2003-05-04
Fehler sind nicht vermieden worden
Folgen der Selbstherrlichkeit auf etlichen Seiten
Der neue Renner Polen - that's intelligence!
Das arme Polen soll die iraqischen Kurden bewachen, so will es die Regierung in Washington, und Polen reißt sich danach, in die Kleider des eifrigen Vasallen zu schlüpfen.
Was die Amerikaner im Iraq verderben, machen sie in Europa vielleicht wieder gut. Polen blockiert nun Rußlands Eurasien-Projekt. Nicht schlecht.
Mit Polen haben die USA einen hervorragenden und vermutlich nachhaltigen Zug getan. Er richtet sich gegen Deutschland und Rußland. Beide müssen sich wie gelähmt vorkommen.
Polen wird zum Partner der Vereinigten Staaten in Mitteleuropa und damit zum Deutschland-Ersatz - auf längere Sicht auch zu einer Gefahr für die territoriale Integrität Deutschlands.
Polen erhält möglicherweise erstmals und endlich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs seine europäische und damit weltpolitische Chance.
Durch diesen - von langer Hand vorbereiteten - amerikanischen Schachzug ist Deutschland, das sich "umgeben von Freunden" wähnte, isoliert worden.
Deutschland hat also - sicherheitspolitisch gesehen - einen Fehler gemacht, aufs falsche Pferd gesetzt.
Denn "Eurasien" beruht in russischer Sicht auf der russisch-deutschen Partnerschaft - auf Kosten Polens.
Das russische Eurasien-Modell sieht über Polen hinweg und impliziert gemeinsame - deutsch-russische - Grenzen.
Wenn es den Amerikanern gelingt, Polen zu der mitteleuropäischen Macht zu machen, die bisher Deutschland war, haben die Eurasier ein Problem.
Die Wahl Polens als dritte Kontrollmacht im besiegten Iraq ist ein interessanter, weitreichender Ansatz.
Amerika hat seine mittelöstlichen Fehler kontinental-europapolitisch gewendet.