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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-07-19

Kafka Bar Linah

Berlinchen habe ich nie gesehen

Laddes Flausen

Lantentin oder Pantentin hieß er nicht, das weiß ich genau. Der Essensgeruch von der Baustelle macht mir Appetit. Ich liebe das Chaotische einer Baustelle. Das Richtfest ist das Ende des Chaos, die Begräbnisfeier.

Ladde stammte aus Berlinchen in der Neumark, hatte ein gestörtes Verhältnis zur französischen Sprache, er kämmte sich nicht die Haare, er legte sein Haar in Wellen. Sein Vater war nämlich Friseur.

Während die Mutter in der Bibel las und böse Zukünfte voraussagte, ging Ladde ins Stadtleben, streunte mit seinem hinkenden Freund durch die Cafés am Kurfürstendamm, wo die beiden im Wien ihre künftigen Frauen aufbrachten.

Der Hinkende verschwand aus seinem Leben, als Ladde mit Lacha die Verlobung und die Ehe einging. Denn Ladde zog's nach dem Gelde, der Hinkende war arm wie eine Kirchenmaus, und Lacha sollte das Geschäft ihrer Eltern erben.

Die Ehe hielt nicht lange, weil Laddes Bestimmung über Westfalen reichte. Er landete in der nordrheinischen Kaiserstadt Aachen, doch Berlinchen war immer dabei.

Er heiratete diesmal die Zwillingsschwester, die nichts zu erben hatte, die auch nicht die Zwillingsschwester, nur vom ähnlichen Typ seiner ersten Frau Lacha war.

Lacha II sorgte dafür, daß Ladde nicht wieder aus der Reihe tanzte und schön auf seinem Schreibtischstuhl bei der Aachen-Münchner kleben blieb.

Was ist an Ladde bemerkenswert?

Bemerkenswert? Bemerkenswert ist vielleicht, wie er es durchhielt. Ja, das ist bemerkenswert.

Berlinchen oder Lippehne, gibt es das, begleiten ihn überall hin, ich meine, er hätte die Neumark nicht verlassen müssen.

Im evangelischen Taufregister von Lippehne im Kreis Soldin finden wir den Namen Ladentin, in dieser Schreibweise, 1796 und 1830.

Soldin in der Neumark hat am Wedding eine Straße hinterlassen.

In der Soldiner Straße steht nicht nur eine Kirche, sie verbindet ein Stück Reinickendorf mit dem Gesundbrunnen, überquert die Prinzenallee, wo im Prinzenpalast nach dem Krieg die Filme spielten, die jenseits der Wollankbrücke nicht gesehen werden durften.

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