2003-06-28
Eine schwierige Zeit
Übergänge wollen verstanden und gemeistert sein
Revolution und Konterrevolution ziehen in etwa gleich, könnte man sagen.
Iran ist ein Musterbeispiel für beide Richtungen.
Während die starken Männer der islamischen Revolution das geistige Regiment führen, hat sich mit dem auf merkwürdige Weise fraulich wirkenden Präsidenten Khatami gewissermaßen ein subversives Element untergemischt, mit dem ernstlich gerechnet werden muß.
Vorerst bleibt noch die Frage, ob mit "Khatami" ein Signal gesendet werden soll:
Verhandelt ruhig mit ihm, wir nehmen ihn nicht ernst; er ist unser Mädchen.
Doch Vorsicht!
Helmut Kohl hatte auch sein Mädchen, das er förderte und in den Rang erhob, von dem aus es, das Engelchen, ihn, den Mentor, stürzen konnte.
Khatami kann also eine Marionette und ebensogut eine samten treibende Kraft sein.
Der Kreuzzug gegen den Islam hat die Subversion entdeckt oder wieder entdeckt.
Der stärkste Faktor in diesem Vierten Weltkrieg - wenn wir den Kalten Krieg zwischen dem Westen und der Sowjetunion - einschließlich der Kriege in Korea, Vietnam und weiterer Ersatzkriege - als den Dritten Weltkrieg akzeptieren - ist die Propaganda, ist der Nervenkrieg, ist psychological warfare.
Jeder heiße Krieg ist auch ein kalter Krieg; der Begriff Krieg ist in der Tat angebracht.
Wir haben den Kreuzzug gegen den Islam und dessen terroristische Gegenwehr als den aktuellen Krieg in den Vordergrund gestellt.
Ich denke, daß wir es mit kulturellen Konflikten zu tun haben, die zutreffender als latente oder offene Religionskriege definiert werden.
Hinter bzw. in den Religionen verbergen sich und wirken die heiligen, geistigen Prinzipien, die sich nicht alsogleich identifizieren lassen.