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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-07-19

Kafka Bar Linah

Der Haselnußstrauch neben dem Bach

Mein erstes Möbelstück

Eher dachte ich an einen Stock, aus dem ich mir eine Pfeife schnitzte. Die Haut mußte im Mund gefeuchtet, dann mit dem Messerrücken abgeklopft werden, vorsichtig, sehr vorsichtig, um sie nicht zu beschädigen, sie war nur vom Stammholz zu lösen, um abgedreht werden zu können. Das war die Geduldsarbeit.

Das Stammholz war schnell zubereitet. Ein Keil geschnitten, vom Keilschnitt zum Mundansatz der flache Tunnel zwischen Holz und Haut, ein enger Luftkanal.

Die durch Rundschnitt getrennte Manschette konnte wieder aufgesetzt werden. Es gab einen nach Größe, Form und Holzbeschaffenheit abgestimmten Flötenton.

Die Haselnußpfeife würde ich nicht als mein erstes Möbelstück bezeichnen.

Der zierliche Nußbaumschrank brachte uns mit der Zivilisation in Verbindung. Es war der Anfang vom Ende.

Das ist eine höchst merkwürdige Sicht und Wertung. Tatsächlich hatten wir es geschafft, aus dem Gröbsten heraus zu kommen.

Dadurch und damit ging aber viel verloren, was uns bislang wert gewesen war. Das Leben in der Offenheit des Unentschiedenen.

Die geschnitzte Astpfeife war kein Möbelstück, aber der Anfang auf dem Wege in die Zivilisation. Als ich das Messer ansetzte, setzte ich es an mein Leben.

Auf meiner Straße richten sich Möbel auf, Projekte, Häuser und Städte, Türme, Brücken, Pyramiden und Paläste.

Karrieren, Lebenspläne, Sicherheitsüberlegungen sind nun mein Leben. Ich sehe den Horizont nicht mehr.

Der kleine Nußbaumschrank ist das erste Hindernis am Anfang der Straße, dem Ende der Sicht.

Er versperrte den Blick, ich mußte ihn überwinden, hinter mich bringen, in Besitz nehmen, zu meinem Eigentum machen, einem Teil meiner selbst.

Aber es begann am Haselnußstrauch, keinem Dornbusch, der brannte, die Dornen fehlten, und nahm seinen Lauf von Flöte zu Schrank und Tisch und Stuhl.

Von Haus zu Haus. Der Städtebau lag uns im Blut. Mir und den anderen.

Daß wir dennoch nicht von Erfolg zu Erfolg unterwegs waren, lag in der Konstitution.

In uns stritt Zivilisation mit Freiheit und Wahrheit.

Nein, es war umgekehrt. Der täuschende und testende Haselnußstrauch an der Bachkante entfachte das Feuer des inneren Dornbuschs.

Damals stand die Frage zwischen Messer und Vorübergehen. Du stehst vor dem Busch, er nimmt dich gefangen, du mußt dich entscheiden.

Du setzt dich in den Busch, zwischen die Zweige. Du tust nichts.

Du öffnest das Messer.

Der erste Gedanke ist die Entscheidung. Der erste Gedanke ist aber von Gott. Du weißt seine Gründe nicht.

Ohne die Entscheidung für das Messer könntest du dich nicht gegen es entscheiden.

Für dich sind es Stationen des selben Weges.

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