2003-06-20
Die Bonzen sammeln sich
Neues von der politischen Kaste
Macht jetzt nicht auf jüdisch, spielt nicht die Philosemiten, die einer neuen antisemitischen Welle vorbeugen müßten.
Sowas läuft doch wohl schon an.
Das Problem liegt ganz wo anders.
Ihr habt euch verrechnet, dachtet, ihr könntet eure Lebensweise weitab vom gedemütigten und ausgebeuteten Volk in alle Ewigkeit verheimlichen.
Eure Besitzstandswahrung funktioniert natürlich viel besser als die der Arbeiter, die beim ersten jetzt mal ernstzunehmenden Streik gleich mit der vereinten Front der herrschenden Klasse und ihrer Lohnschreiber rechnen müssen.
Dachtet wohl, ihr könntet auf Kosten des arbeitenden Volkes so weiter prassen und uns ermahnen, nicht über unsere Verhältnisse zu leben.
Nun kommt es heraus, durch einen dummen Zufall, was euch plagt, wie ihr lebt, was ihr euch leistet, ihr Lumpenpack, denn so muß man euch nennen angesichts der Beleidigungen, die das faule Pack der Arbeiter und Arbeitslosen über sich ergehen lassen muss.
Die Politik, die Medien, der sogenannte Sport, der ein Riesengeschäft ist, da kommen sie also her, die Kunden der Edelnutten, Waffen- und Drogenhändler, der Jugend- und Kinderprostitution, der teuflischen Sadomasochismen, des tatsächlichen Horrors, von dem wir kleinen Leute immer nur dachten, es seien alles Erfindungen kranker Filmemacher.
Langsam versteht man auch, warum und wie diese Dinge so gut vertuscht werden konnten und mußten; wie es möglich war, öffentliche Haßparaden als "Love Parades" der weltstädtischen Lebensfreude zu verkaufen.
Aber, na ja, das vermischt sich allemal zu einem Sumpf des Unaussprechlichen.
Eine kranke Gesellschaft spiegelt sich in ihrer sogenannten Prominenz, ausgehalten vom halbwegs normal, intakt und vernünftig gebliebenen arbeitenden Volk.
Nein, ich bin kein Moralist, der die Nase rümpft über Zustände, die er nicht für möglich hielt, aber das ist natürlich schon sehr lange her.
Die Tänze am Rande des Vulkans und auf dem dünnen Eis sind das "Leben über unsere Verhältnisse", und darin liegt das Verbrecherische eures Tuns.
Jetzt melden sich alle zu Wort.
Gebt ihm eine zweite Chance, sagt der eine.
Nur bitte keine Vorverurteilung, heißt es im selbst-privilegierten Chor.
Michael Naumann schoß aber den Vogel ab:
Unterstützung erhielt Friedman auch vom ehemaligen SPD-Kulturstaatsminister Michael Naumann.
Der heutige "Zeit"-Herausgeber sagte, es gebe keine Rechtsgrundlage, Friedman die Moderation seiner Talkshows zu entziehen.
Es liege an Friedman selbst, ob er weiter moderiere.
"Einer, der so zu Unrecht beschädigt und durch die Gosse gezogen wurde, muss sich fragen, was mache ich eigentlich in diesem Land?"
Der frühere sächsische Innenminister und jetzige TV-Moderator Heinz Eggert forderte dem Bericht zufolge eine zweite Chance für Friedman als Fernsehmoderator.
Auch der TV-Journalist Peter Scholl-Latour, der als bislang letzter Prominenter in Friedmans ARD-Sendung "Friedman" zu Gast war, sagte, Kokain-Missbrauch würde nicht ausreichen, um den Moderator vom Bildschirm zu verbannen.
(http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,253795,00.html)
Friedmans Anwalt spricht von "öffentlicher Hinrichtung" des bekannten Medien-Inquisitors.
Mir kommen die Tränen.
Die Medienschickeria hält zusammen, verteidigt ihren Friedhof wie einen Erbhof.
Hätte ich nur einmal erlebt, daß der selbe Personenkreis sich ebenso vehement für die Obdach- und Arbeitslosen öffentlich einsetzte:
Gebt ihnen eine zweite Chance - den Faulenzern, nicht wahr.
Damit die Bonzen weiter ungestört feiern können, will man dem arbeitenden Volk nun auch noch die gesetzlichen Feiertage streichen.
Daß solche Gedanken gedacht werden - von gewählten Politikern! - und öffentlich ausgesprochen werden können, ohne daß diese Bande um ihre überbezahlten Jobs fürchten muß, das sagt fast alles über den Zustand "unserer" Gesellschaft in unserem Land.