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kokhaviv publications

Kritisches Forum

Der Krieg ist der Vater der Dinge. Heraklit

2003-06-10

Omar Santamaria y Cordoverez de Anahuac

Die falsche Sollbruchstelle

Leserbrief

Die überraschende, kühne Religionsstrategie des katholischen Geistlichen Peter Kreeft weist eine Sollbruchstelle auf:

Im verständlichen Bestreben, die Einheit der Christentümer (katholisch, orthodox und protestantisch) zu erreichen, hat er die nordamerikanischen Evangelikalen nicht ausschließen wollen.

Sie jedoch, gerade sie gehören eigentlich aus der christlichen Einheit, aus der Una Sancta, ausgeschlossen, weil sie ein Kernprinzip des Abrahamismus verraten, weil sie zwar "Jesus, Jesus!" sagen, aber "Börse, Börse!" meinen.

Die Rohstoffbörsen Londons und Chicagos nämlich.

Peter Kreefts "Ökumenischer Djihad? - Religionen im globalen Kulturkampf", Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2003, ist in seiner deutschen Ausgabe nicht umsonst mit einem Fragezeichen versehen worden.

Nicht umsonst, meinen lateinamerikanische Muslime: Zu konstatieren haben sie nämlich, daß es faktisch und avant la lettre bereits ein Christentum der weißen Europäischen Rasse gibt und ein anderes der farbigen Rassen.

Das macht beispielsweise der Bischof einer italienischen Diözese deutlich, der gegen muslimische Immigranten ein nahezu faschistisches Vokabular in Anwendung brachte.

Streckenweise geschieht im heutigen Polen ähnliches gegenüber den Juden ("Radio Maria"!).

Zwischen den anthropologischen Rassen der Menschheit findet heute noch ein ökonomischer Krieg statt, der durch die Verelendung in Kürze zu einem, wenn auch waffentechnologisch ungleichen heißen Krieg werden kann.

Vom Standpunkt eines verarmten Lateinamerikaners wäre ein offener Rassenkrieg erwünschter als der lügenhafte Frieden.

Die Spannung zwischen den Weißen im Norden der Erdkugel und den Nichtweißen im Süden, auch innerhalb der römischen Weltkirche, ist mit der Niederschlagung der katholischen Befreiungstheologie mitnichten beigelegt.

Ihre Niederlage hat lediglich infolge der Äußerungsverbote für die Befreiungstheologen die legitimen Bedürfnisse der lateinamerikanischen Völker unter das Niveau der Publizität gedrückt, aber einige intellektuelle Vorhuten ihrer Völker zur Konversion zum Islam provoziert.

So bewundernswert viele Initiativen des Papstes aus Polen, einem anderen (noch-) nichtkapitalistischen Land, auch sind und so bravourös auch sein Widerstand gegen den iraqischen Angriffskrieg des Präsidenten Bush gewesen ist - sein Kampf gegen die Befreiungstheologie, der vielleicht der Bedrohung durch den atheistischen Marxismus-Leninismus geschuldet war, könnte sich noch als sein größter Fehler herausstellen.

Nichtsdestoweniger bilden sich lateinamerikanische Muslime nicht ein, in naher Zukunft die Führung ihrer Völker anstelle des römischen Klerus übernehmen zu können.

Sie streben dergleichen auch gar nicht an, weil sie wissen, daß geistige Entwicklungen nicht binnen einer Generation ablaufen können.

Sie, diese Muslime, wissen allerdings auch, daß der übergroße Teil der Weltkatholiken in Lateinamerika (und auf den Philippinen, den Inseln Mindanao und Sulu) zuhause ist.

Just dort hat der Kapitalismus der Weißen inzwischen das größte Elend angerichtet.

Weil seine angeblich Gläubigen stets "Jesus! Jesus!" sagen, aber "Börse! Börse!" meinen.

Eine abrahamitische Ökumene kann keine nur-christlich-weiße bleiben, sie muß die ökonomische Problematik thematisieren, die sich soziologisch mit der anthropologischen Rassenrelation deckt.

Es hat sich herausgestellt, daß die meisten angelsächsischen Evangelikalen ausgesprochen prokapitalistisch eingestellt sind und sich der Bewußtwerdung ihres kulturalistischen Rassismus durch Heuchelei entziehen.

Freudianisch läßt sich von ihrer Lebenslüge und ihren Verdrängungen sprechen.

Die Evangelikalen zählen zur Wählerbasis der US-Präsidenten Bush, die beide zur "Skull and Bones"-Fraternity gehören.

Das sagt alles über sie aus!

Wenn künftig us-"protestantische Fundamentialisten" und römische Katholiken "Seite an Seite" eine gesamtchristliche Ökumene konstituieren würden, wie Peter Kreeft (S. 33) vorschlägt, dann drängt sich uns eine Frage auf:

Die deutsche Naziregierung hat doch von 1933 bis 1945 ebenfalls die Abtreibung ungeborener Kinder bestraft, sogar mit dem Fallbeil, und jede Empfängnisverhütung streng verboten, jedoch zur selben Zeit viele "lebensunwerte", sowie nicht "rassereine" Leben ausgelöscht.

Hätte sie vielleicht doch vom Vatikan wohlwollender behandelt werden sollen?

Tatsächlich muß auch von temporär-partiellem vatikanischen Wohlwollen für das mörderische Naziregime gesprochen werden, denn die vorbereitete Antirassismus-Enzyklika wurde von Papst Pius XII. aus Gründen des antibolschewistischen Kampfes und aus Gründen der Angst vor dem Kampf "sine die" zurückgestellt.

Die spätere Hochhuth-Debatte über die Verantwortlichkeit des Vatikans bezw. seine Mitverantwortlichkeit für den Holokaust an den Juden könnte sich hinkünftig durchaus, allerdings auf die farbigen Rassen des Globus bezogen, verstärkt wiederholen - mit verheerenden Folgen für den römischen Katholizismus!

Wir sprechen hier von den anthropologischen Rassen.

Diese gibt es selbstverständlich.

Sie sind das natürliche Grundmaterial des Menschseins.

Keine Frage, daß der nazistische Rassenbegriff mit seinen Wertungen ein Produkt des philosophischen Materialismus war.

Sofern der nachnazistische Rassenbegriff überhaupt noch benutzt wird, meint er Kulturrassen.

Denn das materielle Substrat des Menschen ist die Rasse, auf der sich die Kulturrassen aufbauen.

Die Nordamerikanische Freihandelszone hat für die Mexikaner nicht jene Wohltaten gebracht, auf die Mexikos Präsident Fox gesetzt hat.

Es kann nicht ausbleiben, daß eines Tages sich die Latinos vom Rio Grande bis Tierra de Fuego des "Planes von San Diego" von 1914 erinnern werden, der eine mexikanisch-japanische Armee, verstärkt durch Afro-Amerikaner, nach Texas, Arizona und Kalifornien senden sollte, um die Schwarzen südlich der Mason-Dixon-Linie und das ehemalige Nordmexiko zu befreien.

Dieser Plan hätte, falls er erfolgreich gewesen wäre, die Attentate auf das WTC in New York in den Schatten gestellt.

Aber damals, 1914, hat die Menschheit den Gedanken eines pan-abrahamitischen Dschihad noch gar nicht fassen können.

Die Ursachen der Kinderverhütung und -abtreibung sind ohne Zweifel nicht vom Katholizismus gesetzt worden.

Auch nicht vom Evangelikalismus, gewiß.

Indessen, sehr wohl vom Calvinismus stammen die Ursachen einer Unkultur, die sich in "Ehebruch, Unzucht und Euthanasie" (Kreeft, S. 8) zeigt.

Wieso dies?

Weil die ökonomischen Ursachen, an erster Stelle die Zinsnehmerei und der Kapitalismus, diese Fundamente des späteren Hedonismus, vom Calvinismus herkommen.

Huxley ist ein intellektueller Erbe von Jean Calvin und Adam Smith.

Wer eine gesamtchristliche Vereinigung des Katholizismus mit dem Evangelikalismus anstrebt, dem kann unmöglich ein ökumenisch~abrahamitischer Dschihad Roms zusammen mit dem Islam gelingen.

Dennoch sind wir Muslime Peter Kreeft dankbar dafür, daß er als römisch-katholischer Theologe überhaupt einen muslimischen Begriff, und auch noch diesen, billigend und zum Vorbild erklärend in den Mund genommen hat.

Dies allein ist eine umwälzende Tat in einer Zeit, in der die Allermächtigsten auf dieser Erde alles Islamische beleidigen und beschmutzen, damit der Islam seine Rolle als Befreier der Menschheit nicht wahrnehmen kann.

Uns ist selbstverständlich, daß ein Offizier der römischen Kirche jetzt schleunigst die Bedeutung der katholischen Auffassung von der Eucharistie - übrigens in einleuchtender Weise auch für Nichtkatholiken! - herausstellt.

Selbstverständlich ist auch, daß er - um sich gegen Verurteilungen durch seine eigene Obrigkeit und gegen Desertionen seiner traditionalistischen Gläubigen zu wappnen - alle Doktrinen seiner Kirche peinlichst beachten muß, ungeachtet dessen, daß damit Friktionen in der Armee des ökumenischen Dschihad entstehen müssen, in die der Feind eindringen kann (und wird!).

Die künftige Weltarmee des Einen Gottes hat also zwei Flügel, wenn nicht drei (die gläubigen Juden), hat zwei oder drei Divisionen, die in konkludentem Verhalten den Teufel in die Zange nehmen wollen.

Wir Muslime haben ein Interesse daran, ein Überlebensinteresse, daß römische Katholiken endlich zum Dschihad für das Gesetz Gottes aufrufen.

Die Dynamik des Dschihad, so hoffen wir, wird theologische Unterscheidungen in ein milderes Licht rücken.

Aber Gottes ist das letzte Urteil!

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