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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-06-21

Hoshea Ben Arthur

Auf Hochzeiten tanzen

Auf vielen Hochzeiten tanzen, denn die Welt ist bunt und voller Überraschungen. Es ist nicht so, daß wir darüber nur uns zu freuen hätten.

Zur inneren Fassung gehört, auf Schlimmste auch gefaßt zu sein. "Gott muß Gerechtigkeit lernen", lese ich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 18. Juni 2002.

Die Menschen müssen lernen, daß Gottes Gerechtigkeit nicht die der Menschen ist. Vor Gott haben wir die Untaten unserer Väter und Vorväter zu verantworten.

Über Generationen tragen wir an dem, was war, womit wir nichts zu tun zu haben scheinen.

Wir sind uns keiner Schuld bewußt, dennoch müssen wir büßen.

Da Politik unser Schicksal ist, oder unser Schicksal sich politisch äußert und zu verstehen gibt, erleben und spüren wir die Folgen der Geschichte.

Wir nennen es Geschichte, sprechen von historischen Ereignissen und Erblasten, doch wie ernst das in unser persönliches Leben eingreift, wollen wir meist nicht so deutlich wahrhaben. Wir können es auch nicht.

Die moderne Zeit hat uns von den Bewußtseinszuständen, in denen "wir" früher existierten, abgeschnitten. Wir wurzeln nicht mehr so tief.

Junge Menschen verstehen nicht, daß sie eine weit zurückliegende Vergangenheit abtragen sollen und müssen.

Was geht's mich an. Ich habe damit nichts zu tun. Ich habe keinen Menschen umgebracht. Und Sie? fragt so einer den Kläger, haben Sie nicht mehr Schuld auf sich geladen als ich?

Die Geschichte, deren Herr Gott ist, wie wir ihn zu verstehen gelernt haben, die Geschichte ist wie ihr Meister auf eine sehr eigenwillige Art und Weise gerecht.

Wir haben Mühe, darin noch Gerechtigkeit zu erkennen, wenn Weltmächte für sich Privilegien in Anspruch nehmen, die für andere Völker nicht gelten sollen.

Gewiß wird der übermütige Riese eines Tages stolpern und stürzen, aber könnte es nicht von vornherein oder von Anfang an so eingerichtet sein, daß nicht aus den Widersprüchen und Widerständen gegen das Unrecht erst eine Gerechtigkeit sich auspuppt, sondern gleich und grundsätzlich und fundamental Recht vor Macht ginge?

Nur wenn wir dem Gotte die Zeitlosigkeit und Ewigkeit zuerkennen, kommen wir damit klar, daß seine Mühlen langsam und gründlich mahlen, seine Gerechtigkeit nicht die unmittelbare, von heut auf morgen sich auswirkende ist.

Vielleicht hilft uns die moderne Gentechnologie, "göttliche" Zusammenhänge besser zu verstehen.

Es ist in uns angelegt und muß ausgetragen werden. Die Vielfalt oder Pluralität, auf die wir den größten Wert legen, gründet auf qualitativen Unterschieden.

Die schrägen Verursachungen haben schräge Folgen, den Wellen folgen Wellen, in den Vermischungen setzen sich die stärkeren Anteile durch. Das kann jeder verstehen.

Alles ist relativ, weil in Relationen zu anderen und anderem.

Das Sein ist ein Gefechtsplatz, ein grausames Schlachtfeld, auf dem nur der Tapfere, Klügere, Raffiniertere und wahrscheinlich auch aktuell Bösere überlebt.

Gott macht dann alles wieder gut, indem er seinen irdischen Verwaltern die entsprechenden Worte leiht, um das Absurde, Böse, Unverzeihliche letztlich erträglich zu machen.

Der Priester findet zu jedem Anlaß die passende Erklärung oder Ausrede.

Aus der Gelegenheit die Hoch-Zeit machen.

Wenn niemand mehr mit ihm rechnet, ist sein Erscheinen nah.

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