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kokhaviv publications

Qimosh - The New Qomish

Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

2003-10-21

Hob Art

Da war das aufgeräumte Haus und das Bekenntnis

Der Übergang mit den drei Schrankwänden und das entzündete Augenlid an der rotbraunen Perlenkette

Potemkinsche Gruben

Waren es kleine Nüsse, die mir das Lid zerrieben, oder Holzkügelchen, gefärbte Kieselsteine...

In der Welt der Mudjahedin, auf dem kargen Boden der Tatsachen, der mich an das alte Palästina erinnerte, das ich als Israel erlebt hatte...

Wie mit der deutschen und der griechischen Philosophie, die Psychoanalyse und den Marxismus nehme ich hinzu, so erging es mir mit Israel.

Ich ließ alle abendländische Philosophie hinter mir beim Studium der Torah, und in Israel verglich und suchte ich die toranische Überlieferung, ohne sie zu finden, ich fand gefärbte Berichte, falsche Darstellungen, vor allem sah ich die frevelhafte Veränderung des Landes.

In Ako (Yko), in Yafo, Caesarea, Jerusalem traf ich auf architektonische Geschichtsfälschungen, die meine Sinne betäubten; ich fand nach 22 Jahren nicht wieder, was einst Jahrtausende Bestand gehabt hatte.

Die jüdischen Spuren erinnerten mich an die gelegten Spuren in Schleswig-Holstein, wo unbedingt alt-germanische Denkmäler gefunden werden mußten, die es aber offenbar nicht gab.

In Jerusalem und Yafo wurde ich wie in einem Traum Zeuge einer wundersamen Verwandlung.

In der damals für Besucher gesperrten Jerusalemer Altstadt trank ich ein Glas Wasser, das mir durch ein Fenster des christlichen Hospitals gereicht wurde, ich wartete dort auf die Militärpolizei, die meinen illegalen Besuch irgendwie ahnden mußte, Soldaten hatten mich fest gehalten.

Dieses Hospiz stand zu gleicher Ebene mit der antiken Westmauer der Stadt. Das war 1967, kurz nach dem Sechstage-Krieg.

1988 stand etwa über gleicher Stelle als Hügel aufgeschüttet das sogenannte Jüdische Viertel, das es zuvor nicht gegeben hatte.

Nun könnte man sagen, na ja, über die Jahrhunderte war das alles abgerissen worden, doch nun kommt die nächste Überraschung: Steigt man über die breiten Stiegen den Hügel hinauf, entdeckt man oben eine Ausgrabungsstätte.

Es liegt alles offen, und man sieht in der großen Erdöffnung Reste eines alten Gebäudes.

Es ist, als würde jemand in Berlin einen künstlichen Berg, wie wir sie hier nach dem Kriege aus der Trümmern der zerstörten Stadt errichtet hatten, wieder aufbuddeln und in dem Buddelloch ein mittelalterliches Bauwerk entdecken, obwohl jeder weiß, das an dieser Stelle nichts stand, als der Berg aufgeschüttet wurde.

Ähnliches in Yafo, und alles schön ausgeschildert, so daß unschuldige Besucher, und auch weniger unschuldige stellen im Heiligen Land keine Fragen, sich ausführlich fehl-unterrichten können.

Potemkinsche Gruben. In Ako fand ich die alte Stadt nicht wieder, sie war rundum fast zugebaut worden, der Fischerhafen wurde von einem Restaurant auf künstlichem Hügel überragt, aber alles immer so, daß der Dummkopf aus dem Westen glauben soll, authentisches historisches Gelände vor sich zu haben.

In Caesarea kann man sicherlich interessante Filme drehen, als Kulisse ist das römische Theater eine wahre Pracht, aber was so herum liegt aus den oft Jahrhunderte von einander entfernten Epochen, hat vor 22 - inzwischen bald 40 - Jahren auch schon wo anders gelegen.

Die neuen Herren des Landes haben da also kräftig aufgeräumt und ummöbliert.

Ich glaube nicht, daß es für die Ewigkeit geschah; ich möchte mir meinen Glauben an den Herrn der Geschichte, der doch der Gott Israels war, von diesen Geschichtsbanausen nicht nehmen lassen.

Wie die Torah mir die abendländische Philosophie verdarb, so geschah es mit dem wieder geschichtlich gewordenen Israel in dem Moment, da ich in den Vorhof der "Al-Jazzar"-Moschee*, ein tendenziöser Name, "der Schlachter", der eher aus- als einlädt, in Ako ging, am Brunnen mich einer "seelischen Reinigung" unterzog und schließlich die Moschee betrat.

* Auch - besser, genauer: Jami al-Basha (The Pasha's Mosque), Jami al-Anwar (The Mosque of Lights), The White Mosque, Mosque of Ahmad Pasha al-Jazzar. 1781, osmanisch.

Ich kam nicht als Moslem, doch in diesem Moment wurde ich es, in einer Tiefe, die ich heute gar nicht mehr ausloten kann.

Ich kam als Jude nach Israel und ging als Moslem, ohne an der Torah zu rühren.

Die Torah wurde mir seither zur Quelle einer islamischen Erneuerung, die aus dem Quran allein nicht gewonnen werden kann.

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