2003-08-11
Die Geschichte ein Theaterstück
Marionetten wie Handelnde
Und Spieler treten als Autoren auf
Ich muß es mal sagen, weil ich nicht zuviel versprechen darf, man würde es mir auch nicht glauben.
Die Wahrheit hat viele Facetten, der Mensch zeigt Gesichter hier und Gesichter dort; wer kennt ihn aber, wie seine Mutter ihn sah, als er zum erstenmal die Augen aufschlug?
Das Leben ist nicht aus einem Stück, wir erleben uns und sind uns dessen gar nicht so sicher.
Namen sind Charakterzüge, sie könnten und sollen es jedenfalls sein.
Du spielst viele Rollen, jeder Schauspieler tut das.
Schauspieler zu Charakteren.
Kurt Tucholsky schrieb unter mehreren Pseudonymen, täuschte den Lesern eine Autorenmannschaft vor.
Ich fand es problematisch, von einem Mann, dessen bürgerliche Identität ich kannte, Texte unter verschiedenen Namen zu lesen.
Ich glaubte, der Mann sei schizophren oder müsse es mit der Zeit werden.
Dann tat ich es selbst - ohne den geringsten Anflug von Angst, davon verrückt zu werden.
Ein anderer Autor schrieb nebenberuflich unter Pseudonym, um seinen Behördenjob nicht zu gefährden.
Es ist auch bequemer, nicht ständig an den Chef denken zu müssen, der vielleicht mitliest, womöglich die Sachen, die von ihm handeln.
Da versteckt man sich halt, schlüpft in eine andere Haut, führt ein Doppelleben, die einen kennen den Autor, die andern den Beamten oder Verkäufer.
Allmählich wirkt es sich auf die Persönlichkeit aus.
Ein gehobenes Experiment ist die Theaterinszenierung.
Da wird ausprobiert, was zusammenpassen könnte, was nicht, Überschneidungen werden sichtbar, die Grenzen des Möglichen und Zumutbaren.
Die Definitionen nicht auf die Spitze treiben, nicht zu streng auf Unterschiede achten, auch in Kauf nehmen, wenn nicht damit kokettieren, daß das Spiel durchschaut, die Regie eines Tages hinter den Kulissen hervorgezogen wird.
Die Figuren sind ein Zeichenarsenal, ein Tuschkasten, die Menschen sind erfunden zum Zwecke der Unterhaltung, der Aufklärung, alles Theater, alles Illusion und Verfremdung, das ist nicht zu übersehen.
Die Agentur ist eine Bühne, Publikationen sind Bühnenstücke, Trauerspiele, Dramen und Komödien.
Amüsiert euch, Leute, wir bringen die Welt gerade hinter uns, vulkanisieren und verdrahten, bis die Seile reißen, die Pfeiler einstürzen und der Berg ausbricht.
Der Autor bleibt, der er ist.
Jede Idee enthält ihre Fragwürdigkeiten.
Regisseure spielen Gott.
Die Künste sind heidnischen, olympischen Ursprungs, das Bildnismachen - und quasi Bildnismachen - ist keine Empfehlung des Einen Gottes, der uns gleichwohl nach seinem Bilde erschuf.
Wir aber, seinem Bilde, seinem Wesen, seinem Spieltrieb entsprechend, tun es ihm gleich, tun es ihm nach, wollen und müssen tun, was uns ausdrücklich verboten worden ist.
Wir ziehen alle Gesichtspunkte in Betracht und schaffen die Voraussetzungen für einen neuen Olymp, für eine Bühne mit wechselnden Spielern und Göttern.
Die Imitation Gottes gibt seiner Idee eine Vielfalt, wie wir sie aus seinem Werk bereits kennen.
Alle Namen Gottes sind Synonyme, auch daran sollen wir uns halten.