2002-03-01
Die Familiengeschichte drohte einzureißen, aufzuplatzen, nicht wegen Überfüllung, denn das freute den Alten aus dem Grunde, nein, sie hatten den Konsens nicht entdeckt, die Philosophie nicht, den gemeinsamen Himmel.
Allein dies war noch nicht das Unglück, man konnte miteinander sprechen, Verletzungen müssen behandelt werden. Doch die Partner, sie sprachen nicht mehr, wollten sich übers Trennende nicht auseinandersetzen. Mochte alles nebenher fortbestehen, bleiben wie es war - und werden. Arturo verhielt sich nicht weise... Oder dachte weiser als der Alte und Vorvater, der nun verunsichert war, weil er an den Kindern nicht falsch handeln wollte. Gottes Pläne sollten in Erfüllung gehen, die Widersprüchlichen ineinander aufgehen und glücklich dabei werden und bleiben und politisch zufrieden. Aber verbarg sich in der Weisung ein Geheimnis, eine unverstandene Lehre?
Denn insgeheim, meinte der Alte, werde auf seiten der Opposition schon an einer - späteren - feindlichen Übernahme gearbeitet. Der alte jüdisch-islamische Sonderling war eine Herausforderung für alle, die die Feinheiten nicht beachteten. Seine bärtige Philosophie deckte sich nicht mit dieser und nicht mit jener Doktrin. Er machte es jedem schwer, der in Schubladen dachte - oder quadratisch, wie Barrys Sephardische es so treffend formuliert hatte.
Nach den Plänen Gottes kamen sie durch Heirat hinzu. Nun verharrten sie vor einem Prinzipienstreit, wenn sie nicht ihre Überzeugungen aufgeben wollten. Sie nahmen's auf die leichte Schulter.
Nahmen sie es aber ernst, drohte der Krieg, und den wollte angeblich niemand. Unterderhand machte indessen alles mobil. Die Kriegsvorbereitungen gingen voran - für den Fall, daß man sich nicht einigen konnte.
Nicht irgendwo in der Mitte. Stützt euch aufs Gemeinsame und räumt die Unvereinbarkeiten vom Tisch. Faule Kompromisse schließt aber nicht. Drum: Schweigen oder kämpfen, darauf lief alles hinaus. Auf sich beruhen lassen oder Krieg führen. So sah es aus.
So sollte ich den alten Mann beraten. Ich brauchte die ganze Geschichte, konnte nicht sagen, macht dies und das, jenes aber nicht, wenn ich nicht richtig Bescheid wußte. Was aber klar war, mußte noch einmal durchgeschüttelt werden. Das Wichtigste und Wesentliche war mir bekannt. So spielten wir uns was vor.
Die Geschichte ist also die, oder es hat sich zugetragen, daß chassidische Kinder sephardische Kinder heiraten, oder eine Jüdin einen Katholiken. Sie lieben sich und denken nicht im Traum daran, wieder auseinanderzugehen, bloß weil die Urväter auf ihren Regeln bestehen und der Alte etwas durchsetzen will, was für die andere Seite aber überhaupt nicht in Betracht kommt. Es tauchen Fragen auf, an die gedacht werden muß, aber niemand gern denkt, der seine Flitterwochen vor oder gerade hinter sich hat.
Die Töchter migrieren. Die eine kommt herbei, die andere geht fort. Sie hatten die Namen ihrer Männer angenommen. Die sephardische Frau wurde deitsch, die Ashkenasah trug jetzt spanisch, chilenisch oder marokkanisch.
Liebende Seelen vereinigen sich zu einer Gemeinschaft auch im Geiste. In welchem Geiste, das war hier die Frage. Laß dir Zeit. Was aber zusammengeht, muß beschnitten sein, damit es different gedeihen kann.
Die Geschichte der schwarzäugigen Lina, einer Besonderheit, die jeder in acht nahm. Ihr meschuggener Vater verschwand spurlos, als sie fünf war. Lina hatte den Mann mit der Spielkiste durchs Fenster geworfen. Die Mutter versank in ihrer Kunst und erstand von neuem.
Der ältere Barry war ihr Großer Bruder, den sie bewunderte und dessen Rat sie folgte, bis es ihr eines Tages zuviel wurde. Aber "eines Tages" heißt eigentlich, daß es sich über Jahre hinzog.
Lina war ein wählerisches Mädchen. Ihr erster Mann, ein kanadischer Jude, leistete in Israel seinen Militärdienst ab, als sie ihn in einem Kibbuz kennenlernte. Er hieß Arthur, was wichtig ist, weil ihr zweiter Mann den gleichen Namen trug: Arturo. Arthur war aber auch ein Vorvatersname.
Wenn Namen ein Schicksal haben, so werden wir Zeugen einer tragischen Verstrickung; tragisch, weil die seelische Grundierung es vorbestimmt hatte. Wir erleben ein glückliches Paar mit einem komplizierten Geschick.
Arturo und Lina waren glücklich, sie liebten sich bis in die letzten Fasern ihrer vereinten Persönlichkeit, nur lassen sich ein paar ernste Angelegenheiten nicht mit Gefühlen, Liebesglück und herzlicher Symbiose regeln.
Nichts ist ohne Hoffnung. Wo so viel Schönes und Gutes lieb beisammen ist, kann und muß alles nur noch besser werden und Früchte tragen, prächtige Früchte.
Die Namen Lina und Arturo passen zusammen, sind richtig, geben vielleicht ein falsches Bild, weil ihre seelische Konsistenz zu gut ist, fast wie erfunden. Wir gehen dennoch von den Namen nicht ab, weil sonst die Personen nicht mehr stimmen. Das Antlitz muß der Tönung entsprechen.
Lina und Arthur trafen sich also zweimal in ihrem Leben. Nein. Lina traf Arthur zweimal, in zwei Gestalten, ashkenasisch und sephardisch, einmal lachend und tanzend, einmal tanzend und lachend, eine liebe Geschichte, die ins Stocken gerät, weil der eine Arthur dem anderen, nämlich Arturo, in die Quere kommt.
Arthur I stand dem Arthur II im Wege. Der Zweite mißtraute dem Ersten, obwohl Arthur II zur Nummer 1 geworden, dazu nämlich bestimmt war. Wie bisweilen über Generationen das Künftige vorbereitet wird, so war der erste Arthur die Verheißung des zweiten. So wurde der Zweite zum Ersten, der er immer gewesen war. Lina hatte Arturo im Blut.
Arthur I ist weitgehend unbekannt geblieben. Niemand kennt ihn richtig. Niemand weiß von seinem wirklichen Leben. Wer war dieser Mann?
Man hat ihm manches nachgeredet. Zwischen ihm und Lina herrschten Mißverständnisse über Mißverständnisse, für die irgendjemand verantwortlich sein mußte.
Hatte Zwi einen metaphysischen Agenten in Shimon gefunden, der gegen Achat intrigierte, um Lina für sich, doch schließlich für Arturo, den sie Zwi riefen, freizuhalten?
Arthur II traute auch dem Shim nicht, den er nur von Bildern kannte. Zwis Gefühle trogen nicht: Paß auf, alter Freund, die beiden kämpften schon in Israel um dein Weib, obwohl sie es niemals zugeben würden.
Shim war Tugendwart und Interessenmanager, was ihm nicht schwerfiel, denn er mochte den Achat, das ist Arthur I, den mochte der Shim ganz und gar nicht.
Achat war ein lustiger Mensch, während Shim keine Miene verzog, wo andere lachten. Achats Vater lebte auf einem Küstenschiff vor Florida, tauchte nach Perlen oder handelte mit Drogen und Waffen. Währenddessen besuchte die Mutter ihren Arthur in Israel und legte für die Heirat eine vorläufige Frist von drei Jahren fest. Vor ihrem Fünfzigsten wollte sie nicht Großmutter sein.
Ich erzähle die ganze Geschichte, weil Lina und ihr Bruder Forrest alias Barry so etwas wie einen genetischen Draht nicht nur nach Mesopotamien, sondern auch nach Mesoamerika hatten, die Antenne fürs Spanische wie fürs prickelnde Grenzgeschäft.
Da ging es mal um Diamanten in San Diego, um Stoff und Personal. Die Küste und Mexiko lagen nah.
Längst waren ihnen die Geheimdienste auf der Spur. Barry, der aus Israel kam, knüpfte in Berlin ebenso prompt wie unauffällig Kontakte mit Arabern.
In der Medienbranche war das Schwere leicht gemacht, wenn man die Regeln beherrschte, und die Sucher konnten finden, nur was sie suchten, fürs Tageslicht zu fein gesponnen, das fanden sie nicht. Das sollten sie nicht.
Niemand kannte den Hintergrund. Neugier wurde nicht belohnt. Wer sich um nichts scherte, fuhr am besten, hatte seine Ruhe, blieb ungeschoren. Denn daß die Anti-Terror-Einheit eines Morgens den Berliner Frühstückstisch demolierte, war ursprünglich gar nicht vorgesehen.
Die Staatsanwaltschaft glaubte sich auf der richtigen Fährte, erlebte einen großen Reinfall und sann auf Rache, für die es auch bald eine Gelegenheit gab.
Es geschahen Zufälle über Zufälle, die nichts miteinander zu tun hatten, im hypothetischen Zusammenhang jedoch ein gefährliches internationales Netz des politischen Verbrechens - von Waffenhandel, großem Drogengeschäft, Terrorismus, Menschenschmuggel - bildeten. Befreiung als Verbrechen war angesagt.
Ermittlungen leben von oft wechselnden Hypothesen. Wo am Himmel ein Netz erscheint, ist in der Nähe der Kopf, die Spinne, die das Netz kontrolliert. Wo ein Kopf hervorkam, da mußte ein Netz sein.
Schreiben ist ein Sterben, an dem das Leben noch einmal vorüberzieht, der Faden einer Spinne, deren Entelechie es ist, Netze zu weben, darin ihre Beute zu fangen. Ein vorbestimmtes Wesen.
Wohl war das Bild vom Netz der Befreiung falsch. Wer in Netzen denkt, will fangen, und die Terroristen wollten nicht fangen, sie sollten gefangen werden, also war das Netz eine Sache der Ermittlungen.
Die Ermittler mußten weltweit Netze spannen, um die Osamas und wie sie alle hießen dareingehen zu lassen.
Es funktionierte nicht. Es klappte so miserabel, daß man den Verdacht haben mußte, die wollen nichts fangen, die wollen nur jagen, nicht fangen, wollen die Welt beunruhigen und in Unsicherheit stürzen. Zu jeder Stunde und Minute kann die Tür aufbrechen, und herein kommen ein paar Anti-Terroristen, die dich auf dem Kieker hatten, bis sie mit einer müden Entschuldigung wieder verschwinden, nicht ohne vorher alles zerschlagen zu haben.
Sie fanden einfach auch Spaß an dem Spiel mit der Angelrute, wenn das Netz grad besetzt war. Sie hatten keine Strategie, weil sie ihren Feind nicht kannten.
Wo kein Netz ist, kann keins gefunden werden und also auch kein Kopf im Netz, keine Spinne. Die Spinne aber, die real existierende globale und illegale Netzproduzentin, hat sich der gesetzlich geordneten Staatlichkeit versichert, ist von dieser nicht mehr zu unterscheiden.
Alles ist verkehrt. Die Anti-Terroristen machen den Terror, den sie angeblich bekämpfen. Die Welt, eine Perle im All, dreht gerade bei, und da sie echt ist, werden selbst die Götter an ihr sich die Zähne ausbeißen, es wird niemals enden.
Die geheimdienstlichen Ermittlungen liefen auf allen Ebenen, kamen aus vielen Richtungen. Die großen und mittleren Wirtschafts- und Militärmächte zeigten allerorten ein spürbares Interesse.
Spürbar, wenn es in der Leitung knackte, die Angelegenheiten schief oder allzu gut liefen. Du machst nicht ständig Fehler und hast nicht immerzu Glück. Da war was faul, und sicher bist du nie.
Die Ermittlungen richteten sich gegen die Ermittlung, gegen die Entdeckung des ermittlerischen Terrorismus. Glaub ja nicht, du könntest den Mächtigen das Drogengeschäft vermasseln! Die Privatisierung der Politik ist identisch mit der Verstaatlichung des Verbrechens.
Was die Anti-Terroristen "Terrorismus" nennen, ist die Bekämpfung des Verbrechens.
Das Drogengeschäft ist ein Machtfaktor, den die Staaten soeben unter ihre Kontrolle bringen. Damit verliert das Verbrechen weder seine Ausmaße noch seinen Charakter. Es wird vielmehr zur zivilisatorischen Norm.
Staaten sind wie organisierte Kriminalität, gegen die eine globale Nichtstaatlichkeit zu den - weißgott unzulänglichen - Waffen gegriffen hat.
Die Verunsicherung meines Gewährmanns hatte solche und andere Ursachen. Für ihn war alles eins. Das Geschäft, die Politik, die Familie, das Liebesleben, was Gott sich dabei dachte. Alles lag in seiner Hand. Es machte das Leben abwechslungsreich, man mußte nur ein Gefühl dafür gewinnen.
Er war nicht mehr der Jüngste und stützte sich auf seine Intuition mehr als auf den Pressebericht. Die jungen Leute in den Redaktionen hatten keine Ahnung, steckten noch in den Kinderschuhen. Die Archive waren blind geworden.
Versuch's mal, sagte sich Barry und wagte den ozeanischen Sprung an die mexikanische Grenze. Seine erste Sephardin kam aus Indien oder Persien, stand unter permanentem Terrorismus-Verdacht, wo sie eine Grenze überschreiten, eine Flugabfertigung betreten oder nur telefonieren wollte. Mein Gewährsmann liebte sie, wie ein Mann nur eine Tochter lieben kann, aber das gehört nicht hierher. Und sie liebte ihn.
Unter der Vorgabe, einen Film über die Drogenbekämpfung drehen zu wollen, hielt sich Barry eine Weile in Kalifornien und in Florida auf, wo er um ein Haar dem Shim begegnet wäre, der auf dem Wege nach Costa Rica in Miami aufgehalten wurde, wo er etliche Stunden auf die nächste Maschine warten mußte.
Als Shim schließlich an seinem Ziel ankam, war die Kontaktfrau zwar glücklich, ihn wiederzusehen, nachdem sie ihn in Israel so plötzlich hatte verlassen müssen. Consuela ahnte jedoch nicht, daß nicht sie, sondern ihr Vater Jorge Shims Reiseziel war.
Jorge war soeben aus dem Staatsdienst geflogen, nachdem eine neue politische Konstellation mit seiner Partei nicht mehr zusammenarbeiten wollte. Shim kam also umsonst nach Costa Rica, verblieb einige Wochen, um sich mit Consuela zu vergnügen und im übrigen die europäischen Erinnerungen ein wenig abzulegen, falls das so leicht ging.
Die ganze Familie mußte mit der Zeit in den Verdacht geraten, eine international operierende Bande, eine Wirtschafts-, Medien-, Politmafia zu sein.
Nur nachzuweisen war ihr nichts. Rivalen hatten oft versucht, sich in den Kulissen umzusehen und umzuhören, und sie erfuhren allerlei, dessen Informationswert freilich höchst zweifelhaft blieb, weil der lebendige Familieninstinkt längst dahintergekommen war. Erhält der Spion seine Nachrichten von denen, die er ausspionieren soll, ist er nichts mehr wert. Und die Nachricht taugt noch weniger.
Das raffinierteste Stück in diesem Treiben war die Artistin Lina aus der chassidischen Verwandtschaft. Durch sie bekam die Geschichte ihren Drive. Lina war die Unauffällige. Sie studierte und malte, malte, schrieb, studierte, balancierte und spielte auf dem Keyboard.
Sie konzentrierte sich auf altorientalische und mesoamerikanische Kulturen, schrieb Reiseberichte, arbeitete im Internet, schuf Seidenmalerei nach indianisch-mayanischen Motiven, jobte bei Türken, Indern, Afghanen und sprach ein perfektes Hebräisch.
Sie definierte sich als unruhige Nomadin, die nirgendwo und an jedem Ort gleichzeitig richtig zuhause war. Sie hatte sich die Begabung des Staunens bewahrt, jeder glaubte ihr, daß sie nur die schönen Seiten des Lebens in Betracht zog.
Kein Mensch brachte sie jemals mit einer politischen Befreiungskonspiration in Verbindung. Wer sie kannte, wäre jedem derartigen Verdacht entschieden entgegengetreten, hätte es von sich gewiesen, Linas Integrität irgendwie in Zweifel zu ziehen.
Aber Lina war eben eine Laila, was arabisch und hebräisch Nacht bedeutet. Man blickte bei ihr nie ganz durch, und sie war eine Meisterin der mimischen Verhüllung.
Ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Ambitionen machten die besessene Autodidaktin zur perfekt getarnten Kommunikations-Terroristin, wie die im Schatten von Manhattan fahndenden FBI- und CIA- Spezialisten sie beschrieben haben würden.
Lailas Tarnung war so perfekt und uneinsehbar, daß wir bis heute nicht wissen, wie weit sie in ihrem fröhlichen Nomadendasein eigentlich gegangen ist.
Der Alternde war auf der Flucht vor seinen Verfolgern, versteckte sich unter einem Zelt und mußte mit großer Anstrengung sein Inkognito wahren.
In der Früh betete er gen Südost oder Südwest, denn er wußte nicht, wo er sich befand. Er bettete, nein betete sich an der Morgensonne vorbei in die heilige Erde.
Bei der Selbstbetrachtung seiner Hände klopfte ihm ein Mujahid auf die Schulter. Der Mann war angekommen.
Daheim jagte er zwei Männer aus dem Haus, die seine Abwesenheit genutzt hatten, um es in Besitz zu nehmen und seinem Namen Schaden zuzufügen.
Diese verhüllten Ungläubigen glaubten, ihn verachten zu dürfen, weil er ein friedfertiger Mann war, doch da zeigte er ihnen seinen Zorn und führte den Djihad in seinen vier Wänden unterm eigenen Dach.
Das war der Anfang. Im eigenen Hause Ordnung schaffen und dann den äußeren Feind bekämpfen in Gottes Namen. Er hatte die Ungläubigen nicht getötet, doch das werde er in Zukunft tun.
Der alte Mann fiel aus seiner Erinnerung um des Schreibens willen. Nun erinnerte er sich wieder, denn es steht geschrieben.
Er hatte es aufgeschrieben, seinen Besuch in dem heiligen Haus, einem Tempel, einer orthodoxen Kirche, er wußte es nicht, es war aber keine Moschee, nur das Holz, die drei Bretter mit den Scharnieren, die wie Schranktüren zusammenklappten zu einem Brett.
Sein Kollege betete auf der Alpine-Platte nach Mekka. Unterm Gewölbe vor dem Tor.
Das ist meine Moschee, sagte Osman, der aber Ismael hieß oder Faridun. Und der Alte sagte, es habe sich entschieden, für Allah, für die wahre Lehre, den Islam. Er rieb eine Perlenkette übers rechte Auge, daß es sich entzündete. Es brannte sich ihm ein, was er nicht vergessen sollte. Damals war der Alte noch jung.
Was hat den Alten reich gemacht? Die Entdeckung. Was hat ihn arm gemacht? Eine Erfahrung.
Reich gemacht hat ihn die Entdeckung, daß wir nicht allein sind, daß unser Leben einen Sinn und eine höhere Bedeutung hat, daß es Gott gibt, weil es ihn geben muß, weil er notwendig ist, wenn wir an der Entdeckung teilhaben wollen.
Ohne sie ist das Leben auf Erden triste wie mancherorts in Deutschland, was nicht an der Landschaft liegt, denn Deutschland ist ein schönes Land.
Zur Entdeckung gehört, daß ein paar Korrekturen vorgenommen werden müssen. Zur Erfahrung, daß die meisten Menschen davon nichts wissen wollen.
Wir haben kein Krisenkommando, doch immerhin ein Konfliktprogramm. Und viele Differenzen, die geklärt werden müssen.
Mit Achat hätte es andere Probleme und Schwierigkeiten gegeben, aber nicht so tödliche, wenn man den Ausgang dieser Geschichte zu Ende denkt, und das sollte man lieber nicht tun, weil es ein Unheil heraufbeschwört, das wir nicht wollen, obwohl wir andererseits wissen, daß an den Festsetzungen nichts vorbeiführt.
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