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2002-07-28

Maalah

Sklaven, Sklaven, Sklaven

Wenn das Wort einen Sinn hat

Wenn das Wort einen Sinn hat, muß ich ihn finden, werde ich ihn finden.

Sklaven sind etymologisch mit dem Volk der Slaven oder Slawen identisch. Im Englischen haben sie fast das selbe Wort: Slav bzw. slave.

Es ist schwer, an den Sinn heranzukommen. Auf Russisch ist slawa der Ruhm, die Ehre und der gute Ruf.

Wenn im germanischen Raum die Slawen als "Sklaven" bezeichnet werden, ist der Grund dafür in einer militärischen Unterwerfung zu suchen.

Ein Volk, das seinen Namen auf eine ruhmreiche Geschichte zurückführt, das stolz auf seinen guten Ruf, dem die Ehre ein höchster Wert war, muß schändlich unterworfen worden sein, wenn seine Nachbarn es wagen dürfen, es als ein Volk von Sklaven zu bezeichnen.

Die slavischen Völker haben schwere Niederlagen hinnehmen müssen. Das antike Rom unterdrückte und bekämpfte sie, die Kirchenspaltung brachte sie fast um den Verstand.

Nicht allein, daß die Slaven der Arroganz der Griechen viel an Dominanz überlassen mußten, die slavischen Völker wurden auch untereinander uneins.

Die Grenzlinie zwischen Orthodoxie und römischem Katholizismus ging quer durch die slavische Geografie. Polen wurde zu einem Bollwerk des christlichen Westens gegen den Osten. Die dem Habsburger-Reich integrierten Slaven - wie Tschechen, Slowaken, Kroaten - waren katholisch.

Die Serben erlitten schwerste Niederlagen und Demütigungen durch das Osmanische Reich, die bis heute nachwirken. Die Russen ertrugen das Schicksal der mongolischen Besatzung.

Besonders die orthodoxen Russen und Serben haben sich im Westen nicht beliebt gemacht. Eher schenken West- und Mitteleuropäer ihre Sympathien den islamischen Ländern.

Der Westen hatte für die orthodoxen Slaven nur Verachtung übrig. Vielleicht war deren Bestreben, sich dem Westen anzugleichen, ihre Identität aufzugeben, dazu angetan, die Verachtung noch zu vertiefen, weil diese Länder es niemals schafften, wie der Westen zu werden, dabei aber versäumten, sie selbst zu sein.

Bis heute zeigen Angehörige der russischen Bildungsschicht ihre Verachtung für das russische Volk und für die Unfähigkeit Rußlands, eben so zu werden, wie der Westen es bereits ist. Sie übersehen dabei nur etwas Wesentliches, nämlich daß in ihnen selbst, der russischen Führungsschicht, die verachtete Unfähigkeit sich personifiziert hat.

Wer welthistorisch denkt und an den Fortschritt glaubt, sieht den Westen an der Spitze der Entwicklung, und alle andern laufen ihm nach, ohne ihn je erreichen zu können.

Der Kapitalismus ist nicht übertragbar, weil seine Bedingungen auch mit den Religionen korrespondieren.

Es hat sicherlich etwas mit dem römischen Katholizismus zu tun, daß die südamerikanischen Länder im Vergleich zu Nordamerika keine nennenswerte wirtschaftliche Macht entfalten konnten. Katholiken sind glücklicher und zufriedener als Protestanten. In den katholischen Ländern reißt der Fortschritt nicht so leicht die kulturellen Wurzeln aus wie in Nord- und Mitteleuropa.

Deutschlands Wirtschaftskapazität verdankt sich vermutlich auch seiner religiösen - der US-Amerikas ähnlichen - Verfassung. Max Weber hat dazu das Klügste geschrieben, was es auf diesem Gebiet zu lesen gibt.

Deutschlands wirtschaftliche Kompetenz und Erfolgsgeschichte läßt allerdings auch in dem Maße nach, wie es sich vom Reformchristentum in die Gottlosigkeit verabschiedet. In Deutschlands Brust streiten zwei Seelen.

Daß die Tschechen es vermochten, sich gleich nach dem Ersten Weltkrieg, also kurz nach Gründung ihres Staates, zu einer modernen europäischen Wirtschafts- und Industriemacht aufzuschwingen, hängt mehr mit der reformatorischen Hussitenbewegung als mit dem Katholizismus zusammen.

Die katholischen Völker sind fleißig, ideenreich und produktiv. Ihnen fehlt aber offensichtlich die Grenzenlosigkeit in bezug auf den sogenannten Fortschritt. Sie glauben nicht an den Fortschritt, sondern an Jesus Christus, und verehren die Mutter Maria. Die Erfahrung des Ewigen fördert den modernen Fortschrittsgedanken nicht. In der Praxis erleben wir einen moderaten Wirtschaftskapitalismus.

Die osteuropäische Orthodoxie hat sicherlich einen adäquaten Einfluß auf die gesellschaftliche, wirtschaftliche, technische Entwicklung in ihren Ländern gehabt.

Rußlands Fortschrittsgeschichte gründet in der Person Peters. Peter der Große schnitt seinen Bauern die Bärte ab und machte sich zum Epigonen des Westens.

Er war grausamer als Iwán der Schreckliche, grausamer als Stalin, die beide den Selbstwert der Russen herausstellten, ihn kultivierten und zum Siege führten, als der feindliche Druck schon nicht mehr auszuhalten war.

Präsident Putin scheint momentan beides zu wollen: Peter und Iwán Grosny.

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