free download kokhavivpublications.com Qimosh - The New Qomish newcatch.com

Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-07-21

Lex Krakel

Wenn der wüßte

Wenn die wüßten

Gestern vor achtundfünfzig Jahren versuchten die Tyrannenmörder eine Selbstverwirklichung und landeten am Galgen ihres Führers.

Die Aufständischen der deutschen Wehrmacht brachen ihren Eid auf den Tyrannen und scheiterten, weil die Tyrannei ihnen ins Gewissen geschrieben war.

Die deutschen Offiziere des 20. Juli 1944 waren keine autonomen Attentäter, sondern Befohlene und Befehlende. Ein deutscher Soldat erhebt sich nicht gegen seine Vorgesetzten.

In solcher Kommandostruktur kann nur der Gehorsam gedeihen. Wer abweicht, wird erschossen. Wer den Befehl verweigert, wird erschossen. Das galt für Pro und Contra.

Auf Hochverrat steht die Todesstrafe. In Verbindung mit Landesverrat um so entschiedener.

Der Verrat vom 20. Juli galt als Verrat in Schande. Die Entehrung und Exkommunikation der Täter war das Mindeste, womit sie im Falle des Mißlingens und der Festnahme rechnen mußten.

1944 stand das Reich kurz vor seinem Ende. Der Existenzkampf ging ums Letzte. Jetzt wurde jeder gebraucht. Deserteure und Meuterer fanden keine Gnade, auch bei den Verständigsten kein Verständnis.

Es ist ein Irrtum, anzunehmen, daß das Volk das Signal des Attentats in der Wolfsschanze anders als aufhorchend und abwehrend empfangen hätte.

Die Deutschen mögen so was nicht, und sie sahen in Hitler nicht ihren Feind.

Die Feinde waren draußen, bedrohten die Grenzen des Landes und zerstörten in den Bombennächten die Arbeiterwohnungen, töteten die Frauen und Kinder der an den Fronten kämpfenden Soldaten.

Mit Bombenterror die Menschen in der Heimat entmutigen, sie zur Aufgabe oder gar zum Aufstand bewegen zu wollen, beruhte auf einer wahnwitzigen Fehleinschätzung der psychologischen Umstände im Volk der Deutschen.

Man mochte daraus den Stoff für die Kollektivschuldlegende gewinnen. Nach dem verlorenen Krieg war das Volk sowieso rechtlos.

In einem Krieg sind - grundsätzlich - alle Beteiligten schuldig oder nicht schuldig, je nach Einschätzung des Phänomens Krieg.

Was die Deutschen schuldig machte, waren nicht ihre Verbrechen, war nicht der Krieg, sondern - daß sie ihn verloren.

Wenn Hitler wüßte, was daraus geworden ist, was würde er seinen heiligen Kriegern wohl raten?

Wenn die wüßten, in welchem Lichte sie erscheinen nach so vielen Jahren, was würden sie ihrem Führer empfehlen oder ins Stammbuch schreiben?

Wüßten sie alle, daß ein Erzfeind sich inzwischen solche Gedanken macht, was würden sie wohl denken nach achtundfünfzig Jahren?

Und daß solche Gedanken politisch nicht korrekt sind, könnte ihnen signalisieren, daß sich seit ihrer Zeit nicht viel geändert habe.

Obwohl, was sie vielleicht nicht wissen, es vor vierzig und fünfzig Jahren noch viel einfacher war in Deutschland, über alles frei zu sprechen und zu schreiben.

Die Freiheit hat gelitten, aber das fällt heute gar nicht mehr auf.

kokhaviv publications > Qimosh > Qimoserien

© Copyright 1999 - 2002 kokhaviv publications