2003-07-26
Letzte Randbemerkungen
(s. die vom 22.7.03)
5. Die Renazifizierung war die Sowjetisierung/Moskowitisierung der BRD infolge der ausgebliebenen Rückkehr zum Naturrecht.
Sie hätten sich auch "nichtchristliche Adenaueristen " nennen können oder "Adenauer-FDP'ler", weil sie nur "Irgendwie-Christen" waren, noch christlichen Kirchen angehörten und Kirchensteuern zahlten.
Sie waren Anhänger Adenauers ohne das christliche Fundament der Mitglieder der CDU/CSU.
Aus folgenden, hier verkürzt wiedergegebenen Gründen:
- pro NATO -
- pro-Bundeswehr (zuvor pro-EVG) -
- pro-Frankreich schon vor de Gaulles Präsidentschaft -
- pro-Soziale Marktwirtschaft im Sinne Alexander Rüstows -
- anti-sowjetisch, doch nicht immer auch antimarxistisch oder antikommunistisch, was Sympathien für Tito wie für den Sowjetgegner Mao ermöglichte -
- antinazistisch -
- antineutralistisch (Stalinnote, Rapacki, Noack, ein niedersächsischer Landwirtschaftsminister (CDU?), dessen Name heute nicht mehr erinnerbar ist (Gerecke?).
Diese kleine Gruppe, die sich später in der Liberalen Weltunion LWU wiederfand, bestand aus folgenden Leuten: Keitel, Kluthe, Schumann, Pilz, Baum, Knapp.
Zu Osteuropa hatte diese Gruppe folgende Einstellung:
Lieber für längere Zeit keine deutsche Wiedervereinigung als eine schnellere im Zustand gesamtdeutscher Neutralität, was Gegensätze zu Heinemann wie Dehler verursachte.
Eine deutsche Wiedervereinigung sollte zur Wiedergewinnung der deutschen Ostgrenze von 1937 führen.
Die Heimatvertreibung der Ost- und Sudetendeutschen galt prinzipiell als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wenngleich die Rhetorik der Vertriebenfunktionäre wie Seebohm und anderer ekelhaft und widerlich war.
Die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie als "Friedensgrenze" durch das Ulbricht-Regime wurde als "typisch für die SED-Diktatur" gewertet.
Das Verbrechen der Unmenschlichkeit sollte durch ein vereinigtes Europa bereinigt und wiedergutgemacht werden.
Dieser Sicht der Osteuropa-Politik stand emotional die Einschätzung der SBZ/DDR als Erbe Preußens entgegen; Preußen galt als militaristischer Obrigkeitsstaat.
Als Brandts Version der Ostpolitik begann und ablief, war diesen Adenaueristen zwar an der Wiedergewinnung des guten deutschen Namens bei den Völkern Osteuropas viel gelegen, kaum hingegen bei den dortigen Regierungen.
Diplomatische Beziehungen Bonns wären erwünscht gewesen mit dem Rumänien unter Ministerpräsident G. Gheorghiu-Dej , danach mit der CSR unter Dubcek.
Knapp allerdings waren roll-back-Hoffnungen großdeutscher Kräfte im AA bekannt geworden, was ihn vorsichtiger werden ließ - einige Jahre später wurde auch Rotchina interessant, das zunehmend antimoskowitischer wurde (störend war nur die rotchinesische Hochschätzung Stalins und Abneigung gegen den Entstalinisierer Chruschtschow; aber das waren ja keine außenpolitischen Faktoren, sondern ideologische).
Brandt hatte schon mit der Tutzinger Rede seines Mitarbeiters E. Bahr eine gewisse nationalistische Inklination signalisiert.
Man durfte davon ausgehen, daß nun an Moskau allzuviele Konzessionen gemacht würden.
Nach Auftreten der APO mit ihrem sogenannten "Antifaschismus" empfahl es sich, den Widerstand gegen Brandts Ostpolitik samt ihrem braunen personalpolitischen Substrat im AA sowie in der FDP zu instrumentalisieren, was gerade bei alten weimarischen SPD-Leuten zu großer Unruhe und zur Entfremdung von "Genosse Willy" führte.
Im Zusammenhang mit Polen kam noch einmal die Oder-Neiße-Linie in der Gruppe zur Sprache.
Man wollte keine Wiederaussiedlung der Polen im ehemaligen Ostdeutschland, aber andererseits konnte doch auch nicht das Verbrechen der Heimatvertreibungen ausgerechnet von Bonn nachträglich faktisch anerkannt werden.
Knapp plädierte deshalb dafür, daß entweder wenigstens die Gebiete westlich der Oder (Stettiner Land) an Deutschland zurückgegeben werden sollten oder das infolge der gemeinsamen deutsch-rotchinesischen antisowjetischen Außenpolitik von Rußland freigegebene Nordostpreußen (Königsberger Land) an Polen fallen sollte, das dann im Ausgleich Teile Pommerns oder Schlesien zurückerstatten würde.
Knapp prägte dabei das, zumal von Keitel lustig verspottete Schlagwort von den "symbolischen Quadratkilometern".
6. Zusammengefaßt kann gesagt werden, daß die Renazifizierung der BRD identisch wurde mit ihrer Sowjetisierung durch moskowitische Sympathiewerbungen, Erpressungen der Ribbentrop-Verbrecher, gewisse antifaschistische Gemeinsamkeiten des früheren SAP-Mitgliedes Brandt bezw. des früheren KPD-Mitgliedes Wehner und anderer, auch durch primitiven Aufkauf von MdB, wie es im gescheiterten Mißtrauensvotum gegen Brandt zum Ausdruck kam.
Die Windelweichheit des evangelischen Flügels der CDU (Gerstenmaier, Schröder und viele andere) spielt in diesem Prozeß mit.
Die Renazifizierung der BRD, so läßt sich sagen, war das Ergebnis der fatalen deutschen "Ehre", den eigenen deutschen Verbrechern jahrzehntelang die Treue gehalten zu haben und die Gegner dieser "Ehre heißt Treue" auf vielfältige und letztlich gestapohafte Weise zerstört zu haben.
Läßt man seinem Zorn darüber freie Bahn, dann könnte man sagen, daß es den Deutschen recht geschah, daß sie in ihrem braunroten Verrätersumpf gelandet sind.
Sie bleiben also in der Schuldhaft, wie es die Vergeblichkeit beweist, die Bierut- und Benesch-Dekrete aufzuheben sowie die russische Passage zwischen Bjelarus und Königsberg so kontrollieren zu können, daß die russische Mafia dort keinen fernwestlichen Stützpunkt erhält.
Gut gemacht, CDU, FDP und SPD!
Der Teufel gratuliert zu Eurer Ehre und Treue!
P.S.: Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhren wir soeben den Zeitpunkt der unter Punkt 4 der Randbemerkungen vom 22.7.03 erwähnten Einladung Baums nach Kairo durch Knapp:
Es war unmittelbar nach Baums Absturz mit einem Hubschrauber, dem B. leicht brandverletzt entkam.