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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2003-04-26

Sam Wonder

Die Große Quasi-Koalition und der objektiv revolutionäre Zustand Deutschlands

Fehlt nur noch das Subjekt

Wenn wir's nicht schon haben*

* Subjekt (subiectum), lat. aus sub=unter und iactare=werfen, bedeutet, wenn man es wörtlich nimmt, was man ja tun sollte: das (nicht einmal der oder die) Unterworfene, Unterlegene, Untergeordnete. Friedrich der Große benutzte den Begriff in diesem Sinne. Die im Deutschen seit langem übliche Bedeutung von (etwa) Autor, Denkendem, grammatikalischem Träger des Geschehens, ist imgrunde absurd und in diesem Sinne vielleicht spezifisch deutsch.

Gefragt ist das soziale Bewußtsein, die gesellschaftliche Verantwortung, die Fürsorgepflicht der Herrschenden gegenüber den Unterworfenen und Beherrschten.

In der Bundesrepublik Deutschland waren die Dinge weitgehend in Ordnung, solange die bürgerlichen Parteien regierten und die Sozialdemokraten in der Opposition die Regierungsarbeit kontrollierten und kritisierten.

Wenn die im Kapitalismus natürliche Oppositionspartei jedoch die Regierungsmehrheit gewinnt, haben wir regelmäßig mit sozialen Problemen zu rechnen.

Das war besonders bis zum Beginn der achtziger Jahre mit Helmut Schmidt so, und Gerhard Schröder setzt nun allem die Krone auf.

Die wirtschaftlich Mächtigen mögen diese Entwicklung letztlich diktieren.

Wenn der Unternehmervertreter Hundt sich ständig in sozialpolitische Dinge einmischt, fragt man sich ohnehin schon, wozu wir eigentlich noch eine Regierung brauchen.

Die opponierende CDU/CSU ist keine Opposition in sozialen Fragen, solange die SPD/GRÜNEN-Regierung ihre menschenfeindliche Politik gegen die Unterklasse fortsetzt.

Die christliche Opposition fordert stets noch schärfere Maßnahmen gegen Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, noch größere Entlastungen für die Reichen und sich selbst Privilegierenden.

Mit dem Slogan "Kohl muß weg" wurde nicht nur die außenpolitische Umorientierung eingeläutet, sondern auch der rheinische Katholizismus ins Abseits gedrängt.

Die rheinisch-katholische Soziallehre war ein wichtiger Faktor zur Stabilisierung der sozialen Sicherheit in der alten Bundesrepublik Deutschland.

Die fortschrittliche Sozialgesetzgebung der fünfziger Jahre entstand aus diesem Denken und wird heute von der SPD im Verein mit dem evangelischen Flügel der CDU weg-"reformiert", d.h. systematisch abgeschafft.

Auch Bayerns Christlich Soziale Union ist den Arbeitern und Entrechteten dabei keine Hilfe.

Die Politik der Degradierung und Entrechtung der einstigen Arbeiterklasse wird quasi von einer Koalition der Nationalen Einheit aus SPD/GRÜNEN, FDP, CDU/CSU getragen und vorangetrieben.

Dies ist (!) eine objektiv revolutionäre Situation in der Bundesrepublik Deutschland.

Auch hier haben wir wieder ein typisch deutsches Sprachproblem: Objekt wird als Sache, als Gegenstand (statt Gegenwurf), als Gegensatz zum Subjekt verstanden.

Der Gegensatz zum Unterworfenen ist aber der Unterwerfer, also der tatsächliche Souverän und Autor.

Sehen wir die Dinge unter dem revolutionären Aspekt, so können wir konstatieren, daß das Subjekt, nämlich die Unterworfenen und Entrechteten, da ist, und daß die objektiven Bedingungen die herrschende Klasse und ihr Staat sind.

Die Unterworfenen, Entrechteten, tendenziell Eliminierten sind zugleich die Unvertretenen; keine Organisation kümmert sich um sie im Sinne einer entschiedenen Interessenvertretung.

Genauso gilt, daß, wer sich nicht selbst vertritt oder vertreten kann, nicht wirklich da ist.

Die Nichtexistenz der deutschen Arbeiterklasse ist ein historisches Phänomen, hoffentlich nur ein Gespenst.

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