2002-07-16
Der Mann kam aus Mittelasien. Schwer zu sagen, wodurch er zum Heiligen wurde? Wahrscheinlich paßte sein Lebenslauf in ein politisches Konzept, das nur noch kirchlich abgesegnet werden mußte.
Der Heilige Georg ist eine Leitfigur zwischen Rom und der Ostkirche. Die christliche Orthodoxie hat ihn uns, hat ihn sich als den kämpfenden Ritter erhalten, der den Drachen besiegte. Wer war der Drache?
Georg ist ein Schutzheiliger der Waffenschmiede. Der Alte Hildebrand müßte ihn noch gekannt haben, wenn wir mal nicht so genau aufs Datum schauen.
Zum Heiligen wurde er wegen seines Martyriums. Wenn ein schweres Leid, das Menschen widerfährt, das überall in der Welt den Menschen angetan wird, ohne daß darüber auch nur eine Träne vergossen würde, wenn so eine Tortur nicht unter dem Segen der Kirche angerichtet wird, wie wir das in den christlichen Eroberungszeiten so gehäuft erleben müssen, daß uns der Schlaf verläßt, wenn so ein Verbrechen einem Mann der Kirche geschieht, wird er zum Heiligen.
Georg war bereits ein Heiliger vor der - offiziellen - Kirchenspaltung, diente später Ost und West als Schutzpatron der Schläger und Schlachter.
Es ist fast - weiche ich mal ab - wie mit den Nazis nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn die bei der CDU unterkamen, konnten sie sich noch so sehr abstrampeln, sie wurden den Nazi nicht los.
Nazis, die in ebensolchen Massen zur SPD oder zur FDP gingen, waren als Sozialisten, ähnlich wie in der DDR, sowieso geheiligt, als Liberale, als sie mit den Sozis in der Ostkoalition gemeinsame Sache machten.
Die bayrische CSU wird nördlich der Mainlinie bei den Evangelen-Sozis gern mit den Nazis zusammengerührt, obwohl gerade sie dafür gesorgt hat, daß rechts von ihr keine demokratische Partei mehr Fuß fassen konnte.
Das ist also Propagandapolitik, und so war es auch im Mittelalter und davor und danach in den geistigen und materiellen Kirchenschlachten. Das Schlachten gerecht, die Metzger wohlgelitten, wenn sie's für den Papst oder den Metropoliten taten, umgekehrt mußte man sich um die Opfer kümmern. Rot oder Schwarz.
Der sogenannte Heilige namens Georg war als Ritter und berühmter Drachentöter ein exzellenter Schlächter, ein Schwert- und Sensenmann, wie ihn jeder fürchtet, der durch ihn sein Dorf bedroht sieht, wie er geehrt wird, wenn er's für die richtige Seite getan hat. Politische Korrektheit ist das A&O der Geschichte. Das Recht des Stärkeren, der stärkeren Bataillone. Denn Gott ist der Herr der Heerscharen, ihrer Siege und Niederlagen.
Beim Heiligen Georg scheint am Ende eine ausgleichende Gerechtigkeit gewaltet zu haben. Was er seinen zahllosen Opfern angetan, das erlitt er zuletzt am eigenen Leibe. Dafür wurde er geheiligt.
Im 13. Jahrhundert machen ihn die Engländer zu ihrem Nationalheiligen. Nach tausend Jahren. Er lebte wohl um 300, schon vor dem ersten Konzil von Nikaia, in einer Zeit, da sich der Konflikt zwischen Ost und West zuspitzte, die Spaltung der alten Kirche.
Er war lange tot, als er den Kreuzzügen als Himmlischer und Heiliger voranzog. Immerhin als römischer Soldat gestorben.
Ein Mann des Konflikts und insofern tatsächlich ein Heiliger unterm Vater der Dinge. Mal riß es das Christentum auseinander, mal spielte das Kriegsspiel gegen den Islam. Die spalterische Tendenz kommt bei der englischen Heiligung Georgs noch einmal zur Geltung.
England kämpfte mit Rom und gegen Rom, doch immer für England. Als die Hussiten zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Böhmen dem Katholischen Reich den Krieg erklärten, konnte England - nach insularer Vorarbeit - seine ersten Festlandsfrüchte ernten.
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