Amerika des unversöhnlichen Kreuzzugs gegen den Islam nimmt mittlerweile den ganzen Bühnenraum ein...

... wenn nicht so große Feierlichkeiten wie der nachgestellte "D-Day" von 1944 und das imposante Staatsbegräbnis für den alten Präsidenten die vertraut-trübe Szene völlig verändern...

Der Tod Reagans wirft keinen Schatten, der tote Präsident trägt Licht ins politische Theater, die militärisch-politische und religiöse Inszenierung des Präsidententodes sorgt für Freude, bringt neue Hoffnung nach Amerika und in die Welt: so menschlich, so freundlich, so erfolgreich wie Ronald Reagan und seine Zeit möchte Amerika sich sehen und wieder gesehen werden.

Ronald Reagan wird verabschiedet wie ein amtierender Präsident, als "der Präsident", der "Chef" - mit der Melodie, die nur dem lebenden Präsidenten zugedacht ist.

Mit Ronald Reagan wurde "der Präsident" zu Grabe getragen und mit ihm Amerika, wie es einmal war und nie wieder wird sein können.

Die Totenglocke der Kathedrale von Washington rief mehr als nur "Good bye, Mister President".

Was uns bleibt, ist diese Gewißheit: Gott werde es nicht zulassen, daß an Amerika all das zugrunde gehe, was das Land, die Demokratie, das historische Phänomen "Amerika" - Hoffnung und Zuflucht aller Unterdrückten und Verfolgten Europas - zu einem Glücksfall der Geschichte machte.

Der Präsident ist tot, es lebe der Präsident, es lebe Amerika!

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