2003-08-05
To: Mißfelder
From: avram kokhaviv <avramkokhaviv@kokhaviv.org>
Subject: altersbedingt
Sehr geehrter Herr Philipp Mißfelder,
ich will nicht Ihr nomen zum omen stilisieren,
junger Mann,
und ich würde jederzeit für Ihr Recht eintreten, als junger Student und kaum bewährter Politiker auf Kosten der Allgemeinheit erst einmal die Jugend und Unausgereiftheit hinter sich zu bringen.
Möglichst schnell, man weiß ja nie.
So sollten Sie Ihre Parteiarbeit eine Weile zurückstellen, bis Sie den Durchblick haben und auch wissen, was Sie sagen, denn Ihre jüngsten Worte sind ja eher eine intellektuelle Mißernte, da sind die Steuermittel wohl doch nicht so gut angelegt worden.
Ganz schön trüb für eine christliche Partei.
Vielleicht liegt's aber auch an der Hitze.
Haben Sie keine Eltern oder Großeltern, die Ihnen sagen, was für einen Stuß Sie reden, abgesehen von dem gesellschaftlichen Schaden, den Sie damit anrichten: daß es nämlich genau umgekehrt ist, daß die gefüllten Rentenkassen geplündert und zweckentfremdet worden sind, daß ein gesundes Sozialversicherungssystem ruiniert worden ist, weil die Arbeitgeber sich um ihre Anteile - ihre gesellschaftliche Verantwortung - mogeln wollen, die Geldseite der sozialen Medaille sich zu entpflichten gedenkt.
Wo sonst war andererseits die Eigenverantwortung so groß und selbstverständlich wie bei jenen, die Sie jetzt eliminieren wollen. Sie könnten sich davon eine Scheibe abschneiden.
Um die Alten mache ich mir keine Sorgen, die haben das Leben bewältigt, wie Sie es nie kennengelernt haben, die werden auch die nächsten zwanzig oder fünfzig Jahre packen, die werden auch mit Ihren Unglaublichkeiten fertig werden, Euch noch das Fürchten lehren, wer weiß, irgend jemand muß ja auch die Arbeit tun, wenn die junge Jammergeneration sich im Moment nur in die Plüschecke drückt, um die Welt zu beklagen, und dort die Schuldigen sucht, wo sie den geringsten Widerstand vermutet.
Täuschen Sie sich mal nicht.
Die Energien aber, die jetzt gebraucht werden, müssen genau dort eingesetzt werden, wo Sie stehen, wo der Widerstand enorm ist, wo die Macht, der gesellschaftliche Reichtum und die seelenlose Frischlingsgeneration der Dienenden und Nickenden und nach unten Tretenden sich gegen das Volk organisieren.
Freuen Sie sich nicht zu früh, der Gott, der Sie längst verlassen hat, ist nicht bei denen, an deren Gefallen Ihnen liegt.
Zu Ihrem Denken kann ich nur gratulieren.
Drum herzlich,
Horst Lummert (Avram Kokhaviv)