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Wo lassen Sie denken · Où laissez-vous penser? · Rent a brain…

2003-07-31

Felix Pech

Oberbaumbrücke

Die Brücke, die kleine Druckerei, der Sohn und die Schwiegertochter, die Stimme des Herrn und der Grenzübergang, wo so merkwürdige Typen herüber kamen, Blinde, die sehen konnten, Verarmte, die in teuren Wohnungen zuhause waren und sich Kinderfrauen leisteten, ohne mit der Wimper zu zucken.

Der Grenzverkehr mit dem eigenen Charakter an einer Ecke, wo viele amerikanische und englische Agenten-Filme gedreht wurden, von Smiley bis Autojagd, herüber und hinüber, in der Bevernstraße lieferten sie sich gefährliche Abenteuer und ließen die Anwohner nachts nicht schlafen, schließlich kam auch noch der Eiserne Justav und kutschierte ums Schlesische Tor, die Mauer zog sich am andern Ufer der Spree oder des Kanals.

Das geht mir seit meiner Kindheit so, ich müßte es eigentlich wissen, aber ich weiß es nicht, nur wo der Landwehrkanal ist, weiß ich, weil da mal eine Apo-Aktion gegen den Verfassungsrichter Benda ablief, gleich vor der Nationalgalerie an der Potsdamer Straße, in der Nähe sollen Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht aus dem Wasser gefischt worden sein, oder war es nur einer oder eine von ihnen, so gehe ich auf den Uferwegen spazieren, schaue von den Brücken aufs Wasser und weiß nie, wo ich bin, wo ich hinschaue, auf einen Kanal oder auf die Spree im Original, und was das Schlimmste daran ist, mir ist das auch ganz egal.

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