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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2004-01-21

Avram Kokhaviv

Bewertung eines Jahrhundertphänomens

Eine rätselhafte Persönlichkeit

Ich habe mehrmals versucht, ihm gerecht zu werden, glaube jetzt aber, ihn im Wesentlichen schon vom ersten Tage an verstanden zu haben.

Tariq Erich Knapp - eigentlich Erich Heinrich Knapp - TEK ein Jahrhundertphänomen - soll das ein Witz sein?

Keineswegs.

Ein Egozentriker, jahrhundertgemäßer Voluntarist, Omnipotenter, ein intelligenter und talentierter "Dummkopf", wie er sagt...

Was mir zu schaffen macht, ist seine Sprache, seine Schreibe, denn wer so schreibt, verdient Beachtung, meine ich.

Seine Skripte sind ein Albtraum, aber nur äußerlich, der reine - normale - Knapp-Text ist druckreif, muß nicht redigiert werden.

Nur fürs Internet lösen wir - kokhavische Regel - Absätze in Sätze auf, weil online besser lesbar.

Zum Gott der Sprache - dem vom Sinai - muß Knapp einen Draht haben, und das gibt mir seit je zu denken.

Leute, die ihn kennen, bezeichnen ihn als einen freundlichen, netten, ja herzensguten Menschen.

Für und gegen Knapp spricht seine schriftlich geäußerte Mentalität...

Ein vernünftiger Mann springt unversehens auf die Balkonbrüstung und droht abzustürzen...

Er ist - wieder einmal - am Ende.

Seine traumatische Lust bleibt es, im letzten Augenblick zurück gerissen werden...

Schlimmer als ein Absturz wäre die Nichtbeachtung - ihn einfach fallen zu lassen.

Er will den Liebesbeweis.

Vielleicht wurde ihm die - nirgendwo erwähnte - Schwester vorgezogen, mußte er sich produzieren, um nicht in Vergessenheit zu geraten.

Mich interessiert jetzt nicht die Kindheitsneurose, weniger die Psychologie als die Phänomenologie der Lebensgeschichte und ihrer Antriebskräfte.

Er spricht von seiner Triebhaftigkeit, seiner "jüdischen Triebhaftigkeit".

Früh fiel mir die Wendung von Begriffen auf.

Mit antisemitischem Vokabular kann sich ein Feind zum Philosemiten mausern, indem er es positiv einsetzt.

Er sagt nicht mehr, "diese triebhaften Juden", sondern ich mit meiner "jüdischen Triebhaftigkeit", schon hört es sich nicht mehr so triebhaft, so besessen, so haßerfüllt an.

Haß steht im Mittelpunkt seiner individuellen Befindlichkeit, und wo ein starker Selbsthaß mit spielt, stellt sich womöglich das Wort vom "jüdischen" Selbsthaß bald ein...

Die entscheidenden Momente liegen wo anders.

Knapp hat nicht wirklich den "Juden in sich" entdeckt, sondern glaubt, einer - dämonischen - Gestalt "des Juden" irgendwie ähnlich zu sein.

"Dem" Juden wird von Antisemiten "alttestamentarischer" Haß zugeschrieben, Geiz, Skrupellosigkeit, er geht "über Leichen"...

Der zum Philosemiten Gewendete sagt, dies sei alles gelogen, bildet sich aber den negativen Attributen nach.

In Wahrheit hatte er bereits sein Eigen auf jenen übertragen.

Er sagt, der - kapitalistische, deutsche, nazistische - "Teufel steht auf", und steht wirklich auf.

Die Formel "Egal, der Jude wird verbrannt", wendet Knapp bedenkenlos auf die Deutschen an, nennt die Gaskammer-Morde von Auschwitz ein "Märchen", eine reine "Erfindung" und im selben Moment die "Erfindung" ein "volkspädagogisches Meisterwerk", an dem nicht zu rühren sei...

Eine moralische Vollkommen- oder Verkommenheit, die ihren Urheber in Atemnot bringen muß bei einer Spur von Gewissen.

Hitler der Schäumende übertrug seinen Haß auf die Juden, um für "seine Leute" - seine Parteigenossen, "sein" deutsches Volk - als Messias übrig zu bleiben.

Knapps wie mit der Gebetsmühle oder am Rosenkranz herunter erzählten Feinde sind "Nazis" mit einem Obernazi und Verbrecher aller Zeiten namens Hitler.

Wie Hitler ist Knapp ein Manichäer, der nur zwischen Gut und Böse unterscheidet, was gut oder böse, das bestimmt aber er.

Knapp "will" die Welt verändern, verbessern, seinen Ideen anpassen, seinem Willen unterwerfen, will die Geschichte der Menschheit zu einem Abschluß bringen, indem er ihren inneren Hauptgegensatz löscht.

Die Ideeninhalte wechseln vom Nationalismus ("Nationismus"), über Katholizismus, Antistalinismus, Francophilismus, Eurosozialismus, Ökologismus, Atheismus, Polytheismus, One-World-Monoethismus zum rigorosen - zunächst islamischen, dann ökumenischen, inzwischen deutlich wieder katholischen - Monotheismus.

Ihre Verwendung ist durchweg voluntaristisch.

Er benutzt die Ideen auf ideologische Weise.

Er tritt als unbekannter Inquisitor auf.

Seine Theorien und Strategien zeugen von einer Allmachtsphantasie, die die ganze Welt überblickt.

Weltstrategien gehören in Knapps Denken ebenso wie der kaputte Zaun des Nachbarn.

Er ist Ankläger und Widersacher im biblischen Sinn - mit einer starken Affinität zur weltlichen Staatsanwaltschaft.

Er denunziert die "politisch Inkorrekten" bei der Justiz und die "ethisch Inkorrekten" beim lieben Gott.

Dessen "Sittengesetz" will Sittlos Knapp mit aller Macht, die er nicht hat, daher seine wiederkehrenden Ohnmachtsanfälle, durchsetzen.

Unentwegte Appelle an diese oder jene Institutionen und ihre Träger um Unterstützung sind symptomatisch für einen hilfsbedürftigen Zustand.

Spätestens beim Islam müßte er erkennen, daß es nicht seine Aufgabe ist, Gottes Platz einzunehmen.

Für den Islam zu wirken, ist die eine Sache, mit welchen Mitteln man es tut, eine andere.

Knapp ist ein Jahrhundertphänomen der Gottlosigkeit: er will die Welt seinem Willen - mit wechselnden Inhalten und Begründungen - unterwerfen, ohne dabei zu bedenken, wer der Herr der Geschichte ist und letztlich die Dinge regelt.

Knapps Ruf "Mir nach!" - bei inflationärer Verwendung von "Nazis" und Ausrufungszeichen (!) - bleibt ungestört durch die Einsicht, kein verläßlicher Vordenker, sondern ein wieder und wieder überraschter Nachdenker zu sein.

In einer neuen - ehrlichen - Selbsterkenntnis gesteht er, vieles nicht oder spät erst verstanden zu haben.

Wie kann, wer so schlecht bei Fuß ist, aber glauben, daß man ihm folge?

Wer mit dem gleichen Gestus wie einst gegen die "männischen Religionen" nun für den Islam - und für die Religion der Väter - die Werbetrommel rührt...

Er trommelt und droht - der Machtlose - zugleich und bereitet damit seinen nächsten Kollaps vor.

An seinen wiederkehrenden ischämischen Attacken müßte er lernen, daß Gottes Schöpfung nicht evolutionär verläuft, sondern mit hohem dialektischem Risiko.

Das macht ihn dem Hitler - "das habe ich nicht gewollt" - so ähnlich, obwohl der eine Weile nicht machtlos war, womit Gott so etwas wie eine Warnung verband:

Gebt solchen keine Macht, sie werden sie mißbrauchen, das ihnen Anvertraute verderben.

Knapp hat den mentalen Killer- oder Hinrichtungsinstinkt.

Es gäbe bald keine Menschengruppe mehr, die er nicht irgendwann mal "hinrichten", "ausrotten", "schneiden" ließ, wenn er nur die Macht, die Verfügungsgewalt darüber gehabt hätte.

Unabhängig von gutem oder bösem Willen.

Aber nach bestem Wissen und Gewissen.

Auch Hitler war von der Richtigkeit seines Tuns überzeugt.

Sie wollen ja alle nur das Beste.

Hitler war krank, Knapp sagt das Gleiche von sich; daß Durchblutungsstörungen sein Gehirn zeitweilig stillegen, sein Asthma, seine immer wieder erwähnten Migräne-Anfälle - auch sexual-psychologisch interessant - sprechen für unregelmäßiges Atmen, Enge und Angst.

Er sollte die - von ihm verachteten und wie traumatisch verfolgten - Hindus oder Buddhisten oder die taoistischen Chinesen einmal fragen, was sie ihm - etwa an herzerfrischender und blutreinigender Atemtechnik - empfehlen könnten, auch Akupunktur hilft oft weiter.

Den offensichtlich Harmoniebedürftigen nehmen die - in seinem Fall völlig illusionären - djihadischen Aufregungen allzu sehr mit.

Vielleicht war das auch der Grund für die Tibet-Sehnsucht der SS-Mythologen.

Sein Heil ist wohl nicht der Kampf, sondern in einem fernasiatischen Mönchsorden, wo er endlich einmal zu sich und seinem Nirvana kommen könnte.

Herz und Hirn würden es ihm danken.

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