2003-01-29
Die Raben der Havel und die brennenden Kabel
Nur daran zu denken. Sie schrien nach mir. Die Mäntel brannten. Das Kupfer blieb übrig. Der schwarze Qualm aber zog über die Havel in Spandau. Wir mußten aufs Wetter achten. Die dunklen Schwaden sollten die Leute nicht verrschrecken und nicht verärgern. Noch waren es Leute, weit weg, nicht greifbar als Menschen.
Das änderte sich.
Wir verkauften das Buntmetall, das Geld kam in die Bierkasse. Doch wenn die sibirischen Raben schrien, wußte ich, daß eine neue Zeit, neue Zeit, neue Zeit - angebrochen war.
Mit der neuen Zeit hatten sie es nämlich.
Wann wir schreiten Seit an Seit, sangen wir in Pankow, da zog mit uns die neue Zeit mit den alten Liedern und einer unmöglichen Melodie.
Ich sage, es waren sibirische Raben, ich konnte es nicht wissen. Die Havel war, wie es hieß, Urstromland, und das mochte auch stimmen, hier war es etwas wärmer, am Tegler Fließ soll es auch so gewesen sein oder immer noch sein, heute spricht ja niemand mehr davon.
Die russischen Raben kamen im Winter zu uns, jedes Jahr. Und wenn wir in der Kälte koksten, Jamaica-Rum plus Würfelzucker, waren unsere Raben immer dabei.
Mein Spandauer Rabbi, mein Rabbi, mein unzähliger Schwarm in den Hohen Bäumen an den Ufern der Havel.
Ich mußte nicht ins heilige Land reisen, um dies zu erfahren. Vielleicht hätte ich es rechtzeitig erkennen sollen.