2003-07-15
Der Neue Adel
Ein alter Nativismus der grünen Provinz
So wurd's mir vertraut.
Sporadisch, bald öfter war bei denen von einer Neuen Aristokratie die Rede.
Ich dachte, so viele Idealisten, die das Land veredeln wollen, hatten wir noch nie.
Dann ging mir ein Licht auf.
Die Idealos schätzten sich als von besonderem Klassen- und Kastenformat.
Mittlerweile walten sie in Regierungen, Ämtern, Institutionen... und lassen sich auf internationalen Flughäfen die Aktenkoffer nachtragen.
Anfangs waren sie volksnah aufgetreten, in Jeans, Turnschuhen und Rollkragenpullovern.
Alles nur ein großer Schwindel?
Wie der spätmittelalterliche Adel durch studentische Verbindungen die Universitätsstädte terrorisierte und dem fleißigen Handwerksvolk die Nachtruhe raubte, so randalierte der kleinbürgerlich-vielfarbige Neuadel auf den Köpfen der arbeitenden Bevölkerung herum.
Die Zeit der Dumme-Jungen-Streiche ging vorüber, die Schlabberlooktypen entdeckten das teure Tuch, machten fürs gehobene Design bezahlte Reklame und mokieren sich seither übers Volk, das den ganzen Spuk, ob hierlang oder dortlang, nicht mitmacht.
Die Menschen haben sich daran gewöhnt, daß die Regierenden und Tonangebenden nicht ihre Vertrauensleute sind, sondern die Lobby von Alt- und Neureichen, die sich lieben und adeln.
Die Neue Aristokratie einer offensichtlich negativen Auslese hat sich der Alten Aristokratie nützlich gemacht.
Wie der Alte, so ist auch der Neue ein Raubritter-Adel, eine Ausbeuteraristokratie, eine dem Volke nicht schmeichelnde, dennoch populistische Schlägertruppe, von Cliquenerfolg zu Cliquenerfolg getragen, die das Land irritierte, um sodann die Macht über es zu ergreifen.
Die Verachtung für die arbeitenden und arbeitslosen Unterschichten, die Rentner und Obdachlosen, Alten und Gebrechlichen, diese - mitte-typische - Menschenverachtung ist nicht eine Folge, sondern die psycho-strukturelle Grundursache des Faschismus.
Wo seine gesellschaftlichen Bedingungen erfüllt sind, ist der etatistische Faschismus möglich.