2004-09-26
Vorgeschichten bleiben heiter bis wolkig, wenn du sie von weitem erzählst
Hitler bis wolkig
Die "Hitler"-Welle boomt, scheint jedenfalls zu boomen, und man macht sich so seine Gedanken.
Bruno Ganz ("Der Untergang") bringt "Hitler" in einer Mischung aus menschlicher Nähe und Karikatur, die das "Monster" nur ahnen läßt.
Robert Carlyle ("Aufstieg des Bösen") karikiert "Hitler" von vornherein, läßt allerdings den Kontrast zwischen der Figur "Hitler" und der Substanz seiner Reden hervortreten.
In beiden Filmen muß etwas anderes auffallen.
Die Umgebung "Hitlers" wird relativ normal gezeigt, so daß von den Verrücktheiten nur der "Hitler" übrig bleibt.
"Goebbels" ist beidemale relativ normal und neben Carlyle fast wie eine Stimme der Vernunft dargestellt, was mit der historischen Wahrheit nichts mehr gemein hat.
"Heß" neben Carlyle sieht nicht aus wie Heß, sondern wie eine Schreibkraft mit Halbglatze, die überhaupt nicht zu Wort kommt.
Auch "Göring" ist nur sichtbar.
Geschichtliche Hintergründe werden zum Teil erwähnt, aber nicht weiter behandelt.
In beiden Filmen ist "Hitler" - trotz Ganzens Widerspruch - letztlich doch nur eine Karikatur; dazu genügt die klischierte Ähnlichkeit, die sich auf eine Person beschränkt.
In den Talkshows ist immer wieder zu hören, daß es gut sei, wenn so ein Film heute von Deutschen gemacht werde, sie hätten mit dem "Untergang" Mut gezeigt und ähnliches mehr.
Wesentlich an allem erscheint mir etwas anderes.
Weder die Amerikaner noch die Deutschen zeichnen die Figuren der historischen Wirklichkeit nach.
Du kannst das Böse auch so herausstellen, daß der Mensch darin sichtbar bleibt; und den Menschen, daß an seiner dunklen Seite das exemplarisch Menschliche erkannt wird.
Wer den Carlyle-"Hitler" auf "Terroristen" schimpfen hört, wird unwillkürlich an die aktuellen "Terrorismus"-Debatten erinnert.
Soll das so sein?
"Trauen" sich die Deutschen, weil sie merken, daß die Verbrechen der andern - ihrer Ankläger und Richter - sich den eigenen durchaus vergleichen lassen, allerdings immer sehr schnell wieder "vergessen" sind, während die deutschen Verbrechen bis in alle Ewigkeit behandelt werden, als wären sie soeben geschehen?
Ich will nicht sagen, daß das einen neuen "Hitler" gebären muß, aber jedes normale Gerechtigkeitsgefühl wird damit arg strapaziert.
Woher das mediale "Hitler"-Interesse gerade jetzt kommt, kann man nur mutmaßen.
Mitunter habe ich das Gefühl, daß manche "Global Players" eine Wiederholung der Katastrophe von 1933 ganz gern sähen, weil dadurch gleich mehrere Probleme in einem Abwasch erledigt werden könnten.
In den medialen "Untergang"-Diskussionen wird darüber diskutiert, daß Hitler in seinem Berliner Bunker Armeen befehligte, die gar nicht mehr existierten.
Wie sollte er wissen, daß diese kampffähigen (!) Armeen sich kampflos dem Feind übergeben hatten?
Er war isoliert, weil die Generalität längst ihr eigenes Spiel spielte.
Die Frage ist, ob ihr Handeln - mit den bekannten Folgen für die gefangenen deutschen Soldaten - dem deutschen Volke letztlich gut tat oder einfach nur Landesverrat war.
Deutschlands - innere und äußere - Feinde sind an einer derartigen Objektivierung bzw. Historisierung natürlich weder interessiert noch gar beteiligt.
Solange die einstige "Anti-Hitler-Koalition" ihren heutigen Verbündeten Deutschland - in diesen Grundfragen - nach wie vor - via UNO - als Feind betrachtet und behandelt, leidet die Würde der Deutschen, die sich nicht dagegen wehren.