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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2002-06-02
Wir stellten die Tafel gegen den Hügel und malten unsere Wünsche darauf. Morgens in der Früh, wenn alle noch schliefen, aber gleich aufstehen würden, kam der mit dem Krückstock, schlug dreimal an das Gestell.
Da verwandelte sich das Dorf in die Wünsche der Bildermaler auf der Tafel.
Wenn die Nachbarn erwachten, fanden sie die verzauberte Welt vor, und die Kinder konnten fröhlich zur Schule gehen, wenn nicht unter den Wünschen der Wunsch stand, daß die Schule abbrennen möge oder wenigstens für den Tag schulfrei sei.
Die verzauberte Welt konnte eine schöne Abwechslung sein. Ob die Zauberei so ausfiel, daß die Leute im Dorf sich freuten oder ärgerten, lag an den Leuten.
Sie waren die Maler, es waren ihre Wünsche, die sich vorübergehend erfüllten.
Wenn sie wollten, daß alles gut werde, mußten sie nur ihre guten Wünsche auf die Tafel malen, schon wurde am Morgen alles gut.
Es hing also von den Menschen ab, und die lernten auch sehr schnell, daß sie die Sache drehen konnten, wie es ihnen gefiel.
So wurde alles schön und gut. Die Leute hatten keine Sorgen mehr und alles seine Ordnung. Und sie gewöhnten sich daran.
Mit der Zeit merkten sie allerdings, daß ihnen etwas fehlte. Es fehlte ihnen die Aufregung, der alte Zorn, der Ärger und der ganze Tratsch, der das Leben so kurzweilig machte.
Sie fanden es allmählich langweilig, so wunschlos zu leben, da sämtliche Wünsche schon erfüllt waren.
Die Welt war in Ordnung, aber das gefiel ihnen gar nicht. Und da es ihnen nicht gefiel, konnte die Welt eben doch nicht in Ordnung sein, denn sie waren ein Teil dieser Welt, und ein unzufriedener Teil konnte die ganze Welt wieder in Unordnung bringen.
Das sprach sich herum, und der Krückstöckige wunderte sich, daß die Tafel am Hügel immer noch die alten Bilder zeigte, daß nichts Neues hinzugekommen war.
Eines Tages sammelte er Kleinholz, zündete ein kleines Feuer an und legte das Gestell mit der Tafel darauf. Als die Nachbarn am Morgen wach wurden, fanden sie nur noch ein Häufchen Asche am Hügel.
Da sie den Krückstöckigen nie zu Gesicht bekommen hatten, wußten sie auch nicht, daß er in der Morgendämmerung weiter gewandert war.
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