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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...

2002-08-03

Hob Art

Ortswechsel folgt dem Namenswechsel

Der Name dem Ort?

Unter anderem Namen an einem anderen Ort, das ist nichts Aufregendes. Aber was das eine nach sich zieht, was vorläuft, ist hier die Frage, die aufhorchen läßt, sobald wir die Antwort wissen.

Einen fremden Namen annehmen und verschwinden. Oder verschwinden und unterwegs den Namen wechseln. Das ist aber nicht die Fragestellung.

Wenn du den Namen wechselst, ist es so, als würdest du an einem anderen Ort aufwachen. Mit dem Namen verbindet sich mehr als nur der Anruf, Hallo Bill! Der persönliche Name ist eine Setzung, auch örtlich.

Jede Seele hat ihren Namen und ihr Zuhause. Der Name ist das Zuhause der Seele. Mit dem Namen verliert die Seele ihr Heim. Die Annahme eines anderen Namens ist die Wahl einer zweiten oder dritten Heimat.

Heimat im übertragenen Sinne sucht die Heimat als geografischen Ort. Wer kein Zuhause hat, wem die Heimat abhanden kam, ist letztlich namenlos, auch wenn er täglich den Namen wechselt.

Die Seele ist an den Namen wie an die Landschaft gebunden. Der Name Anton sucht eine andere konkrete Heimat als der Name Paul oder Franz oder Giaccomo.

Franz ist nicht Frantisek. Individuelle Namen sind eingebettet in ihre kollektiven Sprachen. Die Sprachen sind an Regionen gebunden, auch wenn sie bzw. die sie Sprechenden das Land verlassen und nie wieder kommen.

Der Ortswechsel hat dennoch Einfluß auf den Namen und seine eventuelle Änderung.

Auch Orte wechseln ihren Namen. In Grenzgebieten kommt es oft vor, daß eine Stadt oder ein Dorf plötzlich anders heißt. Deutsche Städte tragen jetzt polnische oder tschechische Namen. Ich bestehe darauf, daß eine Stadt mit dem Namen ihren Charakter wechselt.

Mit der Nennung des besonderen Namens klingt sein Sprachhintergrund an. Ein französischer Name verbindet mit der französischen Sprache. Wien ist nicht Vienna. Leningrad und Petersburg sind verschiedene Stadtcharaktere. Kaliningrad ist nicht Königsberg, und Königsberg ist nie Kaliningrad gewesen oder geworden.

Fast möchte man meinen, daß die alte Stadt noch heute ihre alten Namen, die der Straßen und Plätze, und ihren eigenen aufsagt, daß man ihn hören kann, wenn man seine Seele öffnet.

Die Seele einer Stadt hat einen Namen, der tiefer sitzt als der kurzfristige Wechsel, sei es der Ortsbezeichnung, sei es der politischen Regierungsgewalt.

Selbst der Austausch der Bevölkerungen hat die alte Stadtseele nicht auslöschen können. Die russischen Bewohner Kaliningrads rufen nach Königsberg. Sie möchten ihrer Stadt den alten Namen zurück geben, weil sie wissen, daß sie so heißt.

Haben wir damit unsere Ursprungsfrage beantwortet? Wahrscheinlich ist ein Namenswechsel im psychischen Sinn gar nicht möglich. Synonyme bieten sich an. Ich vermute, daß die hermeneutische Kunst aus dem angenommenen Namen den ursprünglichen herauslesen kann.

Um das zu wissen, muß der Mensch durch viele Feuer gegangen sein.

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