2003-10-25
Ich schreibe in den Wind
Nicht, daß es verloren ginge, ist der Gedanke, sondern das unwirkliche Weiterreichen.
Das Unfaßbare, ich kann nicht umblättern, was ich ins Regal stelle, sind keine Bücher, allenfalls eine CD, ich kann meine Worte nicht einmal verbrennen, wenn ich eine CD verbrenne, mache ich mich auch noch strafbar.
Das heute korrekte deutsche Wort ist Entsorgung, ich entsorge meine Worte nicht.
Im Internet herrscht der Wind der Geschichte, er weht nicht, er herrscht, irgendwie, die Stürme gehen über uns hinweg, wir spüren es nicht körperlich, wenn die Haare zerzausen, habe ich sie mir gerauft.
Ich schreibe nicht einmal in den Wind, ich schreibe ins Nichts, nicht ans Nicht, aber ins Nichts.
Das Nichts existierte früher als Worte, heute dient es uns als Medium, wie eine Brücke vermittelt es uns von hier nach dort, einem zum andern.
Der Wind trägt weiter als ein Buch, doch nicht unbedingt, ein Zeichen kann schon im nächsten Strauch hängen bleiben, warum sage ich Strauch und nicht Regal, wo ein Buch genauso unbeachtet einstauben kann, was im Strauch nicht so sicher ist.
Vielleicht ist der Strauch seine Bestimmung oder die Bibliothek.
Oder der Großrechner irgendwo.
Das alte Asien hat eine längere Erfahrung, der wir nur staunend zusehen können, wenn wir nicht eine Spur davon in uns haben.
Ich schreibe in den Wind, nicht für den Wind, und wenn, werde ich es nicht ändern, ich kenne nur nicht seine Bestimmung, die Bestimmung des Wortes, der Schrift.
Auch das gesprochene Wort wird irgendwo und irgendwie aufbewahrt, schon die Schrift ängstigte sich vor dem Nichts.
Das Gesprochene ist wie das Gebrochene, das Erbrochene des Geistes, der außer Rand und Band gerät, wenn er das Feld und das Zelt des Schamanen betritt.
Halt inne, pfeift es durch alle Maschen und Löcher im Stoff, und es weiß nicht mehr das Ohr sich vom Auge zu trennen.
Die Steppe hat uns eingeholt, wir sind wieder daheim.