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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-05-20

Unger Varnsdorf

Der Irrtum ist ein Schicksal

Politik und Geschichte

Dem du ausgeliefert bist, das ist, was du nicht kontrollieren kannst, weil du wie auf dem Erdball nur mitfährst. Du hast keinen Einfluß darauf. Es ist doch ganz einfach.

Befreiungsakte sind eine Ironie und eine List des Schicksals. Nietzsche hatte einen Blick dafür, daß wir mit dem Rücken auf dem Rücken des Tigers festgebunden seien. Wir schauen nur den Himmel über uns, aber unter uns, mit uns schleicht und reißt das wilde Raubtier. Wir wissen es nur nicht.

Oder wir glauben, der Tiger zu sein, träumen auf einem trägen Flußdampfer vor uns hin.

Ob mit dem Strom oder gegen ihn, die Strömung ist stärker als die Motoren.

Der Fluß bestimmt die Richtung, da mögen wir rudern und treiben und den Wind blasen lassen, gegen die Absicht und die Bestimmung des Stromes kommen wir nicht an.

Den Irrtum erzwingt die Situation, die Natur unserer Unzulänglichkeit.

Wir sind begrenzte Geschöpfe. Der Irrlauf beginnt in unserm Bewußtsein. Es flüstert uns vor, grenzenlos zu sein, frei zu denken und zu handeln... Wir denken wie eingegeben: uns selber etwas vorzuflunkern.

Kulturgeschichte ist ein Flunkern und Blitzen und Donnern, Kulturpolitik das Feuerwerk über dem Volkspark am See.

Ohne Flunkern, das Leben, ist vielleicht vor der Kultur, vor der Organisation, vor der Vermassung der menschlichen Gesellschaft. Ich sage vielleicht, weil solche Überlegungen ein Teil des Flunkerns sind.

Die Schrift ist uns heilig, weil sie uns vom Göttlichen was abgibt. Wir naschen davon und schreiben, hinterlassen das Geschriebne den Späteren...

Die Werke überdauern ihre Schöpfer... Tatsächlich flunkern die Toten den Lebenden nur etwas vor.

Das ungeflunkerte Leben der heiligen Tiere, das ist lange her, stellte er als göttliche Vollkommenheiten in den Himmel.

Er ritt das Tier und wurde geritten und glaubte, es spiele sich unter den Olympischen ab. Erdboden und Geister einer ewigen Steppe sind Bühne und Souffleure göttlichen Sinnens und Spinnens.

Bei allem übersehen wir die eine Wahrheit, nein, das kann es nicht sein.

Du kennst das Rezept, und indem du es sagst, geht es verloren.

Das letzte Wort ist das Schweigen. L'Omertà sollte nicht sprechen.

Schreiben ist eine Umgehung des Verbots, eine hehre Pflichtverletzung. In der Schrift ist alte Schuld und der trügerische Versuch, sie abzutragen.

Die Motorik des Lebens treibt darüber hinaus, weil wir glauben, uns vervollkommnen zu müssen.

Indem wir die Gitter überschreiten, lassen wir die Unversehrtheit zurück. Wir kehren nicht wieder. Der Weg ist abgeschnitten.

Du hast das Geheimnis verraten.

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