2003-08-06
Der Mann auf der Pappe
Morgens um sieben holte er den Kaffee, zwei Pappbecher für sich und seinen Kumpel, wenn der Krämer seinen Laden aufmachte, war das der erste Kundendienst.
Der Kaffee für die beiden Stadtstreicher war sein morgendlicher Gottesdienst.
Die Männer schliefen nachts auf Kartonplatten, sie hätten sich auch auf die Erde legen können, aber sie kamen aus einer zivilisierten Welt, wo man sich nicht einfach hinlegt, sondern was drunter hat.
Niemand lief nackt herum, obwohl es tagsüber heiß war und die alten Lumpen, die die zwei trugen, weniger waren als nichts.
Man läuft nicht nackt herum, so was macht man eben nicht, auch wenn man nackt besser dran ist als angezogen oder eingewickelt.
Da war einer, der hatte nichts unter seiner Decke, hatte sich ohne alles eingewickelt.
Erstaunlich ist, wie so was geht, niemand lernt im normalen Leben seine Grenzen kennen.
Der Mann auf der Pappe und sein Kumpel auf der Pappe hatten sich noch nicht von den Anderen und Normalen abgezogen, sie gehörten noch dazu, das war für sie klar, obwohl jeder sehen konnte, daß sie deren Grenzen überschritten hatten, und es sah auch nicht so aus, als ob sich daran jemals wieder etwas ändern würde.
Wenn der Mann sich von der Pappe erhebt, sie liegen läßt, die Lumpen auszieht und wegschmeißt, dann kommt die Polizei und sorgt für eine kurzzeitige Unterkunft und für andere Lumpen, damit nur keiner die Blöße sehe.