2002-06-24
Eurasien ist kein Kontinent, sondern - unter Weglassung Chinas und Indiens - eine politische Idee. Die Idee vom russischen Weltreich. Eine immerwährende, aber nicht dauernd sichtbare Welt als Wille und Vorstellung.
In diesen Tagen und Wochen hat sich in Rußland eine neue eurasische Partei vorgestellt.
Die Initiatoren bekennen sich offen zu der erkannten Notwendigkeit, aufs eurasische Umfeld zurückzugreifen, wenn Rußland als eine relevante weltpolitische und vielleicht auch wirtschaftliche Macht überleben bzw. erst einmal wieder auf die Füße kommen will.
Die Geschichte Rußlands in diesem Sinne ist stets eine Reichsgeschichte gewesen. Ob als Zarenreich oder als Sowjetunion, Rußland - als Zentralmacht - gruppierte um sich herum eine Vielzahl kleinerer Satellitenstaaten, von denen es eigentlich lebte.
Rußland war immer imstande, seine Nachbarn zu beherrschen und zu unterdrücken, brauchte aber permanent deren Hilfe, um das russische Volk satt zu kriegen und sich mit allem Notwendigen zu versorgen.
Rußland in seiner geopolitischen Lage ist auf staatliche Satelliten- und Sklavenhaltung angewiesen.
Oscar Wildes devoted friend hat sich den russischen Müller, der andere unentgeltlich für sich arbeiten läßt und ihnen zugleich das Gefühl gibt, eines besonderen Privilegs teilhaftig zu sein, wahrscheinlich zur Vorlage genommen.
Wie der Mühlherr mit den ukrainischen Getreidelieferanten umging, ist nicht Thema der Dichtung.
Unter modernen, demokratischen Gesichtspunkten ist Rußland bisher niemals akzeptabel gewesen. Nur seine Macht bewahrte es vor der internationalen Verantwortung.
Auch heute ist die militärische Macht - und ein spezielles internationales Interesse an der Erhaltung dieser Macht - der Schutzschild Rußlands vor der Stunde der Wahrheit.
Rußland ist ein machtpolitischer Anachronismus. Die Sklavenhalter-Zentrale wird künstlich am Leben gehalten.
Zur Zeit sind es die USA und das UK, die Rußlands Laune und Stärke sichern, um die islamischen wie die mitteleuropäischen Völker, allen voran Deutschland und die Deutschen, in Schach zu halten.
Aber Rußland ist und war immer mehr als nur der Erfüllungsgehilfe des Westens. Die jetzt wieder aufkommende und sich organisierende eurasische Idee ist ein Signal für die Unzufriedenheit der autochthonen Kräfte Rußlands, die sich mit der heutigen Rolle ihres Staates nicht begnügen wollen.
Ihr Traum von der einstigen Größe - ob unter dem Zaren oder unter Stalin - läßt sich ohne weiteres in die Zukunft projizieren.
Die offizielle Politik Moskaus hält diese Kräfte im Zaum, setzt sie aber auch als Spielmaterial in der internationalen Szene ein.
Der eurasische Verlag vermittelt seine Neuerscheinungen in deutscher Sprache. Das könnte ein Wink sein.
In Deutschland ist die eurasische Idee von nationalbolschewistischen Kreisen nach Ernst Niekisch und Hütern des Oswald-Spengler-Gedankens (Preußentum und Sozialismus) in islamo-preußischer Abwandlung wieder aufgenommen worden. Auch Völkische und Anthroposophen tendieren nach Rußland, dem Land der Guten des Rudolf Steiner.
In Kürze mehr:
"Nicht nur Literaturkritiker leben gefährlich - auch Außenminister Fischer geriet als Romanfigur ins Fadenkreuz - sein Retter war der russische Präsident - der neue Political-Fiction-Thriller Der Mann aus Grosny von Olenin Terek ist gerade eben erschienen", teilt der eurasische Verlag mit.
Eine ausführliche Buchbesprechung folgt.
Siehe:
Avram Kokhaviv: Die eurasische Karte
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