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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-06-14

Lex Krakel

Die komische Seite

Die zerrissene Saite ist fürs Auge komischer als eine zerrissene Seite. Das Gestrüpp zerrissener Saiten ist ein schwieriges Kapitel und ein trauriges Bild. Eines, von dem man träumen kann, von dem man nicht träumen will.

Die komische Saite ist eine islamische Seite, ist die andere Seite und die andere Saite, die zerrissene Saite Israels. Warum komme ich darauf zurück?

Es war doch die Rede vom Abgebrannten in der Seele, dem die Worte davongelaufen waren, der nicht mehr schreiben konnte, was ich nur annahm. Es war eine launige Erwähnung, doch in der Sprache ist die Laune bei ihrem Erfinder.

Die Karten fielen vom Himmel, die Bilder eines Vexators und Spielmeisters, und er rief: Ne rien va plus. Das mußte nicht, das sollte nur sein, es war im Spiel so vorgesehen, nur für diesen Augenblick, was allerdings die Welt veränderte, weil es das Sternbild verändert hatte.

Das ist die komische Seite. Die Götter spielten, und die Menschen mußten es bezahlen, obwohl sie nur zuschauen konnten, wenn sie ins Stolpern kamen, weil die Götter es so wollten oder vorgespielt hatten.

Komik ist eine Sicht der spottenden Götter. Sie spielten mit den Geschöpfen des Herrn. Die Komödie mußte ein Ende nehmen. Als Gott den Olymp freifegte, war alles schnell vorbei, zu schnell, als daß man es glauben mochte.

Die Götter hüpften aus den Himmeln in die Schreibstuben, die sich noch mit Kerzenlicht begnügen mußten, schwebten vom Olymp ins Theater.

Die Literatur ist langweilig und kurzzeitig, kurzweilig und langzeitig: eine merkwürdig widersprüchliche Synonymität. Ein langes Leben besteht aus kurzer Weile.

Gott fegte den Olymp frei, kehrte in die Ecke, was die Götter liebten. Das Theater der Langen Weile war geboren oder erst einmal ins Benehmen gesetzt.

In den toten Winkeln der Dichter schrumpften die Olympischen nach dem Bilde der Ignoranten.

Wir waren in Deutschland angekommen, einem schönen Land mit schönen Seelen, die ihre Nachtseite verbargen. Das war unser Unglück. Ein seltsamer Wortbezug. Denn sie betrachteten später uns als das ihre.

Den Deutschen wurden die Fremden nicht nur komisch, sondern auch böse und hinterhältig. In der Literatur der Deutschen lauerte das Böse als Zwerg Alberich langnasig, verschlagen und von magischer Macht, brachte der Kobold Loki die eisige Ordnung der nordischen Götter durcheinander.

Die deutsche Sagenwelt beschrieb das als "böse" Unverstandene, wie die deutsche Kultur der Moderne die Juden beschrieben hat.

Eine tiefsitzende Aversion, eine Allergie, eine Idiosynkrasie plagte die deutsche Seele in ihrer Not.

Aus jüdischer Sicht erscheint manches komisch, was den Deutschen hehr und heilig ist.

Nun hat sich freilich auch auf jüdischer Seite ein historisches Kuriosum ereignet.

Eine neue historische Gunst, die die deutsche Niederlage den Juden bescherte, bringt sie unversehens in die Lage der Deutschen von ehemals. Im Umgang mit ihren Feinden kehren sie gespenstisch "Deutsches" hervor.

Als ob am deutschen Wesen nun doch noch die Welt genesen (oder verwesen) solle, treten die verfemten Deutschen aus der Verdrängung ihrer Feinde hervor.

Die amerikanischen Soldaten sind dafür ebenso ein Beispiel wie der in Amerika diskutierte und bereits praktizierte Umgang mit politischen Feinden als Feuerdrachen und Dämonen.

In den Terroristen hat Amerika "seine Juden" entdeckt, gegen die alle Mittel recht sind. Israel macht darin keine Ausnahme.

Die US-Spezialeinheiten sind den SS-Einsatzgruppen schon äußerlich so ähnlich, daß man aus dem Staunen nicht herauskommt. Dennoch scheint es noch niemand zu merken, obwohl sogar der deutsche Stahlhelm als "Fritz" seine Wiederaufstehung gefeiert hat.

Die israelische Armee studierte die deutsche SS-Strategie bei der Niederschlagung des jüdischen Ghettoaufstands von Warschau, ehe sie in Djenin einrückte.

In Amerika werden neuerdings Vernichtungsmaßnahmen gegen die Familienangehörigen von Terroristen diskutiert.

Der Vergleich mit der deutschen "Sippenhaft" liegt so nah, daß er gleich mitdiskutiert wird, um allerdings als unpassend und unnütz sofort wieder ausgeräumt zu werden.

Eine Wiederholung der deutschen Geschichte scheint sich weltweit unter der Ägide Amerikas zu ereignen. Das ist wirklich frappant.

Der NS-Krieg gegen die Partisanen endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht, darin eingeschlossen die Waffen-SS.

Kürzlich sagte US-Präsident George W. Bush: "Diesen Krieg können wir gewinnen." Er sagte können, nicht werden.

Er sagte nicht, daß sie ihn gewinnen werden. Sie können ihn gewinnen, heißt, daß sie ebensogut verlieren können.

Der Präsident hat dazugelernt.

In der Perspektive der Götter ist das alles sehr komisch.

Für die Menschen wird es bestenfalls zur geschichtlichen Tragikomödie, wenn sie sehen, daß die verdammten und aus dem Denken verbannten Deutschen der SS-Ära die heimlichen Lehrherren ihrer ärgsten Feinde geworden sind.

Auschwitz war demnach wirklich nicht das Ende, sondern nur ein Anfang. Täter und Opfer sind austauschbar. Nur der Geist in der Flasche bleibt immer derselbe.

Wie ein Wanderpokal geht sie von Hand zu Hand, von Land zu Land, von Politik zu Politik. Jeder möchte wenigstens einmal den Korken ziehen.

Juden waren den Deutschen keine Menschen, sondern Untermenschen und Teufel. Der Islam gilt den Serben als Religion für Hunde, aber nicht für Menschen. Das Tschetschenische ist den Russen eine Hundesprache. Die Araber sind Tiere den Juden, die Juden sind Schlachtvieh den Palästinensern, Arabern und Muslimen in aller Welt. Amerika ist den Heiligen Kriegern Mohammeds der Große Satan, den der Kleine Zionistische Satan allerdings an der Leine führt.

Sage noch einer, dies seien unerlaubte Verallgemeinerungen. Stets ist verallgemeinert worden. Die ganze Welt verallgemeinert.

Und sage noch einer, diese Welt gehe herrlichen Zeiten entgegen.

Nein, die Geschichte wiederholt sich nicht. Sie potenziert sich.

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