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kokhaviv publications

NewCatch - online exclusive

Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2003-09-10

Avram Kokhaviv

Romantik und Wirklichkeit

Das Verbrechen ist so nah

Horst Ehmke, Privatsache. Roman. © Eichborn AG, Frankfurt am Main September 2003

Ein schönes Stück Drittwelt-Romantik ist mit dabei, und wenn der Name des Kontinents fällt, gibt sich jedes Herz verloren, das noch auf dem rechten Flecke schlägt, nicht wahr.

Entwicklungs- und Flüchtlingshilfe, Frauenhäuser und der Kampf gegen grausame Banditen, Kindersoldaten, die kein Mitleid und keine Fürsorge mehr verdienen, weil sie in ihren jungen Jahren bereits so viele Verbrechen begingen, so viele Morde auf dem Gewissen haben, Unbeschreibliches, daß es ungerecht wäre und ungerecht ist, solchen Monstern auch noch eine fröhliche Zukunft zu entwerfen, es würde das Verbrechen nur mehren.

Der Mensch ist von kleinauf, mit seiner Geburt, ja, mit seiner Zeugung, für bestimmte Handlungen prädestiniert oder ungeeignet, jeder hat sein Gesetz, und die gesellschaftlichen Umstände führen in Versuchung, stellen die Prüfungen bereit, ob du vier bist oder zwölf oder vierzig, so mag sich das eine oder andere abschleifen, am Wesentlichen ändert sich nichts, das ist gültige Erkenntnis.

Auf einem Kölner Bahngleis wird die Leiche einer ermordeten Frau gefunden.

Die Spuren führen in ein teures Bordell, dessen Frauen aus Afrika stammen; sie kamen übers Internationale Rote Kreuz, durch UN- und andere, quasi öffentlich-rechtliche, sogenannte non-governmental Flüchtlings- und allemal political correct Organisationen (NGO) - alles ehrenwerte Einrichtungen - aus dem Bürgerkriegsgebiet Sierra Leone nach Europa.

Clever eingerichtet in diesen Wirren: ein Frauenhandel, mit Diamantenschmuggel verquickt, das bringt doch was...

Das reicht ins Antwerpener Diamantengeschäft, wo der belgische Staat nicht so genau hinschaut, weil er davon kräftig profitiert, falls in Kleidern und Gepäck der armen Flüchtlingsfrauen ein illegaler Edelsteintransfer abläuft, Schmuck- und Schlichtdiamanten, darin das organisierte Verbrechen sich verbirgt.

Ein deutscher Kommunikationsfachmann arbeitet als Entwicklungshelfer in Sierra Leone, lernt eine schöne Afrikanerin kennen und lieben, ein Voodoo-Fluch zerstört die glückliche Beziehung, und der erste Eindruck, daß der junge Mann das Mädchen zur Hure gemacht hat und wieder abschwirrt, ohne sich des weiteren um die Frau zu kümmern, ist nicht oberflächlich, er stützt sich auf die afrikanische Gesellschaft, die bei aller Modernität an einer Tradition trägt, die nicht mit dem Hemdsärmel wegzuwischen ist.

Der Deutsche hatte die Frau entehrt, ein Urteil, das die Zeit überdauert.

Der einzige Mensch, dem er in Afrika - wo er sich nach den Mordgründen und Mördern umsieht - vertrauen kann, ist ein Söldner, Angestellter einer privaten Sicherheits(Executive)firma, die von der Regierung in Freetown bezahlt wird, während die idealistischen und menschenfreundlichen Entwicklungs-, Flüchtlings-, Frauenhelfer irgendwie alle nicht so ganz koscher, zumindest ein bißchen naiv zu sein scheinen, was ebenso gefährlich werden kann.

Wer nach Afrika kommt und nur noch unter dubiosen Privatkillern aus Europa Freunde findet, hat allerdings ernstzunehmende Gründe, seine Rolle zu überdenken.

Die Söldner sind auf Rebellenjagd, der Aufstand rekrutiert sich aus Kindern im schulpflichtigen Alter, die getötet oder eingesammelt und in besonderen - international geleiteten - Kinderlagern auf ein ziviles Leben vorbereitet werden sollen, ein, wie gesagt, unnützes Unterfangen, ihre Schuld wiegt zu schwer, sie haben Hunderte gemetzelt, verstümmelt, gequält, ihre Familien ausgerottet und damit vor Gott ihr Recht auf Leben verwirkt.

Der Kölner Mordfall schrumpft zu einer Privatsache, der lediglich als geschichtlicher Hintergrund zu dienen die schrecklichen Ereignisse nicht entwürdigt werden sollten.

Der junge Protagonist fühlt sich in Deutschland nicht mehr wohl, Afrika hat von seiner Seele Besitz ergriffen, der Voodoo-Fluch legt fest, daß er in Afrika sterben werde, wann immer das sei, so geht er am Ende zurück.

Die Moral der Geschichte ist eine Konstruktion, die sich aber nicht wieder auflösen läßt.

Auch die monströsen Kindersoldaten folgten ihren Stammes-Gesetzen, gehorchten einem Voodoo-Befehl, dem sie nicht entrinnen konnten - der Verheißung einer afrikanischen Zukunft, von der unsereins nichts wissen darf, in der sie als junge Priester und Helden geehrt und gefeiert werden.

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