2004-03-21

Felix Pech

Überlegungen zur IV. Internationale

Die sozialistische Idee ist von den Trotzkisten auf beinah überzeugende Weise aufrecht erhalten worden.

Der antibürokratische Impetus und die Arbeiterdemokratie sind festes Gedankengut der Internationalisten.

Sie wollen die Globalisierung nicht auf dem Wege nationaler Souveränitäten bekämpfen, sondern die objektive Entwicklung vorantreiben und sozialistisch wenden.

Der moderne Fortschritt wird nicht in Frage, die technischen Errungenschaften werden vielmehr in den Dienst der Arbeiterklasse gestellt.

Technologien und Wirtschaft kommen der arbeitenden Allgemeinheit zugute.

Der marxistische Grundgedanke bleibt unangetastet.

Der antibürokratische Impetus der Trotzkisten hat einen keimhaft kleinen Gedankenfehler.

Die trotzkistische Kritik richtet sich gegen den Stalinismus und seine Bürokratie, ignoriert jedoch, daß der Verwaltungsapparat bereits dem sozialistischen Grundgedanken immanent ist.

Die IV. Internationale betont heute (!), daß die Sowjetunion nicht an der Wirtschaftsplanung, sondern an der Bildung einer neuen herrschenden Klasse gescheitert sei.

Das läßt sich allerdings auch unter trotzkistischer Führung nicht vermeiden.

Soll die permanente Revolution des proletarischen Bewußtseins nicht im Sande verlaufen, wie - wenn nicht administrativ von oben - wird diese "Revolution" denn unentwegt angetrieben?

Der permanente technische Fortschritt bringt permanent eine technische Elite hervor.

Die soziale Ungleichheit wohnt dem Fortschritt inne.

Im revolutionären Kader steckt die neue herrschende Klasse.

Eine klassenlose Gesellschaft ist weder denkbar noch wünschenswert.

Die sozialistische Idee der IV. Internationale vom globalen System einer Arbeiterdemokratie, die der zunehmenden Entdemokratisierung entgegen wirken soll, kollidiert mit anderen - als gerecht und gottgewollt sich verstehenden - Gesellschaftsmodellen und Weltanschauungen, die beim Sieg der Internationale so oder so unterdrückt werden müßten.

Das Führungskomitee der IV. Internationale wird ohne Absolutheitsanspruch und die ihn manifestierenden straff organisierten Institutionen - Volksarmee, Volkspolizei, Arbeiterkontrolle, geheime Volksaufklärer, Überwachungstechniken und ihre Behörden... - nicht auskommen.

Jeder Sozialismus beginnt mit seiner Parteiorganisation, will sagen: mit einer Bürokratie, einem Kontroll-, Disziplinierungs-, Unterdrückungsapparat.

In jedem Sozialismus schlummert die Zwangsgesellschaft.

Die sozialistische Idee scheitert an ihrer metaphysischen Unangemessenheit, somit an der Realität.

Die beste Weltordnung ist die bei Heraklit mit wenigen Worten formulierte:

Ein Haufen aufs Geratewohl hingeschütteter Dinge.

Das zu verstehen, braucht es eine Prise Gottvertrauen.

Die Welt zu verbessern, ist eine ignorante - per se atheistische - Idee.

Der proletarische Klassenkampf gehört zum innigen Wesen der in sich antagonistischen Welt, er will und soll sie nicht verbessern oder verändern, er will - objektiv - sie erhalten.

Er will diesen ewigen Kampf, nicht sein Ende in Sieg oder Niederlage.

Das Unrecht ist die bleibende Motivation.

Die Überlegenheit des Kapitalismus beruht auf seiner unaufhaltsamen Dynamik.

Unter dieser Bedingung hat der Klassenkampf einen Sinn.

Er soll und wird niemals enden.

Würde er nur mal beginnen...

Wer nicht kämpft, bringt die schönste Weltordnung keineswegs durcheinander.

Resignative Hinnahme ist die Weisheit der Abgeklärten.

Wer das alles organisieren will, hat die Welt noch nicht verstanden.

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