2003-07-01
Wir sind das Gericht
Zu neuen Denkelementen in Staat und Gegenregion
Wir sind das Gericht, wir Schreibenden als Vertreter des Wortes - die höhere Instanz.
Der Staat - auch formal geteilt eine Macht - ist der natürliche Feind dieser Instanz.
Sein - einst auch unser - Grundgesetz ist vom selben Staat über die Maßen ramponiert worden; wir haben keines mehr - außer dem Gottes.
In Theorie und Praxis.
Eine offene Gesellschaft hat dies auszuhalten - oder die Demokratie liegt sowieso schon im Staub.
So ein Staat möge seine, mittlerweile gern demokratischen Feinde, seine Opponenten und Kritiker selber verfolgen; womit ich nur eine Empörung umschreibe.
Wie mit dem organisierten Verbrechen, so ist der Staat auch mit dem organisierten Rechtsradikalismus mehr oder weniger eng liiert.
Der Lange Marsch durch die Institutionen kam aus vielen - politischen, wirtschaftlichen, weltanschaulichen - Richtungen.
Das strukturell und personell ohnehin fragwürdige Rechtssystem ist mit - teils vorbestraften - politisch hochrangigen NS-Anwälten, ich kann da einige Namen nennen, angereichert oder lahmgelegt worden, ganz, wie Sie wollen.
Wer im Glashaus sitzt, sollte sich hüten, einen Stein auch nur in die Hand zu nehmen.
Wer von der Toleranz seiner Konkurrenten und Feinde lebt, muß sich in Toleranz üben, wenn ihm weiter nichts zu Gebote steht.
Victor und Victoria Trimondi haben den Dalai Lama durchleuchtet, in ihrem neueren Buch untersuchen sie die buddhistischen und hinduistischen Affinitäten von und zu Hitlers Ideologie.
Und sehr interessant.
Sie arbeiten heute ihr Gestern - wie gestern ihr Vorgestern - ab.
Jetzt ist Asien, sind Buddhismus und Hinduismus an der Reihe.
Als ob nicht die Nazis erforscht, sondern die asiatischen Religionen - schön passend ins aktuelle Psychokriegsgeschehen - als mindest latent nazistisch denunziert werden sollen.
Der nächste Trimondi kommt bestimmt.
Die weltanschaulichen - quasi- oder pseudoreligiösen - Grundlagen und Orientierungstafeln des Faschismus jeder Couleur sind - bio- und bibliographisch grundiert - seit Jahrzehnten Thema des kuckuck und seiner Ausläufer.
An solchen Erörterungen hätte jeder sich beteiligen können, als die neuen Völkischen und Gegen-Völkischen noch in den Kinderschuhen staken.
Die Geschichte des kuckuck gibt mehr Aufschluß über den neuen - exklusiv und spezifisch deutschen - Nationalsozialismus - wir müssen die Schnürform Nazis jedesmal aufknüpfen, um zu wissen, was und wo wir zu suchen haben - als manches andere - meist verspätete - Enthüllungswerk sonst.
Es war schon immer später, als wir dachten.
Deutschland wird vor dem Neonazismus bewahrt, weil er verboten ist.
So wechselt er ständig sein Gesicht.
Wie die Nazismus-Kritik fast regelmäßig ihre Positionen ändert.
Moderieren ist auf lange Sicht eine Gefahr und keine Gewähr.
Die Kritiker wissen oft nicht mehr, wovon sie sprechen.
Grundsätze achten und Farbe bekennen!
Wer seine NS-Anfälligkeit in der Seele spürt, scheut naturgemäß die tiefer gehende politische und ideologie-kritische Auseinandersetzung.
Das feige Fahnewechseln ist ein deutscher Volkssport seit 1918.
Haltet den Dieb! - ist keine Politik.
Die Welt in Nazis und Gegen-Nazis einzuteilen, mag dennoch auf tückische Weise - ganz anders als gemeint - einen wahren Kern haben.
Aber achtet und hütet euch vor Asien!
Buddhismus und Hinduismus... - sind zu alt, zu wissend, zu erfahren, zu reif, als daß sie von deutscher Ignoranz, Unreife und Unerfahrenheit übers Knie gebrochen werden könnten; eher bricht das Knie.
Tastet ihr Wesen nicht an!
Ehret und fürchtet, was Menschen seit Jahrtausenden heilig ist!