2003-08-05
Was immer verdrängt
Der Jugendliche verdrängt seine Kindheit, der Erwachsene seine Jugend, jeder läßt seine Vergangenheit zurück und wendet sich an die Zukunft.
Die progressive Weltanschauung ist ein forcierter Verdrängungsakt, doch das Verdrängte kommt unerwartet wieder hervor.
Bewußt verdrängt oder am Verdrängen gehindert - es unterscheidet sich nicht.
Der Zwang zum Nichtvergessen verklärt indessen die Vergangenheit, die unverklärt du dir erhalten sollst, um stets an sie zu denken.
Hättet Ihr das Vergangene vergessen, es würde Euch in Euren Träumen heimsuchen, jenes Erinnertwerden jedoch sichert - in abwehrender Verdrängung - einem guten Gewissen einen ruhigen Schlaf.
Die täglich hervorgekehrte Vergangenheit ist keine Vergangenheit mehr, sondern wie ein aktueller Vorgang, der an Aktuellem gemessen, der verglichen werden will.
Anders würde die Vergangenheit die Gegenwart verdrängen.
Der gerichtliche Vergleich ist nur aufgeschoben.
Je weiter zurück sie liegt, desto näher wird die Vergangenheit uns sein, wenn die Fakten verhandelt werden können.
Es ist nicht gut, die Toten nicht ruhen zu lassen; die das wissen müßten, haben es erst wieder zu lernen.
Der Teufel hat viele Namen und alle Zeiten für sich, nicht nur die dutzend vor fünf dutzend Jahren.
Nichts Neues unter der Sonne, was Salomon wußte, wir sollten es nicht - unklugerweise - wieder vergessen.