2004-05-15

Avram Kokhaviv

Amerika nicht allein

Es steht mehr auf dem Spiel

Wilhelm Dietl, Schwarzbuch Weißes Haus. Außenpolitik mit dem Sturmgewehr. Unter Mitarbeit von Katrin Wahl. Copyright © by area verlag gmbh, Erftstadt. Printed in Czech Republic 2004

Der Imperialismus der Vereinigten Staaten ist mehr als nur amerikanische Außenpolitik.

Was daran verwerflich, bedrohlich, beängstigend die Welt in Aufruhr versetzt, ist Amerikas Vertreterschaft für die gesamte "westliche Zivilisation".

Die USA sind das expandierende Europa, das erweiterte und sich täglich erweiternde Abendland.

Amerika ist das Römische Reich hoch drei, ist der die Kontinente sprengende Okzident, ein historisches, politisches, philosophisch-weltanschauliches Musterreich und Ungeheuer zugleich.

Die abendländische Renaissance der heidnischen Antike ist - nach dem mythischen von Golgatha - historisch der wissenschaftliche Gottesmord.

Die Ermordung Gottes war nicht die Kreuzigung Jesu, sondern Europas philosophisch-theologische Auslegung der Passionsgeschichte.

In einem Menschen den lebenden Gott zu "erkennen" und seine Hinrichtung als das Sterben des Unsterblichen, ist eine einmalige - europäische - Denk-Leistung oder Mißgestalt.

Das evangelikale Amerika - auf seinem Kreuzzug gegen den Islam - wird in gleicher Weise von Gott verlassen, wie das Alte Europa vor tausend Jahren im Angesicht des Islam seinen christlichen Glauben verlor.

Die islamisch bewirkte Metamorphose des Abendlandes, der das Alte Europa mit der katholischen Eroberung Amerikas und das Neue Amerika in den Weltraum zu entfliehen versucht, setzt sich unbekümmert fort.

Der deutsche Journalist und Sachbuchautor befaßt sich seit langem mit der Mittelost-Situation und ihren sicherheitspolitischen Implikationen.

Wilhelm Dietl ist stellvertretender Leiter des Essener Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik, bringt also von da her eine besondere investigative Sicht mit.

Dietl legt eine faktenreich begründete Arbeit vor, eine Geschichte der amerikanischen Kriegsverbrechen, die den Akzent vor allem auf die konservative "Öljunta" setzt.

Öl ist aber das Blut der modernen Industriemacht per se.

Ohne dieses Blut ist die gesamte westliche Welt zum Tode verurteilt.

Blut ist nur ein Mittel zum Zweck.

Was Amerika in Mittelasien tut, tut es nicht für sich allein.

Mit der Neuen Welt siegt und zerbricht auch das Alte Europa.

Die Kreuzzüge von heute setzen die von damals nur fort, ihr Scheitern ist wie in Gott beschlossen.

Der tot Geredete ist höchst lebendig.

Der Germane Wilhelm Dietl spricht auch in eigener Sache, wenn er mit flotter Feder den Amerikanern die Leviten liest.

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