2003-12-18
Taqiya oder nicht
Ein Selbstversenkungsversuch um der Ergründung willen
Im Hebräischen haben wir das Wort tachah (tet-chet-he); es bedeutet a) spannen, schießen (Bogenschütze) und b) nur im Plural tachoth, Nieren (Verborgenes, Inneres...)
Das lateinische tacere für schweigen, verschweigen, sich ruhig verhalten, ist dem etymologisch nahe, wenn nicht gleich.
Auch der Begriff Taktik scheint hier her zu gehören.
Wir haben es jedesmal mit dem Bestreben zu tun, eine Absicht zu verbergen, ihre Verwirklichung aufzuschieben oder vorzubereiten (Bogen spannen), im Sinne einer virtuellen Energie.
Dazu fällt einem zuerst der Kriegszustand ein.
Taqiya-gerecht verhält man sich unter Feinden; Taqiya, die wahren Absichten verschweigen, das Denken, die Gesinnung, den Glauben verbergen, einen anderen Glauben, andere Gesinnung, anderes Denken vorgeben, geistig untertauchen, um sich nicht in Gefahr zu bringen... - ist eine Überlebensweisheit.
Nicht wenn ich meine Feinde, doch wenn ich meine Freunde täusche, handle ich moralisch übel und falsch.
Wenn also ein Moslem in einer feindseligen Umwelt hier in Europa seine Gesinnung schützt, seine Absichten nicht zu Markte trägt, ein Jude im Spanien des ausgehenden 15ten Jahrhunderts sich entsprechend verhält, ein Shiit in kritischen Zeiten vor sunnitischen Nachbarn sein Shiatum verleugnet, um sein Leben zu retten, so handelt er - so handeln sie alle - ethisch korrekt.
Niemand ist verpflichtet, dem Bösen, und böse ist jeder, der nach meinem Leben trachtet, die wahre Gesinnung zu offenbaren.
Wenn die Wahrheit in den Tod führt, ins Martyrium, ist sie keine Pflicht, sondern eine freie heldenhafte Entscheidung, die mit dem Paradies belohnt wird, jedoch keine Norm.
Die mafiöse Schweigepflicht, l'omertà, ist eine legitime Selbstschutzmaßnahme unter der Bedingung, daß der Staat als Feind auftritt; eine Lebensverpflichtung und Lebensversicherung, die uns in Deutschland erst allmählich plausibel wird, nachdem der deutsche Staat sich zusehends zum Feind des Volkes entwickelt hat.
Wenn der Staat nicht nur von den Gaunern als Gauner bezeichnet wird, haben wir die legitime beiderseitige Diskriminierung.
Angewandt auf den Kopftuch-Streit in Deutschland und Frankreich - "Kerneuropa"! -, müssen wir sagen, daß es erst gefährlich wird, wenn die muslimischen Frauen nicht auf ihre Bürgerrechte verzichten, also etwa auf das Recht, die Beamtenlaufbahn einzuschlagen, sondern im vollen Bewußtsein der latenten Bürgerkriegssituation das Kopftuch zu Hause lassen; denn damit haben wir die legitime Taqiya, die sich nicht nachweisen läßt, da die neue Entscheidung durchaus als Einsicht in die Integrationsbemühungen des laizistischen Staates interpretiert werden kann.
Mit dem Kopftuchverbot hat der europäische Staat dem inneren Islam den Krieg - mithin den Bürgerkrieg! - erklärt.
Die ethisch berechtigte Taqiya erhöht keineswegs die Rechtssicherheit.
Sie mehrt das wechselseitige Mißtrauen, ohne die Ursache der - latenten bis offenen - Feindseligkeiten zu sein.
Die legitime Taqiya ist eine Folge staatlicher Maßnahmen, die weitere Feindseligkeiten und Maßnahmen hervor rufen wird.
Der Staat hat sein Klima verdorben.