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Die Freiheit ist unsere Sicherheit

2003-04-07

Avram Kokhaviv

Dieser Krieg

Von der anderen Seite

Udo Ulfkotte, Der Krieg in unseren Städten. Wie radikale Islamisten Deutschland unterwandern.
© Eichborn AG, Frankfurt am Main, März 2003

Dieser Krieg in unseren Städten währt seit Jahrzehnten und wechselt alle paar Jahre sein Gesicht.

Solange die Sowjetunion noch existierte, sprach kaum jemand über diesen inneren Krieg und seine Verursacher.

Es wurde damals alles auf die sozialen Zustände in unseren Städten zurückgeführt.

Jetzt aber ist Krieg angesagt.

Und selbst dieser Krieg und seine Anzeichen sind nicht so jung, wie es der 11. September 2001 uns vormachen möchte.

Udo Ulfkotte stützt sich auf Informationen, die ihm staatliche Sicherheitsdienste zur Verfügung stellten.

Er hat viel Material zusammengetragen und neigt stark dem Gedanken zu, daß wir auf Freiheiten verzichten müssen, wenn wir sicher leben wollen.

Der richtige, einer Demokratie geziemende Grundsatz scheint ihm völlig fremd zu sein: Die Freiheit ist unsere Sicherheit.

Mit seinem Roman Gencode J hat er mir schon einmal einen Schrecken eingejagt, jedenfalls regt er jedesmal wieder zum Nachdenken an, was ja nur gut sein kann.

Die Idee der ethnischen Bombe, die bei Udo Ulfkotte (Gencode J) ausgerechnet in Israel entwickelt wird, spielt mit dem teuflischen Gemisch manipulierter Bakterien und Viren, die nur auf bestimmte Bevölkerungsgruppen schädlich Anwendung finden können.

Daran mußte ich bei SARS denken.

Doch Der Krieg in unseren Städten spricht nicht vom Abwehrkampf der so Bedrohten, sondern macht diese zur drohenden Gefahr für die - westliche - Menschheit.

Der Buchtitel könnte von einem arabischen oder afghanischen oder tschetschenischen Verfasser sein.

In Iraq wird der Welt gerade vorgeführt - anders als aus Tschetschenien und Afghanistan bringen uns Bilder den "Befreiungskampf" der "Koalition der Willigen" richtig nahe -, wie so ein "Krieg in unseren Städten" aussieht.

Angesichts dieser Weltlage, in der ein eher hilfloser Widerstand sich rührt, im Westen "Terrorismus" genannt, erscheint der Autor Ulfkotte, Jahrgang 1960, als ein wahrhaft Eifriger, der den Mächtigen der Welt gefallen möchte.

Peter Scholl-Latour definierte es neulich in einer Talk-Show etwa so:

Terror ist der Krieg der Schwachen. Krieg ist der Terror der Starken.

Der Krieg gegen den Islam ist wahrlich älter, viel älter, als der islamische "Terrorismus".

Und ein Attentäter, der sich opfert, um seiner Verzweiflung Ausdruck zu verleihen, wäre zu Zeiten, die das Heldentum von Massada noch zu würdigen wußten, ruhmreich in die Geschichte eingegangen - auch im Westen.

Im Zweiten Weltkrieg galten Partisanen nur den Nazis als "Terror-Banden" und "Verbrecher".

Offenbar hat die US-Armee nicht nur ihre bewährten Stahlhelme gegen das deutsche ("Fritz") Modell eingetauscht.

Immerhin hat die israelische Eroberung der Stadt Jenin den Koalitionsmächten beim Kampf um Bagdad, Basra... als Vorbild gedient.

Hinzuzufügen ist, daß die israelische Armee noch kurz zuvor, kurz vor der Einnahme Jenins, die SS-Vorgehensweise bei der Niederschlagung des Warschauer Ghetto-Aufstands studierte.

Jedesmal geht es um die "Abwehr von Gefahren", um die "Sicherung unserer Freiheit" und so fort.

Auch Ulfkotte will aber letztlich den Polizeistaat einführen, die demokratischen Freiheiten abschaffen, zum Teil abschaffen, durch zwangsstaatliche Mittel und Maßnahmen ersetzen - alles um unserer und seiner Sicherheit willen.

Sein Grundfehler ist einfach zu bestimmen: Er verstößt gegen die Regel, daß die Freiheit unsere einzige Sicherheit ist.

Ulfkottes Vorschläge, in die Tat umgesetzt, machen den Staat zum ersten Feind seiner Bürger.

Die aus der staatlichen Unterdrückung und Verteufelung des Islams folgenden Reaktionen werden den Terrorismus, den Ulfkotte exmittieren will, vielmehr hereinholen.

Die Bevölkerung wird zwischen zwei Arten des Terrors nicht zu wählen haben, sondern zerrieben werden.

Zu Ulfkottes Vorschlägen gehört es übrigens auch, kritische Äußerungen dieser - meiner - Art strafrechtlich zu verfolgen: "unerbittlich".

Die andere Seite von Manhattan habe ich diesmal gar nicht erwähnt.

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