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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-06-13

Hoert

Nichts Neues aus Afghanistan

Die Weltwanderungen des falschen Konzepts

Schwer zu sagen, ob es von Anfang an so feststand. Auf unserer Website ist eigentlich nichts anderes gesagt worden. Schwer ist es dennoch, weil damit so viel verbunden ist, was Grundsätze entwertet und Mythen verdirbt.

Der Weltfeind Nummer 1 Osama Bin Laden, der bis vor kurzem noch in aller Munde war, ist heute so gut wie vergessen, jedenfalls wird er in den Medien kaum noch erwähnt.

An seiner Stelle erfährt das Publikum von den Horrorplänen der Terroristen, die haben ja wirklich das Allerschlimmste vor. Man liest und hört, daß dieser Terrrorist das gesagt hat, jener inzwischen festgenommen worden sei.

Die Nachrichten sind so auffällig kaum zu glauben, komma, daß man darüber gleich wieder zur Tagesordnung übergehen möchte.

Alles spricht für einen grandiosen Reinfall. Inzwischen glauben auch die Gläubigsten nicht mehr, was uns da aufgetischt wird.

Andererseits ist Guantánamo wie vergessen, das kann einem überhaupt nicht gefallen. Die Angelegenheiten der Demokratie, der Freiheit, der Menschenrechte laufen aus dem Ruder.

In Amerika wird ein Mann festgenommen, der mit einer schmutzigen Strahlenbombe hantieren soll. Die Nachricht ist von vornherein so durchsichtig, daß ein halbwegs kapierender Mensch sie sofort als Flop einschätzen kann.

Dennoch lebt diese Art von Desinformation von der Gutgläubigkeit der Menschen. Solange die Massenmedien nicht selber dementieren, wird's einfach blind geglaubt.

Das muß einem große Sorgen machen. Tatsächlich sind es ja nicht die Dümmsten, die darauf hereinfallen. Man redet von der Heilen Welt, die natürlich nirgendwo existiere, aber sie werde propagiert, und die Leute glauben daran.

Der Glaube der Leute ist die Heile Welt. Und sie glauben daran, weil der Mensch etwas Heiles, Unbeschädigtes, Unverletztes und womöglich Unverletzbares braucht.

Die Naivität wird zu Recht verlacht. Das Kindliche steht nicht gerade in dem Ruf, einen erwachsenen Menschen zu adeln. Kindlich ist nahe dem Kindischen, und das ist natürlich schon mehr als albern.

Der Glaube an die Heile Welt ist ein heilsames Korrektiv in einer alles andere als heilen Welt. Das ist in der Tat die andere Seite dieser Angelegenheit.

Überall haben die Intelligenten, Studierten, Wissenden das Sagen. Das ist durchaus korrekt. Was daran nicht stimmt, ist nicht etwa das Grundsätzliche, daß nämlich möglichst die Besten die menschlichen Angelegenheiten regeln sollten.

Was daran nicht stimmt, ist das Bewegende unter der Haut, das vegetative Nervensystem, das uns gar nicht bewußt wird, das Ontische unter den realen Ereignissen. Es ist das dem Menschen Notwendige und Wesentliche.

Er glaubt an die Heile Welt, weil er sie zum Leben braucht. Die im Verhältnis zu ihm Ungläubigen nehmen an seinem Glauben indirekt teil. Er glaubt auch für sie.

Wie ein unausdrückliches Gebet, das alle einschließt. Man sollte darüber nicht lachen, sagt einer, der darüber gelacht hat.

Der Gutgläubige wünscht sich eine Welt, in der er den Menschen vertrauen kann, in der die Offiziellen besser informiert sind als die Inoffiziellen, in der der sprichwörtliche Laie es nicht besser wissen kann, weil die Profis es tatsächlich am allerbesten wissen.

Leider ist das eine Illusion. Nicht die Besten regieren das Land, nicht die Besten die Welt. Manchmal möchte man an eine negative Auslese glauben, die die Macht an sich gerissen hat.

Die Herrschaft der Schlechtesten ist oder wäre der absolute Gegenpol zur Aristokratie im Wortverstand.

Unter diesen Bedingungen wird die Gutgläubigkeit vor offiziellen und offiziösen Nachrichten politisch gefährlich.

Die Gutgläubigkeit wird in einer Welt, der gegenüber ein intaktes kritisches Mißtrauen angebracht ist, zu einem Klotz am Bein der notwendigen Kritik.

Ob Afghanistan oder Kaschmir, die Geschichte geht gewiß weiter, aber vertrauenswürdig will sie einem momentan wirklich nicht erscheinen.

Die unüberhörbaren Widersprüche zwischen dem, was gesagt wird, und dem anderen, das sich unter der Decke abspielt und die eigentliche Politik ausmacht, ist einfach zu groß und darum beängstigend.

Im Zweifelsfall ist die Verteidigung der Schwächeren gegen die totale Übermacht das moralisch einzig Vertretbare.

Es geht gar nicht um politische Inhalte, sondern um den politischen Stil.

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