2003-11-05
Theorien um biblische Prophetien
Nichts Neues unter der Sonne
Aber warum?
Ich meine, wen kratzt das?
Wolfgang Eggert: Im Namen Gottes. Israels Geheim-Vatikan. Als Vollstrecker biblischer Prophetie. 3 Bände. Edition Hermetika. Beim Propheten! Verlag, München 2001, 2002
Was bringt es ein, solche Sachen immer wieder aufzutischen, vielleicht ein wenig zu modifizieren, aber doch wieder und wieder aufzutischen, welche Verschwörung steckt hinter solchen Theorien der Verschwörung?
Damit will ich noch gar nicht vorgreifen, sondern lediglich meinen ersten und noch unbefangenen Eindruck wiedergeben.
Drei schöne Bücher; das kostet doch was, will gekauft und will gelesen sein.
Wolfgang Eggert führt uns nämlich etwas Besonderes vor.
Von der Einkehr chassidischer Kinder in deutschen Städten habe ich mir einen beträchtlichen Heils- und Rettungseffekt versprochen, und nun kommt dieser Eggert daher und sagt nicht nur: Vorsicht!
Er müht sich über rund 1200 Seiten damit ab, seine Warnungen vor den Chassiden auch noch detailliert zu belegen, das ist ja schon was.
Es erhöht die - etymologisch übrigens mit den Chaldäern und den Störchen verwandten - Chassidim zu Vollstreckern biblischer Prophetie, was keineswegs so freundlich gemeint ist, wie es hier aufgenommen wird.
Wenn es eine Übereinstimmung zwischen dem, was sie tun und sagen, und den biblischen Voraussagen gibt, dann bedeutet es zwar nicht, daß da finstre Bartträger am Werke seien, um das Bibelwerk wie auf Befehl Wort für Wort zu "vollstrecken".
Wenn allerdings ihre kritischen Gegner dies feststellen, so muß damit ein hohes Maß an chassidischer Authentizität verbunden sein.
Eggert mag und meint es so natürlich überhaupt nicht, doch indem er nachzuweisen sucht, daß diese Torah-Schwarzen ein konspiratives Spiel mit uns treiben, gar als der Geheim-Vatikan Israels die Drähte zur künftigen Welt ziehen, sagt er so nebenbei, daß seine Beschuldigten ganz gut drauf sind beim Studium und beim Verständnis der überlieferten Schriften.
Wenn aus den Schriften so viel herauszuholen ist, wie Wolfgang Eggert behauptet, muß es ja erst einmal drinstehen, was ihr Gewicht und ihre Autorität noch einmal und ganz ungewollt bestätigt.
Dabei handelt es sich ja um Texte, die jedem zugänglich sind, mithin offen liegen.
Der angemessene Umgang mit den Büchern will natürlich gelernt sein, aber auch solche Mühen sind jedem entsperrt, der mit Liebe an die Sache heran geht.
Das ist wohl der Schlüssel zur Findung der Wahrheit - anders kommt völlig anderes uns in den Griff.
Schließlich findet jeder nur, was er finden will - und soll.
Es kann die Chassidim nur freuen, daß ihnen von kritischer Seite eine innige, gleichsam nahtlose Verbindung mit der Torah bescheinigt wird.
So mutiert Wolfgang Eggert unversehens zum Handlungsgehilfen der Vollstrecker biblischer Prophetie.
Die Dinge liegen allerdings anders, als Eggert es auf die Reihe zu bringen versucht.
Siehe auch:
- aljazeera.net: Jewish Tensions boil over