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Wo lassen Sie denken Où laissez-vous penser? Rent a brain...
2002-06-15
Wir müssen langsam einsehen, daß wir nichts ausrichten können, das nicht vorgeplant ist.
Die einfachste Kleinigkeit ist vorbestimmt. Fatum entdecken ist keine Aufopferung der Freiheit, sondern als gültige Erkenntnis diese selbst. Es gibt nichts darüber hinaus. Fatalismus als Einsicht ins Unabwendbare und Vorbestimmte ist also das Höchste.
Wir müssen uns dem Fatum zuwenden, dem Phänomen und seiner Wahrheit, dem Begriff und seiner Bedeutung.
Fatum ist Kismet. Es ist der Spruch der Götter, die Weissagung, der Wille Gottes, das Schicksal. Geschick und Verhängnis. Fata waren die Schicksalsgöttinnen. Das lateinische Wort hat nichts von Apathie in sich, wie es als "Fatalismus" negativ in Gebrauch ist.
Der Polytheismus der Römer hat dem Christentum den Grund gegeben, den Begriff nicht zu übernehmen, nicht in dem alten Sinne. Als gäbe es einen Unterschied zwischen dem alten Fatum und der christlichen Offenbarung.
Kismet ist das jedem Menschen von Gott Zugeteilte. Dem entzieht niemand sich. Die Kismet-Erkenntnis bringt Licht ins Denken und Träumen. Du bist in Gottes Hand. Du bist nicht allein.
Kismet ist die innere Vergewisserung, daß der Mensch geschützt ist, daß Gott sich um seine Geschöpfe kümmert, daß er bemüht ist, die Dinge glücklich beisammen zu halten.
Die westliche Freiheit ist dem nur entgegen, wenn sie als Freiheit von Gott, als Freiheit vom Gesetz, von Gebot und Moral verstanden wird. Das ist ein falsches Verständnis.
Hegels Wort, daß Freiheit die Einsicht in die Notwendigkeit sei, ist eine profane Umschreibung der Anerkennung des universellen Regelsystems.
Kismet ist die Geborgenheit in dem, was Allah geschaffen und für uns umsorgt hat.
Das alles ist nicht grundsätzlich neu, ist oft gesagt und geschrieben worden. Der Alte Orient hält Einzug, wenn die Gewöhnung an den Gedanken sich als eine Notwendigkeit enthüllt.
Europa wird dem Gedanken nicht folgen. Deutschland wird dem Kismet-Gedanken äußersten Widerstand entgegensetzen, um sich schließlich in ihm zu entdecken.
Der deutschen Philosophie, oder sagen wir, dem deutschen vorphilosophischen Philososphieren und Dichten ist die Sache nicht fremd.
In der nordischen Mythenwelt ist Geschick als von den Göttern Verhängtes, Bedrohliches festgelegt.
Im Norden und im Süden, im Abendland und im Orient ist das Schicksal ein Grundbestandteil der mystischen Welt- und Lebensauffassung. Der trennende Unterschied ist der von Tag und Nacht oder Morgen und Abend.
Dem Norden ist das Ende als drohendes Verhängnis bewußt, während dem morgenländischen Bewußtsein und seinen phantasievollen Träumen die verheißene Schönheit des Lebens in der ewigen Fürsorge Gottes die Zukunft erfüllt.
Der Abend ist tragisch und voller Ängste, seine Dunkelheit bestimmt die Phantasien seiner Weisen, weil der Abend in die Nacht führt und nicht in den Tag.
Aber die Nacht ist auch ein Geschenk des Himmels. In der Nacht macht der Himmel sich selbst zum Geschenk.
Der Morgen leuchtet dem Tag heim. Die Morgenröte umhüllt die Sternenwelt. Über der Nacht leuchtet der Tag. Unter jedem Tag ist die ewige Nacht, die ewige Schönheit des Universums.
Fürchtet euch nicht, der biblische Rat und Trost, bewahrt vor den Gefahren der Nacht und öffnet die Augen für ihre Weisheit und Schönheit.
Ich wollte den Morgen preisen und verfalle der Nacht.
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