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Qimosh - The New Qomish

Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

2003-09-18

Kafka Bar Linah

Von Berlin über Warschau nach Petersburg und zurück

Der endlose Untergang ein Halteseil

Neuer Krieg als die Fortsetzung des alten und ewigen

Wer sich nach bald sechzig Jahren die Mühe macht, seinen Sieg im Krieg zu feiern, zu dokumentieren, filmisch nachzustellen, der hat mit Sicherheit den Frieden verloren.

Wer den Frieden verloren hat und keine Zukunft erkennen kann, muß sich auf seine glorreichere Vergangenheit besinnen und möglicherweise über einen neuen Krieg nachdenken.

Rußland dreht einen neuen Filmschinken über den Untergang Hitler-Deutschlands.

Die Szenen aus dem zerstörten Berlin von 1945 werden in Petersburg gedreht, wo tatsächlich ganze Stadtteile noch so aussehen wie nach den Kriegshandlungen vor sechzig Jahren.

Hat das keiner gewußt?

Der Fernsehbericht zeigt einen einfachen Petersburger "Mann von der Straße", der dem Reporter erzählt, daß Europa nach dem Kriege aufgebaut wurde, doch so was - weite Straßenzüge Ruinen, ausgebrannte Häuser, übrig geblieben vom Zweiten Weltkrieg - finden Sie nur hier.

Bis jetzt wurde uns Petersburg als eine kostbare Perle des Wiederaufbaus vorgeführt, und nun bietet es sich an, für einen antideutschen Propagandafilm die Ruinen zu stellen, die in Berlin schon bald nach dem Krieg nicht mehr zu finden waren.

Deutschland hat mit bescheidenen Marshall-Plan-Mitteln die Ärmel hochgekrempelt und innerhalb kurzer Zeit ein "Wirtschaftswunder" auf die Beine gestellt, das weniger von den Deutschen als von der übrigen Welt be"wundert" wurde.

Rußland - damals noch die Sowjetunion - hat mit einer Armee von Propaganda- und Unterwander-Satelliten dieses "revanchistische" Deutschland - und es war nur dessen westliche Hälfte - hartnäckig bekämpft, hat mit Potemkin'schen Ausstellungsstücken à la "DDR" und "Sputnik" das politische Theater möbliert, hat am Ende alles verloren und steht nun vor seinen eigenen Ruinen, man möchte es nicht glauben.

In der Warschauer Öffentlichkeit werden antideutsche Töne angeschlagen, weil in Deutschland seit einiger Zeit ein Zentrum gegen die Vertreibungen im Gespräch ist.

Da geht es um ein paar Grundsätze, zum Beispiel, daß Vertreibungen ("ethnische Säuberungen") Verbrechen sind, auch 1945 welche waren, und wer nach Europa will, hat diese Grundsätze gefälligst anzuerkennen; die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs - wie aller Kriege - haben mindestens zwei Seiten.

Wenn ein britischer Offizier aus Anlaß des ersten Golfkriegs auf die Frage nach den zivilen Opfern antwortete, dies sei die "obszöne Seite des Krieges", über die er nicht sprechen wolle, so stehen wir vor einer Meßlatte, die nicht gelten darf und auch nicht gilt.

Mit dem Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß wurden fundamentale Prinzipien aufgestellt, die künftighin auf alle Kriege und Kriegshandlungen angewandt werden sollten.

Der "internationale" Gerichtshof in Nürnberg war allerdings ein reines Siegertribunal, damit hätte man sich jedoch abfinden können, wenn die Kläger und Richter ihren Grundsätzen später treu geblieben wären.

Die USA sträuben sich heute gegen die Ambitionen internationaler Gerichte in Sachen amerikanischer Kriegsverbrechen und haben mit militärischer Intervention gedroht, falls die es wagen sollten, amerikanische Staatsbürger zu verhaften und anzuklagen; Belgien hat daraufhin seine Gesetze geändert.

Das ist von der Idee her natürlich ein Skandal, wenn auch politisch verständlich, woraus dann allerdings folgt, daß solche Argumente jedes andere Land ebensogut vorbringen kann.

Auch die Atom-Politik hinkt auf einem Bein.

Was die einen können und dürfen, dürfen selbstverständlich die anderen auch, auch wenn sie es vielleicht im Moment noch nicht können.

Kein Land darf in seinem Recht, sich mit zeitgemäßen Mitteln zu verteidigen, beschnitten werden.

Wenn das "geltende Recht" ein Privileg der Großen und Starken vor den Kleinen und Schwachen ist, so wollen wir besser nicht von Recht, und wenn, dann vom "Recht des Stärkeren", einem kruden "Faustrecht", sprechen.

Hitler hat bei jeder Gelegenheit mit militärischer Intervention gedroht und schließlich seine Gewaltandrohungen wahr gemacht; sehr weit sind wir von solchen Zuständen gar nicht entfernt.

Im Gegensatz zu anderen Kriegsverbrechen hatten die Hitlers immense historische Konsequenzen.

Deutschlands - von Egon Bahr soeben wieder propagierter - "Sonderweg" - auch "deutscher Weg" - besteht vor allem in einem Sonderrecht.

Solange Deutschland keinen Friedensvertrag hat, kann - gemäß Feindstaatenklauseln - jeder ehemalige Kriegsgegner gegen uns militärisch einschreiten; in jedem öffentlich ausgesprochenen Satz, was denn wohl mit den Deutschen wieder los sei, steckt diese Drohung.

Jeder Vergleich des heutigen Deutschlands mit dem Nazireich aktiviert internationales - antideutsches - Recht.

Wenn Deutschland sich dessen nicht bewußt wird, und es genügt nicht, daß ein paar Leute im Lande es wissen, aber nicht zu Wort kommen, wenn Deutschland nicht gegen die UNO-Feindbestimmung und für einen Friedensvertrag aufsteht, sondern die Argumente seiner Kriegsfeinde im Munde führt, bleibt es der "gestrandete Wal", als der wir im Ausland schon karikiert worden sind.

Die religiöse "Grünen"-Sekte ist ideo-politisch kräftig dabei, aus dem Wirtschaftswunderland ein politisch blindes und blödes Plunderland zu machen, das sich eines Tages nur noch wünschen kann, auf Gedeih und Verderb ans russische Erdgas-Netz geschlossen zu werden - als künftiger Hightech-Produzent für das unfähige Riesenreich im Osten.

Die ökofaschistische Energiepolitik ist ein substantieller Verrat an den nationalen Interessen eines unabhängigen und demokratischen Deutschlands.

Ob das Projekt des Vertreibungs-Zentrums - zu diesem Zeitpunkt - einen Pferdefuß hat?

Es könnte immerhin dazu beitragen, daß die Europäische Union vorerst bleibt, was sie ist, und weitere Mitglieder nicht mehr aufnimmt.

Die neuen rechtsradikalen Vorkommnisse in Deutschland und die Ereignisse in Schweden, Polen, Petersburg... sprechen für die Vermutung, daß Rußland sich deutschland- und damit europapolitisch gerade wieder ein bißchen bewegt hat.

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