2003-02-04
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Nachgedanken zu Gotthilf Foersters Biotelie-Vorschlägen
Was ich aus dem Gesamtzusammenhang herauslese, ist nicht das, was Gotthilf Foerster explizit will; natürlich will er nur das Allerbeste.
Nur wer was auf dem Kerbholz hat, müsse den starken Staat fürchten.
Das ist in jedem Zuchthaus so. Wer schön brav ist, hat nichts zu fürchten, es sei denn, man habe ihn sonstwie auf dem Kieker.
Der starke Staat mag sich noch so sehr als nicht-totalitär definieren, er ist totalitär per se und immer potentiell, weil er die Macht hat.
Ich denke dabei zuerst an die Möglichkeiten des Mißbrauchs. Und daran, daß gerade die, die was auf dem Kerbholz haben, sich des Staates bemächtigen und wir uns nicht mehr dagegen wehren können.
Das haben wir doch schon ein paarmal erlebt.
Ein Beispiel ist ja auch die Todesstrafe: Nicht, daß es keine todeswürdigen Verbrechen gäbe, sondern daß aus anderen, etwa politischen, ideologischen Gründen die Rivalen auf diese Weise ausgeschaltet werden können.
Schon im demokratischen Amerika kommt es immer wieder zu Justizmorden.
All das haben wir oft genug erlebt.
Warum begnügt er sich nicht mit unserem demokratischen Rechtsstaat? Es müssen doch nur die geltenden Gesetze angewandt werden.
Jeder starke Staat will verbal immer nur das Beste für "seine" Bürger, sprich: Untertanen, ist aber in Wahrheit deren größter Feind.*
* Vgl. Sam Wonder, Die Erfurter Lektion, in newcatch/online exclusive
Objektiv.
Jeder Vertreter des Staates hält sich gewiß für einen Wohltäter.
Der starke Staat behebt die Mängel nicht, er bringt sie hervor.
So viel Staat wie nötig, so wenig wie möglich! Die Freiheit ist unsere einzige wirkliche Sicherheit.
Damit haben wir in der Tat noch kein Paradies, so was gibt es sowieso nicht. Der Mensch ist seiner ganzen Natur nach unvollkommen, mangelhaft. Darum kann es keine perfekte Gesellschaft geben.
Menschen, die die Mängel beseitigen wollen, bringen nur ihre eigenen Mängel hinein.
Was Persönliches: Mein Islam ist ideeller Art. Ich gehöre keiner Religionsgemeinschaft an.
Die moralische Verkommenheit unserer modernen Gesellschaft könnte ein ethisches Korrektiv gebrauchen.
Die abendländischen - religiösen, philosophischen, ideologischen - Lehren haben irgendwie abgewirtschaftet.
Islamische Prinzipien könnten der europäischen Volksseele ein wenig aufhelfen, vermute ich.
Ich glaube durchaus, daß die allgemeine Misere im Zusammenhang mit der europäischen Gottverlassenheit steht.
Das hat die Geschichte so erbracht, und wie man immer wieder sieht, ist die Geschichte nur zum Teil Menschenwerk. Es bleibt viel Unerklärtes und Unerklärliches daran.
Meine Vorstellung von "Islam" oder "Monotheismus" oder "geprüftem Torahwissen" ist ein Diskussionsbeitrag und nur als solcher "politische Praxis".
Prognosen werden von der Geschichte bestätigt oder widerlegt.
Im übrigen streite ich gegen einen totalitären Islamofaschismus genauso vehement wie gegen andere oder ähnliche Totalitarismen.
Wenn meine Hypothesen, einschließlich der "Urhypothese" namens "Gott", nicht mehr stimmen, muß ich über sie hinausdenken.
Aber ich werde mich hüten, nach einem starken Instrument zu rufen, mittels dessen meine Theorien verwirklicht werden könnten.
Der Krieg als der Vater der Dinge unterliegt nicht unserem Willen.
Wenn es Foerster und Gleichgesinnten gelingt, den Krieg abzuschaffen, dann habe ich mich (mit Heraklit und dem biblischen Gott, dem Herrn der Heerscharen) geirrt. Dann formuliert die These kein allgemein gültiges Gesetz.
Wir können uns den intellektuellen Streit, Konkurrenzen und Rivalitäten nicht erhalten, ohne damit auch den Krieg, der nur eine höhere Stufe dieser Widersprüchlichkeiten darstellt, zu erhalten.
Nach meiner Auffassung ist das, was Gotthilf Foerster tut, ohnehin die geistige Vorbereitung bzw. Legitimierung eines kriegerischen Aktes, die theoretische Einleitung bzw. Begründung von Feindseligkeiten. Dieser Krieg - zuvörderst heute gegen den Islam - findet aber längst statt.
Die ganze Natur, sprich: Gottes Schöpfung, unterliegt diesen dialektischen Regeln. Wenn wir den Krieg abschaffen, schaffen wir die Natur ab, die ja gerettet werden soll.
Die bei Foerster zitierte germanische Auffassung von Gott als dem Guten übersieht die Nachtseite des Tages.
Was tun, sprach Zeus.
Ein paar Fragen stellen, die Situation analysieren. Das ist Sache der Köpfe.
Daraus Konsequenzen ziehen. Das geht an die Politik.
Die Not des Volkes fördert die kleine Kriminalität, die vom Großen Organisierten Verbrechen erfaßt und ausgebeutet wird.
Die Gefährdung und Hilflosigkeit des Bürgers angesichts der Unfähigkeit des Staates, das Volk zu schützen, gibt dem Einzelnen das Recht zurück, sich selbst zu verteidigen.
Ein unnützer Staat wird überflüssig. In einem starken Staat aber kommt der Bürger vom Regen nur in die Traufe.