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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2002-06-06
Die Bande trieb sich in der Welt herum, machte schlechte Geschäfte, aber auch sonst nicht viel von sich her.
Eine lose Bande ist auch eine Bande, aber die hier war wirklich unter aller Kanone. Der Alte hatte resigniert, ohne es sich direkt anmerken zu lassen. Die Jungen machten weiter, je jünger, desto weiter. So lief das eben.
So läuft es ja überall, aber in unserm Fall konnte man wie vor einem unauflösbaren Rätsel stehen bleiben. Alle Sprichwörter, die der Volksmund sich für solche Gelegenheiten aufgehoben hatte, trafen auf diese Bande zu.
An denen war Hopfen und Malz verloren, die kommen nie auf den grünen Zweig, deren Gläser sind immer halbleer oder halt leer. Wenn die was in die Hände nehmen, kannst du auf den euphorischen Aufschrei und die drauf folgende Niederlage warten. Sie folgt auf dem Fuß. Sie sind eine einzige Kapitulation. Sie haben es nie anders gelernt, würden es aber auch nicht lernen.
Sie kommen niemals richtig auf die Beine, weil sie fliegen wollen. Ihre gesellschaftliche Stellung ist ihnen wurscht. Absolut.
Aus allem wird in ihren Händen Gold, das glänzt aber nur, ist nicht zu fassen. Sie drehen am schönen Schein, nehmen teil und predigen die Wahrheit hinter den Dingen, von denen sie nichts als die Haut kennen gelernt haben.
Bei der Polizei bringen sie es kaum übern Wachmeister, das Militär nimmt sie nur für die untersten Ränge. Im Büro sitzen sie da, wo die Arbeit gemacht wird. Wenn sie sich befreien, legen sie sich gerade neue Fesseln an. Mit ihnen ist wirklich nichts los.
Vergebens sucht man sie in den Chefetagen oder im Parlament. Wenn man sie antrifft, so in untergeordneter Stellung. In ihrem Innern freilich sind sie die Größten, da kann ihnen keiner das Wasser reichen.
Sie haben das Innere nach außen gekehrt und damit imaginäre Karrieren gemacht. Ihre Arbeit leisten sie am liebsten umsonst. Wer kein Geld nimmt, ist frei, ist nicht käuflich. Das ist eine Religion wie die am Ufer des Jordans, wo ihnen gesagt wurde, bedient euch keiner Hilfsmittel, ich bin ja bei euch.
Ein wirksamer Trost. Wer es in der Bibel liest oder im Relgionsunterricht hört, wird als Kind in die Hilflosigkeit programmiert. Er kann sich sowieso nichts anderes vorstellen als diesen Kinderglauben. Hinterher ist es zu spät.
Sozialer Mißerfolg füttert die Bestie der Kriminalität, den Wunsch nach dem großen Coup, um ein für allemal aus diesem tristen Miesekram herauszukommen. Eine einzige große Sache, dann bist du aus dem Schneider und kannst wieder deinen Trieben nachschlummern.
Die Bande brachte es zu Höchstleistungen und wurde nie angemessen bezahlt. Es ist wie im Märchen. Sie wirkten wie die Heinzelmännchen, arbeiteten sechzehn Stunden am Tag. Sie waren beliebt, die Produkte ihrer Arbeit kamen gut an. Doch niemand dachte an Bezahlung. Diese Banditen hielten sich für unbezahlbar. Es sind ihre Worte: Ihr könnt uns nicht bezahlen. Es könnt uns nur beleidigen. Also laßt das mit dem Geld.
Es war also eine kranke Gesellschaft, ein klinischer Fall von: die lassen wir gar nicht erst rein, heilen können wir sie sowieso nicht.
Zeigen und Sagen, kann man lesen, ja, sie zeigten und sagten und taten es ohne Salär und ohne Ehrgeiz. Es fiel ihnen leicht.
Die Witzbolde vom Dienst taten so, als hätten sie's nicht nötig. Irgendeiner am andern Ende des Drahts half ihnen immer wieder, so daß sie erscheinen konnten, wie sie erschienen.
Auftritte standen als Über- oder Untertreibungen zur Wahl, und immer wählten sie die Untertreibung. Wer was anderes tat, hatte gleich am ersten Tage Pech damit. Im Understatement hält sich eine wertvolle Münze versteckt: die angenehme Überraschung. Wer unterschätzt wird, kann nicht enttäuschen.
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