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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2004-03-11

Avram Kokhaviv

Sie haben ihren Besten verjagt

Was danach kommt, ist mehr als nur verdiente Strafe

Helmut Kohl: Erinnerungen 1930-1982. Copyright © 2004 bei Droemer Verlag. Ein Unternehmen der Droemerschen Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München. Für Hannelore

Brigitte Baumeister mit Dietmar Brück: Welchen Preis hat die Macht? Eine Frau zwischen Kohl und Schäuble. Die Ex-Schatzmeisterin und die Schwarzen Kassen der CDU. Copyright © by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Seine "Sturheit" war und bleibt ehrenhaft, auf sein Wort ist Verlaß.

Ein Ehrenwort steht über aller von Menschen gegebenen - zeitgebundenen - Gesetzlichkeit.

Helmut Kohl gab ein Versprechen und hat es gehalten.

Das ist das entscheidende Kriterium vor Gott.

Daß er sich nach Menschensatzung schuldig gemacht hat, steht auf einem anderen Blatt.

Helmut Kohl ist nicht nur ein Ehrenmann, er war und bleibt bisher auch der erste und einzige Aufklärer in dieser Spendenaffäre.

Merkels CDU hat ihn fallen lassen wie eine heiße Kartoffel.

Betrachtet man die seitherige Entwicklung, so kann einem allerdings auch der Verdacht kommen, daß Kohls Weggang in einem höheren politischen Interesse lag.

Ein Deutschland ohne diesen Bundeskanzler und mit der zerschossenen Regierung Schröder und Struck ist - bei aller Verstocktheit - international pflegeleichter...

Warum "Kohl muß weg" diesen Erfolg hatte, wodurch das Land ziemlich nah an den Abgrund geriet, bleibt immer noch ein bißchen schleierhaft.

Bei Brigitte Baumeister ist zu lesen, daß der Kanzler womöglich an seiner ungenügenden Flexibilität fürs Computer-Zeitalter scheiterte; die neue Manager-Generation habe ihm vielleicht nicht mehr zugetraut, die kommenden Probleme zu bewältigen...

Die SPD wirkte angeblich dynamischer...

Mittlerweile erinnern lange Schlangen von Reumütigen Helmut Kohl als "alten Friedenskanzler" - der immerhin die Raketennachrüstung durchgesetzt hatte!

Sicherlich trug - wie gewohnt alther gebracht - die Evangelen&FDJ-Fraktion der CDU zur Demontage der weltoffenen rheinisch-katholischen Politik kräftig bei.

Selbst Volker Rühe ließ in letzter Minute diese Katze aus dem Sack.

Wolfgang Schäuble, der das Opfer eines Pistolen-Attentats wurde, war letzten Endes nicht Ziel eines "Psychopathen"...

Der hinterhältige Schütze ist der Sohn eines SPD-Bürgermeisters, aus dessen Waffenschrank auch die Pistole stammte.

Schäuble - damals Bundesinnenminister - war gerade dabei, in der ehemaligen DDR einen effizienten Verfassungsschutz aufzubauen.

Das Attentat nicht in diesem Zusammenhang zu sehen, ist mehr als fahrlässig...

Daß Schäubles Bruder Thomas in einem öffentlichen Akt von Bärendienst einen bösen Keil zwischen Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl trieb, mehrt diese Art von "Zufällen".

Brigitte Baumeister schreibt, daß beide - Thomas und Wolfgang Schäuble - Kohl viel zu verdanken hätten.

Im übrigen meint sie, die Helmut Kohl besser kennt als manch anderer, daß die behauptete Herzlosigkeit nicht zu Kohl passe.

Sie beschreibt ihn als einfühlsamen Mann, der um persönliche Probleme seiner Kollegen besorgt und da war, wenn er gebraucht wurde.

Thomas Schäuble habe mit seiner Attacke mehr über sich als über Helmut Kohl gesagt.

Sie nennt es "schlechten Stil" und ein "armseliges Spiel".

Wer an Zufälle glaubt, mag auch an solche "Zufälle" glauben.

Was später um die - doppelte? - 100.000-Mark-Spende geschah, bleibt merkwürdig.

Brigitte Baumeister schildert diese Geschichte durchaus glaubhaft und Schäubles feindseliges Verhalten gegenüber seiner früheren engen Mitarbeiterin fast wie ein Ablenkungsmanöver ihres einstigen Chefs.

Ich habe bei ihr das Gefühl, es mit einem Menschen zu tun zu haben, der Freunde in der Not nicht im Stich läßt.

Darin ähnelt sie dem Bundeskanzler Kohl.

Beide sind, als sie über Nacht in politische und persönliche Schwierigkeiten gerieten, von vielen ihrer früheren Mitarbeiter und politischen Freunde "im Regen stehen" gelassen worden.

Die politischen Fragen, die nebenbei und direkt abgehandelt werden, bleiben dem Urteil des Lesers überlassen.

Die Bücher eignen sich zum Nachschlagen und werden vermutlich nicht so schnell einstauben.

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