2003-10-25
Was ich vergessen habe
Das ist kein Schmus, ich wollte etwas fest halten, sagte mir, vergiß es nicht, so habe ich es dennoch verloren.
Stufen des Vergessens sind der Treppenabsatz, der die obere von der unteren Etage trennt, was ich mir oben vornehme, geht unterwegs verloren, gerät über die Stufen ins Vergessen, ich erinnere mich nicht mehr, mit etwas Glück hole ich es mir assoziativ zurück, doch der Weg aus der Dusche an den Frühstückstisch hat andere Gedanken und Ziele.
Ich träume eine Rudolfstraße, eine Frau sagt, sie wohne am Wedding, und wo da, na, in der Rudolfstraße, ich sage, ich wohnte früher auch mal am Wedding, in der Reinickendorfer Straße, frage, wo denn die Rudolfstraße eigentlich sei, ich kenne sie nämlich nicht, denke zugleich, jetzt glaubt sie mir vielleicht nicht meine Geschichte, weil ich ihre Straße nicht kenne.
Wir treffen ein junges Ehepaar, die Frau sagt, sie seien aus Island, hinterher fiel mir auf, daß wir uns vor dem großen Postbank-Gebäude getroffen hatten, denke, da war doch mal was mit Island, ich hatte das Kürzel für Israel (IL) mit dem für Island (IS) verwechselt, nicht einmal verwechselt, mir fiel das richtige für Israel einfach nicht ein.
Das nordische Island, Moment, das Altisländische ist die Sprache der Edda, und Rudolf, Germar Rudolf, ist der Geschichtsrevisionist, der vor seiner Gefängnisstrafe ins Ausland floh und jetzt sich in Amerika aufhält, wo er auf seine Ausweisung wartet bzw. sie gerichtlich verhinden will, und das braucht in Amerika Zeit, so daß er erst einmal die freie Luft des Landes genießen kann, in seinem jüngsten Bericht erscheint er ziemlich aufgeräumt.
Das war noch nicht alles, die Rudolfstraße gibt es - in Friedrichshain, von uns aus gesehen hinter der Oberbaumbrücke, unmittelbar vor dem S-Bahnhof Warschauer Straße, rechter Hand, am Ende auch einen Rudolfplatz.
In dieser Rudolfstraße ist eine Schule, eine Fachschule für modernes Design oder dergleichen, das hat Spuren auch bei Kokhaviv hinterlassen, ich bin nicht selbst darauf gekommen, will jetzt auch nicht alles verraten, blicke sowieso noch nicht durch, ist wohl eine ziemlich schräge Geschichte.
Warum hat mir die junge Frau ihre Adresse nur ungenau verraten, und war es denn ein Traum?
Nannte sie keinen Namen, ja, ich, wer bin ich?