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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2003-11-01

Avram Kokhaviv

Deutschland im Krieg seit 1914

Der Krieg gegen Deutschland endet nimmer

Deutscher Masochismus: beglückt auch über verhüllte Aggressionen

Sönke Neitzel, Blut und Eisen. Deutschland im Ersten Weltkrieg. Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Herausgegeben von Frank-Lothar Kroll und Ernst Piper. © Pendo Verlag GmbH, Zürich 2003. Redaktion Claudia Sandkühler, München

Die Untersuchung schließt mit dem Befund, "daß der Erste Weltkrieg der Ausgangspunkt einer Epoche globaler Veränderungen gewesen ist, die im Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt erlebte und erst mit den Umbrüchen der Jahre 1989/90 endete. Wenngleich er den Nährboden für den nächsten globalen Konflikt legte, sollte man nicht von einem Dreißigjährigen Krieg von 1914 bis 1945 sprechen, da dies die grundsätzlichen Differenzen zwischen den politischen Prägungen beider Auseinandersetzungen verwischt. Im Zweiten Weltkrieg ging es um eine rassistischen Ideen folgende totale Umwälzung der Weltstaatenordnung, somit um Ziele, die sich 1914 und 1918 allenfalls andeuteten" (219).

Der Erste Weltkrieg war keineswegs der Ausgangspunkt einer "Epoche globaler Veränderungen", sondern der erste massive Versuch, die erkennbare, soeben eingeleitete "Epoche globaler Veränderungen" zu verhindern bzw. wieder rückgängig zu machen.

Die neue "Epoche globaler Veränderungen" hatte und hat bis heute maßgeblich mit dem Machtfaktor Deutschland zu tun.

Der "Ausgangspunkt" der neuen Epoche war die Gründung des Deutschen Reiches von 1871.

Wie die "revolutionäre", sprich: putschistische Geburt der Sowjetunion den russischen Imperialismus nicht abschloß oder auch nur ablöste, sondern ihm neue Impulse gab, so war Hitlers NS-Staat samt seinen rassistischen, vornehmlich antijüdischen "Ideen" eine reguläre Fortsetzung des mit der Niederlage von 1918 unterbrochenen Imperialismus oder Hegemonialismus des Deutschen Reiches.

Das erste und bisher letzte Opfer des deutschen Imperialismus und Globalismus war und ist das deutsche Volk, genauer: die arbeitende Klasse.

Die naturwissenschaftlichen, technischen, industrialistischen Begabungen in Deutschland sind der Ursprung, sind die - auszubeutende und ausgebeutete - Quelle deutscher Herren- und Bonzen-Macht, an welcher das proletarische deutsche Volk keinen Anteil hat.

Das deutsche Volk ist die versklavte Schuftmasse, die unter der Lohnknute alles aufgebaut hat und nun nicht mehr gebraucht wird.

Ausbeutung und Ausbeuter des deutschen Volkes sind heimischen Ursprungs.

Die aktuellen sozialpolitischen Verunstaltungen ("Reformen") gehören in diese Reihe.

Dem deutschen ergeht es wie dem russischen Volk, ihr Schicksal ist fast ein gemeinsames: Proletarier beider Länder, vereinigt euch! - wäre der angemessene Slogan, der allerdings nicht greifen dürfte, weil ein deutscher Proletarier - selbst mit 200 Euro Stütze - wahrscheinlich keiner mehr sein will, aber das mag ich auch falsch sehn.

Die schweren Grubenunglücke in Rußland haben der Welt wieder einmal vor Augen geführt, was es mit diesem Riesenreich auf sich hat.

Die Menschen werden bis auf die Knochen ausgenutzt, oft monatelang nicht einmal für ihre Arbeit bezahlt.

Der größte Feind der Völker sind ihre Eliten.

Der Ludendorffsche "Volkskrieg" - Volk gegen Volk - verhüllt die Wahrheit des Maschinen-Kriegs gegen die Völker, Technik contra Mensch: den Vernichtungskrieg der techno-bürokratischen Eliten gegen die abgenutzte Arbeiterklasse.

Der Ludendorffsche "Volkskrieg" ist der anti-proletarische Klassenkrieg im technischen Zeitalter.

Wenn wir das nicht begreifen, begreifen wir nicht die Spezifität des "neuen epochalen" Vorgangs.

Das "Neue" an den "Materialschlachten" ist die systematische Vernichtung der überflüssig werdenden Fabriksklaven durch die Neue Mittelklasse.

Eine Folge technokratischer Selbstversorgung - räuberischer Aneignung des technologischen "Fortschritts", sprich: historischen - offenbar selbstmörderischen - Schöpfungswerks der arbeitenden Klasse - durch die somit "technologisch überlegene" Neue Mitte.

Der Große Krieg räumt die Fabrikhallen leer, macht Platz für die volle Automatisierung der Produktion.

Wer dennoch übrig bleibt, wird beim Neuaufbau verschlissen und nach erledigter Arbeit - so oder so - sozial eliminiert.

Der göttliche Anteil am Krieg ist die Dialektik des ganzen Prozesses und seiner Erfolge.

Zuletzt wissen die Herren der Kriege nicht mehr, was sie tun, und genau darauf beruht die Heiligkeit des Krieges, die ihn zum Vater der Dinge macht.

Die Herrschaft wird durch - unreflektierte Weltsicht gewordene - techno-bürokratische Fachidiotie - ob ökonomisch oder militärisch - in den Dreck gefahren.

Die ersten Maschinenstürmer waren die letzten Menschen, die das kapierten; seither machen Opfersklaven, Täter und Herren nur noch gemeinsame Sache - für den "innovativen" - heißt: technischen - "Fortschritt".

Befreiung heute ist Befreiung von den nicht mehr gebrauchten proletarischen Menschen, so eine Art Klassenmord.

Was für eine kriminelle Farce!

Die Weltkriege um und gegen Deutschland sind epochal bedeutsam: sein politischer Aufstieg gründet im hohen deutschen Beitrag zum naturwissenschaftlich-technisch-industrialistischen Fortschritt.

Die Leistungen der deutschen Forscher, Wissenschaftler, Gründer moderner Produktionsstätten, Tüchtigkeit und Fleiß der deutschen Arbeiter und Angestellten, die Fähigkeit der deutschen Bauern, das Volk immer reichlich zu versorgen, das alles ist beispielhaft und läßt womöglich die Klassentheorie als eine abwegige Konstruktion erscheinen.

Man kann ebensogut sagen, daß das deutsche System immer gut funktioniert hat; daß es für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich ist, Politik gegen das Volk zu machen.

Es gab und gibt immer Gründe, einen gefürchteten Konkurrenten auszuschalten, Deutschland hat es - entgegen verbreiteter Annahme - sich und seinen Feinden aber nicht leicht gemacht.

Es hatte - von sich aus - keinen Kriegsgrund, war - im Interesse seiner Rivalen und Feinde - erst mittels gezielter Provokationen auf den Weg des Krieges zu bringen.

Der Kausalzusammenhang und die ihn herstellenden Fakten sprechen für die Theorie vom Schwarzen Peter, der Deutschland zugeschoben wurde, so daß es gegen sein Staatsinteresse den Krieg führen mußte, den seine Feinde haben wollten.

Die deutsche Kriegsschuld ist eine nachträgliche Konstruktion der Sieger über das unterlegene Reich.

Die oben eingebrachte Klassentheorie erregt den Verdacht, daß mit ihrer Hilfe das nationale Interesse Deutschlands nachhaltig konterkariert worden ist.

Ich hänge - merke wohl - dieser Theorie an.

Danach hätten nun allerdings die Gewinner des Krieges ebensowohl Verlierer sein können, vielleicht sind sie's - als Verlierer des Friedens - auch geworden.

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