2003-07-31
Von Adlershof nach Lankwitz
Was für eine Reise!
Es sind Arbeitsstationen, die morgendliche S-Bahnfahrt nach Adlershof endete in Schöneweide, wo gerade ein Zug auf der anderen Bahnsteigseite stand, ich also raus und drüben wieder rein, dann ging es ab in Richtung West, wo ich vier Jahre später tatsächlich in Lankwitz landete.
Ich hatte mich weder verbessert noch verschlechtert, aber eher verschlechtert, denn im Westen mußte ich erstmals richtig arbeiten für mein Geld, wir hatten uns aber eingeredet, daß der Sozialismus ein richtiges Ausbeutersystem war und wir seine Sklaven.
Im Osten wurden wir gefördert, was mir überhaupt nicht paßte, so blöd war ich nun mal, mich zog's in den Kapitalismus, mich Blödmann.
Ich kann jetzt im nachhinein nicht alles gutmachen, was damals schlecht war, und es wurde mir schlecht, weil meine Flausen eine realistische Sicht der Dinge nicht zuließen, ich wollte betrogen sein, und so tat ich mein Bestes.
Hätte ich es nur vierzig Jahre drüben ausgehalten, der Westen würde mich mit offenen Armen empfangen haben, mich für meine Stasi-Selbstoffenbarungen reichlich bewundert und honoriert.
DDR-Ministerpräsident oder knapp davor hätte ich werden sollen, am besten aber im Kulturbereich und im Intelligenzdienst, möglichst beides schön abgestimmt zusammen, so überlebst du die dunkelsten Zwischenzeiten, die dir im hellen Licht erstrahlen.
So wär ich heute Millionär oder wenigstens Bundestagspräsident.