2003-04-19
UNO-Sanktionen aufheben
Schulden erlassen
Den neuen Iraq entlasten
Das hört sich gut an...
Wer oder was ist, wem gehört dieser neue Iraq?
Tja, Erben aus Amerika.
Sie schlagen das Erbe nicht aus.
Sie wollen nur die alten Schulden nicht übernehmen.
Die europäischen Gläubiger sollen sie ihnen erlassen.
Die Generosität geht also auf Kosten Dritter.
Nutznießer sind in der Tat die Erben.
Von daher wird verständlich, daß Anrainer-Staaten und Vereinte Nationen die Aufhebung des Embargos an Bedingungen knüpfen.
Vor allem sollen die Waffeninspektionen fortgesetzt werden.
Erst wenn mit absoluter Sicherheit keine Massenvernichtungsmittel gefunden werden können, weil keine (mehr) da sind, will man den amerikanisch-iraqischen Wünschen nachkommen.
Vielleicht will Washington gar nicht wissen, ob verbotene Waffen noch irgendwo herumliegen.
Sagt doch ein geschnappter iraqischer Wissenschaftler, dessen Name "aus Sicherheitsgründen" nicht genannt wird, sie hätten die Dinger alle vernichtet!
Wenige Tage vor Kriegsbeginn.
Außerdem habe der Iraq an Syrien unkonventionelle Waffen geliefert und Verbindung zu Osama Bin Ladens Al-Qaida unterhalten.
Das ist die Traum-Lösung!
Tausendmal schöner als die geplanten 1000 US-Spezial-Reise-Agenten aus Army und CIA, deren Sucherfolge ohnehin niemand glauben würde.
Sanktionen-Nachsicht und Schuldenerlaß-Begehren sprechen dafür, daß die Amerikaner dem zerstörten Land zwei Altlasten von den Schultern nehmen wollen.
Es macht einen guten Eindruck, wenn der Aggressor überraschend milde gestimmt den unterlegenen Iraqern helfen will.
Allerdings sollen die Europäer die Schulden erlassen, die UN sollen das Embargo aufheben.
Die amerikanischen Forderungen sind nicht grundsätzlich falsch oder schlecht, die begehrenden Nutznießer kostet es allerdings nichts.
Man kann es noch anders sehen.
Der Schurkenstaat Nr. 1 hat alle Hemmungen abgelegt.
Es ist unglaublich.
Die Tatsachenberichte, die uns aus Bagdad und von anderen historischen Städten und Stätten erreichen, hätte ich noch vor einigen Wochen für anti-amerikanische Propaganda gehalten.
Mit Kulturbanausentum sind die Verbrechen nur maßvoll beschrieben.
Sie machen den teuren Krieg zu einem einträglichen Beutezug.
Es bietet sich tatsächlich an, auf die USA den Schmähbegiff anzuwenden, den sie für die Länder der von ihnen so genannten "Achse des Bösen" erfunden hatten: Schurkenstaat (Rogue State).
Wie werden wir nur damit fertig?
Ist eine Situation ausdenkbar, in der US-orientierte Iraqer - wie einst Saddam Hussein - jene unkonventionellen Massenvernichtungsmittel, die sich partout nicht finden lassen, abermals gegen Kurden und Schiiten einsetzen müssen, weil Washington weder einen islamischen Staat noch ein autonomes Kurdistan wünscht?