2003-06-08

Sam Wonder

O Euro, Euro...

Die britischen Überlegungen und Deutschlands Erwachen

Die Briten überlegen hin und her, die Politik will rein in die Währungsunion, Fachleute raten davon ab.

Eine Volksbefragung soll - falls auf diesem Wege möglich - Klarheit schaffen.

Brauchbare Kriterien müssen her, um die ökonomische Seite zu beleuchten.

Für die Briten stellt sich die Frage noch anders, und das europa-erfahrene Deutschland könnte ihnen eine Hilfe sein.

Es hat einige Überraschungen erlebt.

Das Adenauer-Kohl-Projekt Europa ist unterwegs versandet.

Vielleicht war der Weg falsch gegliedert.

Vielleicht hätte die Kette anders aufgereiht werden müssen.

Vielleicht war die Vorwegnahme der Wirtschafts- und Währungsunion ein - wiewohl nicht zu umgehender - Fehler.

Unterm Strich liegt das politische Europa in weiter Ferne - so fern wie die stabile Deutsche Mark.

Deutschlands solide Währung ist vergangen und vergessen, die Europäische Union als Vereinigte Staaten von Europa bleibt ein Traum, der sich zunehmend verdunkelt.

Britannien tut gut daran, sich die Euro-Sache noch einmal durch den Kopf gehen und sie letzten Endes Festland-Sache bleiben zu lassen.

Die Deutschen haben ihr Wertvollstes aufgegeben, um jetzt bei zunehmender Volksverarmung für Frankreich im Kongo, für Amerika in Afghanistan... mit dem bißchen Bundeswehr, das zur Verteidigung unseres Landes ohnehin nicht ausreicht, den Aufräumbüttel zu spielen.

London ist gut beraten, auf seine Besonderheiten zu achten, wie auch Polen sich irgendwie zu besinnen scheint, ob es der EU überhaupt beitreten sollte.

Solange Polen auf seine Bauern hört, ist es in guten Händen, wer weiß, wie lange noch.

Nach den Kapriolen der Europäischen Bürokratie sollte jede eigenwertbewußte Nation, die noch nicht dabei ist, Abstand nehmen.

Mit dem verhängnisvollen Slogan "Kohl muß weg" wurde nicht der erste Spatenstich zur Bestattung des politischen Europa getan.

Am Anfang des Grabes stand der legendäre Charles de Gaulle, der mit seinem "Europa der Vaterländer" das bis dahin Richtige formulierte, aber zugleich die ebenso richtige Zukunftsidee der Vereinigten Staaten von Europa, wie sie Konrad Adenauer und Robert Schuman entworfen hatten, aufgab.

Der französische Nationalismus ist kein Partner auf dem Wege nach Europa, und die Deutschen hatten nach dem Zweiten Weltkrieg das starke Bestreben, über "Europa" aus ihrer Geschichte herauszukommen.

Die europäische Einigung von Wirtschaft und Währung hat Große Nutznießer und Kleine Verlierer, die kaum noch zu zählen sind.

Daß Deutschlands Volk verloren hat, kann ohne weiteres gesagt werden und war, nach bösen Zungen, der Haupt-Entstehungsgrund des Euro.

Deutschland - heute - ist ein nichtssagendes Land, ein Land der Aktionäre, das sein Volk ausbeutet, um externen - freiwillig oder unter Druck eingegangenen - Verpflichtungen nachkommen zu können.

So liegen die Dinge hier einfacher und durchschaubarer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Deutschland hatte den Krieg verloren und den Frieden - zumindest im Westen - gewonnen.

Das war rückgängig zu machen.

Als Vorstufe zum Dollar könnte der Euro - demnächst - auch den Engländern genehm werden, falls nicht das britische Pfund eine Mittlerrolle übernehmen muß.

Meine - offenbar irrealen - europäischen Wünsche lagen einst anders, enthielten die gemeinsame Währung und die Beteiligung Großbritanniens, das ist lange her.

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