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Qimosh - The New Qomish

Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

2003-01-29

Kafka Bar Linah

Dein Bild begleitet mich

Bist du meine Mutter, meine Tochter, meine Urenkelin? Gott hat es uns nicht leicht gemacht.

Zugegeben, die Entwicklung der Fotografie hat mich erst darauf bringen können.

Dein Gesicht ist ein Antlitz vor dem, der uns das Leben schwer macht und schön.

Ich habe Parallelen entdeckt, die in mir den Verdacht aufkommen lassen, daß Gott uns sterben läßt, uns sterben lassen muß, damit wir ihm nicht auf die Schliche kommen.

Die technischen Hilfsmittel scheinen unsere Macht und unsere Verfügungsgewalten zu mehren, zugleich tun wir damit einen Schritt über die Grenze. Vielleicht ein paar mehr.

Wenn wir mithilfe der Fotografie entdecken, daß der listenreiche liebe Gott uns wiederholt, dann wird der sich was dagegen einfallen lassen. Dann müssen wir sterben.

Ich habe meine Mutter vor mir und die Großmutter meiner Frau, und die Großmutter ähnelt der Mutter und die Urgroßmutter ihrer Enkelin und Urenkelin.

Ohne die fotografischen Eingriffe wüßte ich es nicht.

Ich müßte mich auf meine Erinnerung verlassen, und die verschwimmt mit der Zeit. Und wen ich nie gesehen habe, den kann ich sowieso nicht erinnern.

Die Technik verhilft mir also zu meiner Erkenntnis. Aus der Philosophie, einem spekulativen Mutmaßen, wird Wissenschaft.

Ist Wissenschaft überhaupt nur technisch, also physikalisch, also naturwissenschaftlich zu definieren?

Gott klont nicht. Das ist eine besondere Erkenntnis, gleichsam nebenher. Denn meine Mutter ist nicht meine Tochter. Meine Urenkelin sieht aus wie ihre Ururgroßmutter, ist es aber nicht. Sie sind nicht identisch.

Auch dazu verhilft uns die technische Vermittlung: zu der Einsicht, daß Gott nicht klont.

Die wissenschaftlichen Unternehmungen, Schöpfungsprozesse in Gang zu setzen, erscheinen vergleichsweise billig.

Und nun?

Immerhin. Wir haben ein paar Einsichten gewonnen, sind zu Erkenntnissen gekommen, zu denen uns auf Umwegen die Naturwissenschaft verhalf.

Umwege sind wie die Geschichte oft unnötig. Na ja.

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