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Beiträge zur demokratischen Eroberung
2002-07-17
So schnitzt man sich die Figuren für das Marionettentheater zurecht! Zuerst jedoch malt man eine realistische Kulisse: "In einer Zeit, da die Bundesrepublik Deutschland bereits seit zwanzig Jahren erfolgreich eine geradezu mustergültige Demokratie praktizierte..." Usw., die Aufzählung geht weiter bis in viele Details, die von den nun Rezensierten gebilligt und unterstützt worden waren.
H.L. übersieht, daß ein Detail dieser Kulisse nicht völlig stimmig ist, nämlich da, wo er vom Bündnis Bonns mit dem Westen spricht und nicht registriert, daß damals schon Paris mit London/Washington uneinig war. Und daß zehn Jahre nach dem Berliner Mauerbau hinter den Mauerbauern die sowjetische Atomwaffe sowie Chruschtschows Berlin-Ultimatum, also eine blutig ernst zu nehmende Weltmacht mit ernst zu nehmenden strategischen Absichten Stellung bezogen hatte. Da mag in der Tat bei Beförderungen vernachlässigter ministerieller Nachwuchs die Lanze ergriffen haben. Ihr Tatmotiv jedoch war ein ganz anderes als das, das von H.L. unterstellt wird.
Ein "Schwindelmanöver" hätten sich diese jungen Opponenten einfallen lassen, erklärt der Rezensent aus der westberliner Provinz und insinuiert, dieses hätte einen pankower Hintergrund. Lächerlich! Lächerlich, wenn nicht sogar verleumdend und ehrabschneidend.
Dem Rezensenten ist zugutezuhalten, daß er, mit anderen Vorzeichen, nur dem irreführenden Vorwort des Bundesinnenministers a.D. Gerhart Baum* gefolgt ist, der diese Aktivitäten Keitels und seiner Mitstreiter in einen vollig falschen Kontext gestellt hatte, nämlich den einer Paläo-APO. Baum hatte vermutlich nur sein spätes Unbehagen darüber verschleiern wollen, daß er plötzlich dieses Staatsamt an der Seite seiner erst kurz vorher noch von ihm kritisierten Feinde übernommen hatte. War das Motiv dafür eines der Karriere eines Sozius der Anwaltskanzlei des Eichmann-Verteidigers Servatius? Unzweifelhaft ist Baum seinem früheren Freund Keitel mit dieser Falsifikation in den Rücken gefallen. Aber warum mußte nun H.L. das Vorwort Baums unkritisch übernehmen, indem er nur die politische Bewertung anders vornimmt?
Es ergibt sich klar aus den wiedergegebenen Texten der Korrespondenzen Keitels, daß er und seine Mitstreiter sehr wohl für das Westbündnis, die Politik der Wiedergutmachung und Aussöhnung, zumal mit Israel, für die Befreiung deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion, wie von Adenauer erreicht, und auch für das westdeutsche Sozialpaket aktiv eingetreten sind. Das zu unterschlagen beweist nur provinzielle Unlust an kritischer Anstrengung.
Es ging Keitel, Knapp und vermutlich auch Baum und den anderen Streitern "nur" um die Zukunftssicherung der Politik Adenauers. Um das zu bewerkstelligen, mußte der Bonner Behördenapparat von den alten, in politische Kriminalität verwickelten Nazis gesäubert, ja: gesäubert werden. Dazu kam als Ergänzung des Paktes zwischen Bonn und dem gaullistischen Frankreich das ergänzende Fernbündnis mit dem maoistischen, damals antisowjetischen Rotchina.
Heute triumphieren die promoskowitischen Ostpolitiker und ihre Journaille darüber, daß Kohl-Genscher die Stalin-Linie an Oder und Neiße akzeptiert haben - was mit dem nördlichen Ostpreußen jetzt zur Belastung der EU wird! -, daß Kohl und Schäuble die stalinistischen Enteignungen in dier SBZ nachträglich gutgeheißen haben, daß infolge des Hedonismus der APO und der sozialliberalen Regierungen die gesunde natürliche Demografie der Deutschen verloren ging... Die einen in der entstandenen Mehrheit triumphieren, während eine Minderheit darüber zurecht klagt. Aber beide Seiten wollen nicht erkennen, daß dieses Nachkriegsunheil sehr früh schon begann. Es fing an kurz nach 1945 und wirkte sich aus durch die "Kulturrevolution" der APO und der SPD/FDP-Regierungen. Das bittere Ende kam mit der sogenannten Wiedervereinigung. Daß noch kein endgültiges Ende des Unglücks absehbar ist, geht aus der Perspektive einer alsbaldigen SPD/PDS/GRÜNEN-Koalition in Berlin hervor: Die Neobolschewisierung Gesamtdeutschlands, falls nicht Stoiber das abwendet (was zweifelhaft ist, da er doch die kompromittierte und politisch korrumpierte FDP nötig haben wird).
Wir haben früher als alle anderen festgestellt, daß, lange vor Adenauers Antritt im Kanzleramt, der Bonner Apparat nazistisch infiziert war. Das ist es.
Die Wiederkehr der braunen Ribbentropianer sowie anderer krimineller Nazis nach 1945 begann, wie MICHAEL MANSFELD im Kapitel "Das Prominentenlager" (bei den Nürnberger Prozessen, ist zu ergänzen) eingehend beschreibt (in seinem Buch "Bonn Koblenzerstraße", Mchn 1967), eben dort. Von der Stadt der Reichsparteitage zogen diese Fachleute für Mord und Selbstmord weiter zu Gerstenmaiers "Außenpolitischem Büro der EKD" in Stuttgart Danach landeten sie im Bonner AA und fanden enge Bundesgenossen in der FDP; diese HJ-Führer flogen zwar in der "Nau-Nau-Affäre" auf, doch sie wirkten weiter, fanden bei Promoskowitern in der SPD allmählich weitere Kontaktpersonen.
Ribbentrop stand für den nach ihm und Stalins Außenminister Molotow genannten Vertrag über Polen. Damit ist auch deutlich, welcher Geheimdienst die Fäden in den späteren Regierungsparteien und bei der zugehörigen westdeutschen Journaille zog. Eine Differenzierung zwischen der Deutschlandpolitik der Sowjetunion und der DDR zu konstruieren, ist Nonsens! Die Quartiermacher Moskaus sowie Pankows waren es, die die "Gruppe Keitel" aufs Korn genommen hat. Quartiermacher waren auch die Nationalneutralisten. Wir wußten, was sie und die Bejubler des Rapacki-Planes im Schilde führten, andere wußten es erst Jahre später.
Wir betrieben auch keine "Hetzkampagne gegen die als 'braun' verleumdeten 'Schwarzen'", standen wir doch den Schwarzen sehr nahe, und Einzelne von uns wurden sogar Mitglieder der CDU/CSU. Wir mögen "Laienschauspieler" gewesen sein, weniger Schauspieler zwar als Laien, und wünschten kein braunfleckiges Außenministerium. Das mag naiv gewesen sein, zugleich war es auch realistisch. Denn die braunen "Flecken" boten Anlässe für manche Erpressungen, was auch, wie die Akten heute beweisen, geschah, als die SPD/FDP-Koalition ihre schon vorher in Westberlin geprobte Ostpolitik ingang setzte.
Der Autor dieser Rezension-Rezension verhehlt nicht, daß diese Flecken nicht nur vom KGB, sondern auch vom Mossad genutzt worden sind. Durfte die neue Demokratie am Rhein vielleicht gar nicht fleckenlos werden, damit sie erpreßhar blieb?
Mir gegenüber fragte ein von H.L. Rezensierter, ob diesem wohl Nazis sympathischer sein könnten als Antinazis. Ich habe diese Vermutung telefonisch leider bestätigen müssen. Nazis sind ihm doch schließlich ehrliche Leute! Jedes Volk habe die Administration, die es verdiene, schreibt der Besprecher. Jedes Volk hat aber auch die Journaille, die es verdient!
Der Verleger Rolf Seeliger mag eine wie auch immer geartete heimliche Rolle gespielt haben, wir wissen es bis heute nicht. Jedenfalls ist das kein Grund, seine Autoren mit derselben Verdächtigung zu überziehen. Nicht, wo man schreibt, ist kennzeichnend, sondern, was man schreibt. Die Methode "guilt by association" war die Methode Hitlers und Stalins. Muß so etwas auch die Kuckuck-Methode sein?
Die konzeptionelle Stagnation außenpo1itischer Art in Bonn nach der ersten sowjetischen Atomexplosion und nach dem Bau der Berliner Mauer beschrieb RÜDIGER ALTMANN eindrucksvoll in "Das deutsche Risiko / Außenpo1itische Perspektiven", Stuttgart 1962. Darin prangerte er den "Kontinentalismus" Adenauers in seinem Bündnis mit de Gaullle an und läßt selber jeden Blick auf Peking vermissen.
Auch Altmanns Buch wie dem Seeligers und Graf Huyns wäre zu Studienzwecken dringend eine Neuauflage zu wünschen - sofern es nur in der deutschen Presse-, "Kultur"- und Verlagslandschaft nach einem Fastjahrhundert nazistischer und sozialliberaler Umerziehung noch Deutsche gäbe, die, statt Propaganda für eine oder zwei Parteien zu treiben, die Wahrheit herausarbeiten wollen. Daß solche hierzuland noch zu finden seien, halte ich für unwahrscheinlich. Muß man vielleicht auch die Kokhavim abschreiben?
H.L./kkk - Um der Wahrheit willen bemühen wir uns seit Jahren leider erfolglos, Erich Knapp zu einer lückenlosen Dokumentation seiner Beiträge im kuckuck zu bewegen.
* Hier liegt offenbar eine Verwechslung vor
kokhaviv publications > rebird · Deutschlands Kurier
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